Nach Klage von Relotius "Keine Fehler gemacht": Autor Juan Moreno wehrt sich gegen Vorwürfe

Von dpa

Journalist Juan Moreno wehrt sich gegen den Vorwurf, in seinem Buch Unwahrheiten über Claas Relotius geschrieben zu haben. Foto: imago images/Manfred SegererJournalist Juan Moreno wehrt sich gegen den Vorwurf, in seinem Buch Unwahrheiten über Claas Relotius geschrieben zu haben. Foto: imago images/Manfred Segerer
Manfred Segerer via www.imago-images.de

Hamburg. "Tausend Zeilen Lüge" heißt das Buch, das Juan Moreno über den Fälschungsskandal beim "Spiegel" geschrieben hat. Jetzt geht Claas Relotius dagegen vor. Das Buch enthalte "erhebliche Unwahrheiten und Falschdarstellungen". Doch Moreno wehrt sich.

Der Autor Juan Moreno hat sein Buch "Tausend Zeilen Lüge" über den Fall Claas Relotius gegen Vorwürfe des ehemaligen "Spiegel"-Redakteurs verteidigt. "Ich glaube, ich habe keinen Fehler gemacht", sagte Moreno am Freitag bei den Medientagen München. Er habe sehr gründlich recherchiert und "nach bestem Wissen und Gewissen" geschrieben. "Ich gehe bis heute davon aus, dass das stimmt." Er erlebe derzeit ein Déjà-vu. "Warum glaubt mir denn niemand? Ich bin doch nicht ein Fälscher wie er", sagte Moreno. Sein Verlag Rowohlt Berlin und er hätten allerdings schon mit Schritten von Relotius gerechnet.

Über 20 Stellen des Moreno-Buches beanstandet

Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass Relotius gegen Morenos Buch "Tausend Zeilen Lüge – Das System Relotius und der deutsche Journalismus" vorgeht. Darin seien "erhebliche Unwahrheiten und Falschdarstellungen" zu finden, wie es in einem Schreiben von Relotius' Anwalt Christian Schertz heißt. Er forderte von Moreno und dem Verlag, die "aufgeführten falschen streitgegenständlichen Aussagen" nicht weiter zu behaupten oder zu verbreiten. Konkret geht es in Relotius' Vorwürfen um mehr als 20 Stellen des Moreno-Buches. "Unser Klient muss gerade aufgrund der gegen ihn erhobenen Vorwürfe die Verbreitung von Unwahrheiten nicht hinnehmen", heißt es in dem Schreiben.

Schertz weist darauf hin, dass Relotius 19 Preise und 2 weitere Auszeichnungen erhalten habe und nicht – wie von Moreno geschildert – mehr als 40 Preise. Zudem seien mehrere Sätze, Aussagen oder Schilderungen in dem Buch nicht so gefallen beziehungsweise falsch wiedergegeben.

Moreno beschreibt in seinem Buch, wie er das Vorgehen seines Ex-Kollegen Relotius enttarnte. Jahrelang hat der heute 33-jährige Relotius für seine gefeierten Reportagen Szenen, Ereignisse, ganze Existenzen erfunden. Vor allem für den "Spiegel", aber nicht nur. Moreno geht davon aus, dass die Auseinandersetzung mit Relotius juristisch geklärt werden müsse.

Verlag äußert sich vorerst nicht

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Der Rowohlt Berlin Verlag erklärte, dass in dem Schreiben an keiner Stelle bestritten werde, "dass Claas Relotius zahlreiche Reportagen frei erfunden oder gefälscht hat, ebensowenig werden Morenos Beweise, die zur Überführung von Claas Relotius geführt haben, angezweifelt". Es handele sich nach Meinung des Verlags um den Versuch, mit Randfragen und Nebenschauplätzen Moreno zu diskreditieren. Der Verlag habe die Sache seiner Anwältin übergeben und mache daher derzeit keine weiteren Angaben dazu.

Relotius: "Meiner eigenen großen Schuld heute sehr bewusst"

Relotius sagte laut "Zeit": "Ich bin mir meiner eigenen großen Schuld heute sehr bewusst und will durch die Auseinandersetzung mit diesem Buch nicht davon ablenken. Ich stelle mich allem, wofür ich verantwortlich bin, aber ich muss keine unwahren Interpretationen und Falschbehauptungen von Juan Moreno hinnehmen."

Der "Spiegel" hat die Relotius-Affäre, einer der größten Skandale im deutschen Nachkriegsjournalismus, unter anderem in einer umfassenden Dokumentation und neuen Arbeitsabläufen aufgearbeitet. Es gab auch personelle Konsequenzen.


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