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Steven Spielbergs neue Fernsehserie: Schluss mit niedlichen Figuren à la E.T. Die Außerirdischen kommen

Nach der Alien-Invasion kämpfen Überlebende im Widerstand gegen die Angreifer. Foto: Time Warner CompanyNach der Alien-Invasion kämpfen Überlebende im Widerstand gegen die Angreifer. Foto: Time Warner Company

Osnabrück. Früher waren die Außerirdischen bei Steven Spielberg noch nett und niedlich. Aber die kuscheligen Zeiten von „E.T.“ und Konsorten sind endgültig vorbei. In Spielbergs neuem Serienprodukt haben Aliens die Erde erobert und die Kinder versklavt. Noch regt sich Widerstand.

Auch eine Möglichkeit, die mörderische Invasion aus anderen Welten auf der Erde mit filmischen Mitteln zu erzählen und dabei jede Menge Geld zu sparen: „Ich war in der Schule, als die Außerirdischen landeten“, hört man gleich zu Beginn der neuen Science-Fiction-Serie „Falling Skies“ eine Kinderstimme aus dem Off. Alles, was diese „Landung“ illustriert, sind Kinderzeichnungen mit brennenden Häusern, fliehenden Menschen und schrecklichen Monstern.

„Wir haben sie nicht mit Bomben angegriffen, denn vielleicht wollten sie Freunde sein“, ergänzt eine andere Kinderstimme. „Aber sie wollten keine Freunde sein, überhaupt nicht. Dann gab es plötzlich ein helles Licht, und alle elektronischen Geräte sind kaputtgegangen“, erklingt es aus weiteren noch unsichtbaren Mündern. Satelliten, U-Boote, Armeen, die meisten Städte – alles zerstört. „Jetzt müssen unsere Mamas und Papas kämpfen.“

„Skidders“ werden die außerirdischen Invasoren genannt, die vor mittlerweile rund einem halben Jahr die meisten Erwachsenen getötet und die Kinder versklavt haben. Mit dem menschlichen Nachwuchs haben die fiesen Aliens offensichtlich noch etwas vor. Zur Kontrolle bekommen die Kinder seltsame Symbionten in ihre Nacken verpflanzt. Alle Versuche, diese eigenartigen Viecher wieder zu entfernen, enden tödlich.

Die Vorgeschichte der neuen Serie von Produzent Steven Spielberg muss weitgehend im Kopf der Zuschauer ablaufen. Erst dann gibt die Kamera erste Eindrücke auf den Rest Zivilisation frei, der sich nach der Eroberung der Erde noch halten konnte. Ein ungewöhnlicher Kunstgriff für eine teure SF-Serie in Zeiten computergenerierter Tricks, die heute auch TV-Produktionen wie teures Effekt-Kino aussehen lassen können.

Aber natürlich müssen Genre-Fans nicht fürchten, zu kurz zu kommen. Schon bald geht es im ersten Straßenkampf gegen ein paar Aliens auch visuell in die Vollen. Die Interessen der außerirdischen Invasoren sind halt nicht mit denen der Menschen vereinbar. Obwohl bis zum Ende der ersten Staffel nicht klar ist, was diese fremden Eroberer eigentlich genau wollen. Aber die zehnte und vorerst letzte Episode – eine zweite Staffel wird gerade produziert – lässt tiefere Einblicke in das Innenleben der Invasoren und ihre Motive erahnen.

Kreiert und geschrieben wurde „Falling Skies“ zwar von Robert Rodat („Der Soldat James Ryan“). Doch die Fäden hält erkennbar Spielberg in der Hand, wie er es beispielsweise auch als Produzent bei J.J. Abrams Kinofilm „Super 8“ gemacht hat. Im Mittelpunkt steht hier die Restfamilie des Militärhistorikers Tom Mason (Noah Wyle, „Emergency Room“). Als Stellvertreter des Kommandanten Weaver (Will Patton) kämpft er ums Überleben und heckt mit seiner Widerstandstruppe einen Plan gegen die Aliens aus, den man aus Sicht der Eroberer auch als Terroranschlag definieren könnte.

Spielberg, der einst in Filmen wie „E.T.“ Außerirdische in den friedlichsten Farben zeichnete, setzt hier seinen Paradigmenwechsel fort, den er bereits in „Krieg der Welten“ deutlich ausgelebt hat. Beinahe schwarz-weiß-malerisch stehen hier die guten Menschen, dort die bösen Fremden. Aber trotz aller Not schaffen es nicht alle Menschen zusammenzuhalten.

Erzählerisch – nicht inhaltlich – bleibt diese Spielberg-Produktion allerdings seinen frühen Werken treu. Ein Hauptaugenmerk ist dabei auf das Modell Familie in all ihren Erscheinungsformen gerichtet. Das mag bei Genre-Freunden zwar mitunter zu Unmut wegen gelegentlich langatmig wirkender Erzählstrecken führen. Es lässt aber auch Rückschlüsse auf unsere atomisierte Gesellschaft und einen daraus resultierenden Wunsch nach Geborgenheit und Zusammenhalt ableiten.

Mit „Terra Nova“ läuft derzeit in den USA eine weitere, ebenfalls von Spielberg mitproduzierte SF-Serie, in der noch viel deutlicher eine Familie in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt wird. Wundern braucht das niemanden. Gerade die SF-Produktionen von Spielberg entpuppen sich häufig als Familiengeschichten, gut getarnt in fantastischen Gewändern. Was noch lange nicht heißen soll, dass „Falling Skies“ auch für die ganze Familie geeignet sein könnte. Streckenweise geht es reichlich brutal zur Sache.

Falling Skies, Pro Sieben, Montag, 21. November 2011, 20.15 Uhr


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