Heute Abend im NDR-Programm Magische Bilder aus „Norddeutschland bei Nacht“ im NDR Fernsehen

Faszination von Licht und Dunkel: Auch den Hafen von Stralsund hat Marcus Fischötter mit seinem Team für die Dokumentation "Norddeutschland bei Nacht" mit dem Helikopter überflogen. Foto: NDRFaszination von Licht und Dunkel: Auch den Hafen von Stralsund hat Marcus Fischötter mit seinem Team für die Dokumentation "Norddeutschland bei Nacht" mit dem Helikopter überflogen. Foto: NDR
NDR

Osnabrück . Zu einer Reise mit faszinierenden Bildern lädt der NDR heute Abend mit der Dokumentation „Norddeutschland bei Nacht“ ein. Gedreht wurde sie von Marcus Fischötter mithilfe hochauflösender Kameras aus einem Helikopter: Zu sehen am 31. Oktober um 20.15 Uhr.

Nachtleben – das klingt nach durchzechten Stunden, wilden Parties bis in den Morgen und Zusammensein mit anderen Menschen. Nicht umsonst heißt es in einem Lied: „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da/ Die Nacht ist da, dass was gescheh'./ Ein Schiff ist nicht nur für den Hafen da,/ Es muss hinaus, hinaus auf hohe See!“. Der Schauspieler Gustaf Gründgens hat es 1938 erstmals in dem Film „Tanz auf dem Vulkan“ gesungen. Viele weitere Künstler haben das Lied später auch interpretiert, wie die Comedian Harmonists und Max Raabe mit seinem Palastorchester.

Dass man unter „Nachtleben“ auch etwas ganz anderes verstehen kann und Schlaf bei weitem nicht die einzige Alternative ist, beweist Marcus Fischötter in seinem Dokumentarfilm „Norddeutschland bei Nacht“. In ihm hat er die ruhige Magie der Stunden zwischen Sonnenuntergang und -aufgang an diversen Orten der norddeutschen Bundesländer eingefangen. Dass die einsam sein können – aber nicht müssen – belegt er auf seiner Reise zwischen Stralsund und Wilhelmshaven, Osnabrück und Sylt.

Nachtarbeiter

Über weite Strecken lässt Fischötter die großartigen Bilder für sich sprechen, die er mithilfe eines Helicopters und einer hochauflösenden Kamera aus der Höhe eingefangen hat. Oftmals begibt er sich aber auch auf den Boden und lässt Menschen zu Wort kommen, die in den Nachtstunden arbeiten müssen oder diese Zeit als Raum für ihre Hobbys entdeckt haben. Wären die Bilder des Films nicht so schön und würden vor dem Fernseher halten, man könnte sich sofort vor die Haustür begeben, um das Leben in der Dämmerung für sich zu entdecken. So aber ist Zusehen erstmal die spannendere Option. Der Film kommt passend zur dunklen Jahreszeit.

Eine Freundin besonders dunkler Nächte ist die Studentin Laura Kranich, die in Kiel Meteorologie studiert und sich gern nachts an der Ostseeküste auf die Lauer legt: nach Motiven, die ihr der Nachthimmel für ihre Kamera bietet. Dort kann sie manchmal Polarlichter sehen und auch andere Lichtphänomene – weil es an ihrer Lieblingsstelle sonst stockdunkel ist. Angst hat sie keine. Es ist ja niemand unterwegs: „Man hat die ganze Welt für sich allein“, schwärmt die junge Frau im wärmenden Kapuzenpulli.

Die Schönheit des Dunkels durchzieht alle Aufnahmen, die mit wenig Musik, manchmal sind es nur Klänge, untermalt sind. Zudem gibt es wenig Informationen zu den Orten, die gezeigt werden. Die Bilder sollen wirken. Und das tun sie. Produziert wurden sie für die große Leinwand: Der Film ist im März 2019 in den Kinos zu sehen gewesen. 

Die filmische Reise vom Sonnenuntergang bis zum Morgengrauen führt zu Orten, die sonst laut sind und in der Nacht einen ganz eigenen Zauber entfalten. Und sie führt zu Orten, die auch sonst abgelegen sind. Wie der Fischkutter von Andreas Thaden, der sich nachts aufmachen muss zum Fang vor Amrum, weil die Fische tagsüber sein Netz sehen würden. Inzwischen bessert er seinen Ertrag auf, weil er während der zum Teil mehrtägigen Fahrten Salz aus dem Meerwasser gewinnt.

Was kann ein Film über die Nachtstunden zeigen? Marcus Fischötter ist gemeinsam mit Björn Lindenblatt (Kamera) und Klaus Stuhl (Helikopterkamera) zu blinkenden Windparks, zum Hamburger Dom, zu Bauern, die frühmorgens ihre Felder abernten, zum Wolfsburger VW-Werk, zur Salzgitter AG und zu den Häfen von Wismar, Rostock, Kiel und Hamburg gereist. Aber nicht nur in der nächtlichen Industrie herrscht reger Betrieb. Die Lichtdesignerin Ulrike Brandi zeigt, wie sie die Herrenhäuser Gärten in Hannover illuminiert. Der Biologe Detlef Kolligs erforscht und schützt in der Nordheide gefährdete Nachtfalter.

Zwischendurch klingt mehrfach ein Thema an, das unter Wissenschaftlern als „Lichtverschmutzung“ beklagt wird. Die Helligkeit, die durch ständige Beleuchtung auch in der Nacht ihren Platz gefunden hat, greift nicht nur ihre magische Heimeligkeit an, sie nimmt vielen Tieren ihren Lebens- und Rückzugsraum. Und der Astronom Andreas Hänel muss sehr lange in einem Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern nach größtmöglicher Dunkelheit suchen, um einen Sternenpark einzurichten.

Es ist eine Dokumentation zum entspannten Runterkommen am Abend. Am Ende ist es so, wie eine Besucherin einer nächtlichen Veranstaltung in Fischötters Dokumentation ausdrückt: „Man fühlt sich sehr klein und friedlich.“

Norddeutschland bei Nacht. NDR, 31, Oktober 2019, 20.15 Uhr


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN