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Warum Kinderversionen renommierter Magazine und Zeitungen so beliebt sind Spiel, Spaß und ganz viel Bildung

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Osnabrück. „Geolino“, „Yuno“, „Dein Spiegel“, „Zeit Leo“ oder „Mare Ahoi!“: Zeitschriften und Zeitungen buhlen um Nachwuchsleser. Dabei ist es manchmal nicht ganz klar, ob das Printprodukt nicht eher den Eltern als den Kindern gefallen soll.

„Wir haben eine kleine Maus versteckt. Findest Du sie?“ So heißt es seit Urzeiten auf der Kinderseite der Frauenzeitschrift „Brigitte“. Bis auf einzelne Rätselseiten war für Kinder früher tatsächlich nichts in den Magazinen der Erwachsenen drin. Warum auch, sie hatten „Fix und Foxi“, die „Micky Maus“ oder „Yps“. Das hat sich grundlegend geändert: Heute buhlen die Kinderversionen großer Magazine wie „Stern“, „Spiegel“, „Geo“ oder der Wochenzeitung „Zeit“ um junge Nachwuchsleser.

Dabei sind sie in ihrem Layout, der Themenauswahl und Bebilderung Miniversionen der großen Magazine. Sehr deutlich wird das beim seit 2009 monatlich erscheinenden Magazin „Dein Spiegel“. Es setzt, wie eben auch der „Spiegel“, auf ein breites Themenspektrum und widmet sich der Politik, indem zwei Schüler der Internationalen Schule in Hamburg als Kinderreporter auf EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso treffen. Der Stern Ableger „Yuno“ hingegen berichtet im besten Kids-People-Journalismus gerne auch über die Stars und Sternchen der Welt, ohne dabei der „Bravo“ zu gleichen.

„Wir nehmen es sehr ernst, Kindern gute journalistische Angebote zu machen“, sagt auch Katrin Hörnlein, Chefredakteurin von „Zeit Leo“, im Gespräch mit unserer Zeitung. Seit einem halben Jahr erscheint der Ableger der Wochenzeitung alle zwei Monate und bietet den Kindern ein Lesespektrum zwischen den Rubriken „Erleben“, „Verstehen“ und „Was tun!“. Dabei bedient sich das Heft einer kindgerechten Sprache und eines klaren Layouts. In der aktuellen Ausgabe erzählt es von einem japanischen Jungen in Fukushima, erklärt die Kunst von Andy Warhol, lässt Sarah Wiener Fischstäbchen selbst machen und Kinder ein Museum testen.

Das ist so ganz anders als die altbewährten Kindermagazine, dass es schon auffällt. Doch damit zeigt sich auch die Klientel, die angesprochen werden soll: die Kinder bildungsaffiner Eltern. Auffällig ist, dass in den Ablegern der Erwachsenenmagazine neben Spiel und Spaß auch eine Menge Bildung steckt. „Zeit Leo“ und auch „GeoMini“ werben beispielsweise auf dem Cover, dass sie „empfohlen von Stiftung Lesen“ sind.

Dem Vorwurf, dass statt der Kinder eigentlich die Eltern zum Kauf animiert werden sollen, kann auch Hörnlein nicht ganz widersprechen: „Wir wissen – wie übrigens auch die Konkurrenz – dass unser Magazin meist von den Eltern gekauft, abonniert oder bezahlt wird. Deshalb müssen wir auch den Eltern gefallen.“ Jedoch betont sie dabei das „auch“, denn an erster Stelle stehen die jugendlichen Leser. „Deshalb haben wir viele Rubriken entwickelt, in denen Kinder selbst zu Wort kommen oder zu sehen sind. Wir wollen ein Magazin sein, an dem sie sich beteiligen und das sie mitgestalten können.“ Darüber hinaus würden junge Leser regelmäßig zur Blattkritik geladen, es werde auf ihre Themenwünsche, ihr Lob aber auch ihre Kritik gehört. Etwas anderes können sich die Kinderversionen der Großen auch nicht leisten, denn selbst wenn der Kauf über die Eltern funktioniert: Welcher junge Leser wäre langfristig gewonnen, wenn das Heft nur Pflichtlektüre wäre?

Die Kinder zu verärgern wäre zudem nicht klug, denn ihre Kaufkraft ist nicht zu verachten, bestätigt die „Kids-Verbraucheranalyse 2011“ des Egmont Ehapa Verlags. Laut dieser verfügen die 6- bis 13-Jährigen hierzulande durchschnittlich über ein Taschengeld von 25 Euro im Monat und haben jeweils 738 Euro auf ihrem Sparkonto.

Noch schöner für die Printmedien ist, dass sieben von zehn Kindern regelmäßig zu Kindermagazinen greifen. Im Gegensatz dazu herrscht auf dem Markt der Erwachsenenmagazine seit Jahren ein Auf und Ab. So ist es nicht verwunderlich, dass die Verlage Kinderausgaben ihrer etablierten Magazine erstellen –und dass auch „Kollegen aus anderen Ressorts gern für uns schreiben“, wie Hörnlein sagt. Denn was Hänschen und Lieschen schon lesen, werden vielleicht auch Hans und Lisa noch lesen.


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