Ab morgen im Radio Deutscher Hörspielpreis: Eine Jury nur mit Frauen

Sitzt in der diesjährigen Jury zum Deutschen Hörspielpreis: die Schauspielerin und Sprecherin Jenny Schily. Foto: Christine FenzlSitzt in der diesjährigen Jury zum Deutschen Hörspielpreis: die Schauspielerin und Sprecherin Jenny Schily. Foto: Christine Fenzl

Osnabrück . Seit 2004 veranstaltet die ARD jedes Jahr die Hörspieltage. Das Festival spielt Neuproduktionen, bietet Raum für Diskussion und zeichnet Hörspiele aus.

In der Pressemitteilung der ARD steht die Anmerkung fast am Anfang: „Zum ersten Mal bestimmt eine rein weiblich besetzte Jury unter Vorsitz der Publizistin Jenni Zylka über die Gewinnerin oder den Gewinner des Deutschen Hörspielpreises der ARD.“

Fragt man Jenny Schily, die dieses Jahr mit in der Jury sitzt, nach dem Grund für die rein weibliche Besetzung, sagt die Schauspielerin, dass sich die Jury-Vorsitzende das gewünscht habe und: „Ich finde, es ist eine sehr schöne Zusammenstellung und ich freue mich auf diese Frauenrunde, aber ich würde mir auch wünschen, dass es nicht mehr darum geht, welches Geschlecht die Mitglieder einer Jury haben, sondern um die Personen und ihre Qualifikation.“

Lange habe es rein männlich besetzte Entscheidungsgremien gegeben, ohne dass das großartig thematisiert worden sei, merkt sie an und schwenkt über zur Debatte um eine weibliche Quote in den deutschen Führungsetagen: „Die Quote dient dazu, den Prozess hin zur Normalität zu beschleunigen. Bislang sind die Frauen aus bündnerischen Gründen nicht zum Zug gekommen“, sagt sie und: „Eine Männerquote gibt’s schon lange.“

Außer Schily und der Jury-Vorsitzenden Zylka sitzen noch Milena Fessmann (Musikberaterin, Moderatorin), Lamya Kaddor (Islamwissenschaftlerin, Publizistin) und Maryam Zaree (Schauspielerin, Filmemacherin, Autorin) in dem Gremium, das über die Vergabe des Preises für die „Beste schauspielerische Leistung“ in den zwölf eingereichten Hörspielen entscheidet.

Jenny Schily, die selbst bereits in verschiedenen Hörspielproduktionen mitgewirkt hat, freut sich auf diese Aufgabe, obwohl sie sie für schwer hält: „Es sind wahnsinnig interessante Beiträge eingereicht worden. Ich habe noch keine Ahnung, wie ich das entscheiden soll.“

Sie selbst liebt bei Hörspielen die Fokussierung auf die Stimme, die Raum für eigene Vorstellungen lasse: „Dieser schöne Moment, der im Kopf entsteht, indem ich die Augen schließe und meine Phantasie losgeht.“ Auf das gemeinsame Hören mit dem Publikum in Kalrsruhe, wo die Hörspieltage vom 6. bis zum 11. November stattfinden, freut sie sich sehr.

Mit den Hörspieltagen möchten die ARD-Sender das Genre Hörspiel einem größeren Publikum nahebringen. Im Wettbewerb um den mit 2500 Euro dotierten Publikumspreis und den Deutschen Hörspielpreis reicht jede Hörspielredaktion eine Produktion ein. Abgestimmt wird vor Ort und im Internet. Seit 2006 verleihen die Veranstalter auch den Newcomer-Preis „ARD-Pinball“ und den Deutschen Kinderhörspielpreis (zusammen mit der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen). Veranstalter der Hörspieltage sind die Landesrundfunkanstalten der ARD und das Deutschlandradio. Die Organisation teilen sich der federführende SWR jährlich mit einem anderen ARD-Sender. 

Bei der Veranstaltung in Karlsruhe werden nicht nur Hörspiele gehört, es wird auch diskutiert. So dreht sich der Thementag „Frauen im Ausschnitt“ am Samstag, 9. November, um die Frage: Wie weiblich ist der Kulturbetrieb? Im offenen Dialog mit dem Publikum wird es um Wege und Möglichkeiten gehen, Frauen in Kultur, Hörspiel und Film endlich gleichzustellen. Zu den Referentinnen gehören Sabine Hark (Professorin für Geschlechterforschung), Lamya Kaddor, Stefanie Lohaus (Mitherausgeberin des Missy Magazine), Ania Mauruschat (Literatur- und Medienwissenschaftlerin), Luise F. Pusch (Begründerin feministische Linguistik, Bloggerin) und Hilde Weeg (Deutscher Journalistinnenbund).

Eigentlich müsste doch gerade im Kulturbetrieb mit seiner Offenheit die Gleichstellung von Frauen und Männern viel schneller vorangehen? „Ja“, sagt Jenny Schily auf die Frage. In ihrem Umfeld gebe es fast nur Männer, die Gleichstellung befürworten und den jetzigen Zustand nicht ausreichend finden: „Also, ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.“

Im Radio zu hören wird die „Nacht der Gewinnern*innen“ am 9. November ab 20 Uhr bei folgenden Sendern sein: hr2 Kultur, WDR Event, Bayern 2, SWR 2 und SR2. Der NDR sendet die Show zeitversetzt ab 22.05 Uhr.

Das Live-Hörspiel „Die Geschichte von der Schüssel und vom Löffel“ (10. November) ist im Radio und per Videostream im Web zu erleben. Zur Besetzung gehören Gustav Peter Wöhler, Manon Straché und Stefan Kaminski.

Weitere Termine und das Live-Hörspiel sind hier abrufbar: hoerspieltage.ARD.de


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN