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Sportfreunde Leser Ein gesunder Markt: Vor allem kleine Sport- und Fitnesszeitschriften boomen

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<em>Wer fit bleiben will, </em>läuft nicht nur – sondern liest auch. Fitnessmagazine liegen im Trend. Foto: dpaWer fit bleiben will, läuft nicht nur – sondern liest auch. Fitnessmagazine liegen im Trend. Foto: dpa

Osnabrück. Die Zahl der übergewichtigen Menschen in Deutschland pendelt sich seit Jahren auf hohem Niveau ein. Gleichzeitig umfasst der Markt der Sport- und Fitnesszeitschriften mittlerweile über 200 Titel. Doch die Absätze der Großen schrumpfen wie fast überall. Gewinner sind laut dem Mediendienst „kress“ die Nischenblätter.

„Aktiv, jung, gebildet und gut verdienend. Diese Zielgruppe ist ein Traum für Ihren Mediaplan.“ So wirbt die Lifestyle & Sports Group der Motor Presse Stuttgart um Anzeigenkunden. Der Verlag ist mit Titeln wie „Men’s Health“, „Outdoor“ oder „Cavallo“ einer der großen Player im Special-Interest-Markt der Fitnessmagazine.

Große Überraschung

Doch laut IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.) knicken die Absätze der etablierten Zeitschriften ein. So stellte der Hubert Burda Verlag 2011 „Freundin wellfit“ nach immerhin elf Jahren ein. Gruner + Jahr nahm im vergangenen Jahr mangels wirtschaftlicher Perspektive den Titel „Brigitte Balance“ vom Markt. Die größte Überraschung aber dürfte der nachlassende Verkauf auf Fußball spezialisierte Klassiker wie „11 Freunde“, „Sport Bild“ oder „Kicker“ sein. Selbst sie verzeichnen einen Rückgang der Kioskverkäufe.

Gewinner am Büdchen sind dagegen Nischenblätter über Fischen, Reiten oder Basketball. „Unsere Leser wollen lesen, nicht nur blättern“, beschreibt Chefredakteur André Voigt das Konzept seines Hefts „Five“, bei dem man sich eher an US-Titeln wie „Sports Illustrated“ als an deutschen Vorbildern orientiert habe. Das Basketballmagazin kostet 3,90 Euro und feiert demnächst mit der 100000. Ausgabe seinen zehnten Geburtstag. Sogar einen Verlagswechsel hat man schon überlebt.

Auch das multithematische Magazin „Sportsfreund“ schreibt seit vier Monaten schwarze Zahlen, so Gründer und Geschäftsführer Nico Barbat gegenüber „kress“. „Sportsfreund“ kostet 4,50 Euro und widmet sich zwar schwerpunktmäßig dem Fußball, aber auch anderen Leistungs- und Freizeitsportarten. Die Zielgruppe lässt sich am aktuellen Cover gut erkennen: „Grey’s Anatomy“-Star Patrick Dempsey posiert auf dem Mountainbike. Hauptsache Bewegung.

Frauen sind nach wie vor eine starke Zielgruppe, wenn es ums Wohlbefinden in jeglicher Hinsicht geht. So startete in diesem Jahr das Magazin „active Woman“. Es richtet sich an „aktive Frauen, die nach Rat und Orientierung suchen, um sportlich fit zu werden und zu bleiben, gesund zu leben und besser auszusehen.“

Ein weites Feld. Überhaupt scheint der ganzheitliche Ansatz von Fitness und Wellness immer mehr ins Bewusstsein der Blattmacher zu rücken. Beim „Yoga Journal“ etwa geht es um die „Lebenshaltung“, um „Freude und Leichtigkeit“. Auch „Spa Inside“ wurde erst in diesem Jahr neu gegründet. Für 3,90 Euro gibt es hier sechsmal im Jahr thematisch aufbereitet das Beste aus der Welt der Entspannung, nach eigenen Angaben werden von den 30000 verbreiteten Exemplaren 22000 verkauft.

Nur konsequent ist es da, dass auch die Fitnessstudiokette McFit den Markt für sich entdeckt hat. Aus ihrem Hause kommt „Loox“, das mit 2 Euro vergleichsweise günstig ist und Frauen und Männer gleichermaßen ansprechen will. Seit April 2012 gibt es das Monatsmagazin, das sich neben Sport auch den Themen Beauty, Technik und Ernährung widmet. Der Absatz konnte gegenüber dem vierten Quartal 2012 um 23 Prozent gesteigert werden, so der aktuelle „kressreport“.

Zusätzliche Angebote

Während kleinere Zeitschriften sich am Kiosk immer besser verkaufen, versuchen die Marktgrößen durch digitale Zusatzangebote Boden gutzumachen. „Sport Bild“ bietet seit dem letzten Jahr eine App an, die bereits am Sonntag, also vor dem traditionellen Erscheinungstag des „Kicker“, verfügbar ist. „Fit for fun“ gibt es als iPad-Version, „Men’s Health“ bietet verschiedene Online-Tools wie BMI-Rechner oder Testosteronmessung. Doch auch „Loox“ war von Anfang an crossmedial aufgestellt. So findet sich auf der Internetseite etwa ein Trainings- und Ernährungsplan, überschrieben mit dem scheinbar widersprüchlichen Slogan „Folge den Experten – Finde deinen Weg“. Der Kampf um die fittesten Leser geht weiter, am Kiosk und im Netz.


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