Heute Abend bei ZDFinfo "Warum wir hassen" erklärt die gelungene Dokumentation von Steven Spielberg

Gewalttätige Auseinandersetzung: Bei einer Kundgebung von Rechtsextremisten und Neonazis im US-Bundesstaat Virginia mit Gegendemonstranten. Foto: dpa/Go Nakamura/ZUMA WireGewalttätige Auseinandersetzung: Bei einer Kundgebung von Rechtsextremisten und Neonazis im US-Bundesstaat Virginia mit Gegendemonstranten. Foto: dpa/Go Nakamura/ZUMA Wire 

Osnabrück . Woher kommt Hass, wie verbreitet er sich und was macht er mit uns? Wissenschaftler, Journalisten, Täter und Opfer sprechen über die ursprünglichste Emotion von Menschen – ab 10. November in der sechsteiligen Dokumentation "Warum wir hassen" von US-Regisseur Steven Spielberg und Alex Gibney.

Was für eine Entwicklung! Aufgewachsen ist Megan Phelbs-Roper umgeben von Mitgliedern der Westboro Baptist Church, die 1955 von ihrem Großvater Fred Phelbs gegründet worden war. Seit frühester Kindheit war sie bei Demonstrationen dieser so genannten „Hass-Gruppe“ dabei, deren Webseite unter der Adresse „godhatesfags.com“ zu finden ist – übersetzt heißt das etwa „Gott hasst Schwuchteln“.

Heute setzt sich die 33-jährige Megan Phelbs-Roper für die Überwindung von religiösen und politischen Gräben ein. 2012 hatte sie mit ihrer Schwester Grace die Westboro Baptist Church verlassen. In der sechsteiligen Dokumentation „Warum wir hassen“ erläutert sie, was sie bewegt hat, nicht nur ihre Meinung, sondern ihr gesamtes Leben zu ändern.

Von Hass-Mails bis rassistische Morde

Woher kommt Hass? Wie verbreitet er sich? Was lässt Menschen ihre Mitmenschlichkeit vergessen? Und: Wie lässt sich die zerstörerische Kraft des Hasses eindämmen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Dokumentation, die Steven Spielberg und Alex Gibney produziert haben.

Sie thematisiert ein vielfältiges Spektrum: Es geht um Hass-Mails, Mobbing, ethnisch-religiöse Konflikte, die aktuelle Verhärtung in der politischen Auseinandersetzung, aus dem Ruder laufende Demonstrationen und rassistisch motivierte Morde. Interviews mit Wissenschaftlern und Journalisten, mit Tätern und Opfern haben die Macher der Dokumentation eingebunden in Belege und Filmausschnitte, die das weltweite Phänomen der Polarisierung in all seinen Bereichen beleuchten. Manches ist erschreckend. Vor allem in seiner Aktualität.

Hollywood-Regisseur Steven Spielberg. Foto: dpa/Guillaume Horcajuelo/EPA

Produziert wurde die Dokumentation von Steven Spielberg und Alex Gibney. Spielberg, US-amerikanischer Regisseur, Produzent und Drehbuchautor drehte Filme wie „Der weiße Hai“ (1975), „E.T.“ (1981) und „Schindlers Liste“ (1993) oder die Reihe „Indiana Jones“ (1981 – 2008). Drei Mal gewann er einen Oscar.

Regisseur Alex Gibney. Foto: dpa/Britta Pedersen

Der Drehbuchautor, Produzent und Dokumentarfilmer Alex Gibney hat 2008 gemeinsam mit Eva Orner den Oscar für „Taxi zur Hölle“ gewonnen. Der Film befasst sich mit der Anwendung von Folter durch das US-amerikanische Militär.

Taktik der Extremisten

Die Beispiele in der Dokumentation stammen fast ausschließlich aus den USA. Und auch wenn diese nicht unmittelbar auf Europa und Deutschland übertragbar sind, so machen sie doch die Strukturen deutlich, aus denen Hass und Extremismus wachsen und sich weiterverbreiten. Zumal durch die Digitalisierung ein unmittelbarer, weltweiter Austausch möglich ist. Zudem hat beispielsweise nicht nur die Politik Donald Trumps weltweite Auswirkungen, sondern auch seine Art, Andersdenkende zu diskreditieren.

„Wir erleben eine politische Rückentwicklung, die auf Angst beruht. Nicht nur in den USA“, sagt beispielsweise Brian Levin vom Zentrum zur Erforschung von Hass und Extremismus in der letzten Folge der Dokumentation. Und Sasha Havlicek, Gründerin des Institute for strategic dailog, deckt die Taktik auf, mit denen Extremisten weite Teile der Bevölkerung auf ihre Seite ziehen wollen, die eigentlich fern jeder Radikalisierung sind: „Sie entschärfen ihre Sprache, um auch die Mitte der Gesellschaft zu erreichen“, sagt sie.


Eingebunden sind solche Interviews in Sequenzen, die aufzeigen sollen, wo Gefühle wie Hass herkommen. Allerdings sind die Erläuterungen über das Zusammenleben von Affen nicht in jedem Detail spannend gelungen.

Weißer Rassist trifft radikalen Muslim

Andere Teile hingegen bieten sehr interessante Einblicke: Wenn zum Beispiel ein Aussteiger der „white supremacists“ – die dem rechten Terror in den USA ein Gesicht geben – von seiner Radikalisierung erzählt und das Treffen mit einem radikalen Muslim verblüffende Parallelen zwischen den extremistischen Weltbildern offenbart.

Parallelen zeigen sich auch im Vergleich von Menschen, die sich nach einer Zeit der Radikalisierung vom Extremismus abgewendet haben. Diesen Prozess initiiert oder beschleunigt immer der direkte Kontakt mit Menschen der angefeindeten Gruppe. Fast fühlt man sich erinnert an Kinder, die Angst vor einem Monster unter ihrem Bett haben – und beim Blick unter die Matratze feststellen, dass da niemand ist.

Die Sendetermine

Warum wir hassen. Die Sendetermine bei ZDFinfo: 

  • Teil 1: „Warum wir hassen – Ursprung“, 20.15 Uhr, 10. November, 
  • Teil 2: „Warum wir hassen – Fremde“, 21 Uhr; 10. November, 
  • Teil 3: „Warum wir hassen – Propaganda“, 20.15 Uhr; 11. November, 
  • Teil 4: „Warum wir hassen – Extremismus“, 20.15 Uhr; 12. November, 
  • Teil 5: „Warum wir hassen – Völkermord“, 20.15 Uhr, 13. November,
  • Teil 6: „Warum wir hassen – Hoffnung“, 20.15 Uhr, 18. November.
Zudem ist die Folge „Extremismus“ am Dienstag, 12. November 2019, ab 20.15 Uhr im ZDF zu sehen.


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