Bauernreporter Herrmann im Interview Abschied vom Dorftrottel: „‘Bauer sucht Frau‘ wandelt sich“

Bauer sucht Frau 2019: Inka Bause und Ralf Herrmann. Foto: TVNOW / Guido EngelsBauer sucht Frau 2019: Inka Bause und Ralf Herrmann. Foto: TVNOW / Guido Engels

Berlin. Täuscht es oder verändert „Bauer sucht Frau“ sich zum Guten? Wir fragen den RTL-Bauernreporter Ralf Herrmann.

Am Montag beginnt die 15. Staffel von „Bauer sucht Frau“. Elf Singles vom Lande will Inka Bause unter die Haube bringen – auf dass RTL auch mit diesem Jahrgang Bauernhochzeit feiern kann. Immerhin 30 Ehen hat das Format schon gestiftet; im Schnitt sind das gut zwei pro Staffel. Und dass man es auch dem neuen Durchgang zutraut, liegt nicht nur an der Statistik. Es hat auch mit den Kandidaten zu tun, die RTL wie immer schon an Pfingsten vorgestellt hat. Die nämlich wirken – attraktiv. 

„Rainer, ich hab Scheiße an der Hand“

Das klingt wie eine Selbstverständlichkeit. Aber bei „Bauer sucht Frau“ ging es nicht immer nur um die Liebe, sondern oft genug auch ums Auslachen. Noch in der zehnten Staffel war mit Rainer und Heike ein Slapstick-Paar im Rennen, das burlesk an Kaffeemaschinen scheiterte und romantische Liebesverse wie diesen flüsterte: „Rainer, ich habe Scheiße an der Hand.“ Die Unbeholfenheit und Bedürftigkeit vergangener Generationen war in der aktuellen Vorstellungsrunde nicht mehr zu spüren; stattdessen präsentierte RTL Männer, die mitten im Leben stehen. Es sieht so aus, als wäre, pardon, die Dorftrottel-Dramaturgie verabschiedet. Täuscht der Eindruck? Die Frage geht an einen Experten.

„Dass die neuen Kandidaten mitten im Leben stehen, beschreiben Sie gut, finde ich. Sie sind nicht danach ausgesucht, ob sie ein kurioses Hobby haben oder in irgendeiner Weise ein ‚Hingucker‘ sind“, antwortet Ralf Herrmann. „Trotzdem würde ich auf keinen Fall sagen, dass früher bloßgestellt oder inszeniert wurde.“ Für das „Extra“-Magazin begleitet der 38-Jährige das Format schon seit vielen Jahren. Zum vierten Mal wird er diesmal auch vor der Kamera stehen, um die Höfe als Bauernreporter selbst zu besuchen. Er gehört zum gleichen Sender wie Inka Bause, ist aber Teil einer eigenen Redaktion und nicht in die Produktion von „Bauer sucht Frau“ eingebunden.

Ralf Herrmann: Das Format wandelt sich

Auch Herrmann glaubt, dass „das Format selbst sich in den letzten Jahren extrem gewandelt hat. Es geht immer mehr um die eigentliche Liebesgeschichte, um die Frage, ob die Bauern die Frau fürs Leben finden“, sagt er. Zugleich widerspricht er der Kritik: „Wenn ich auf dem Scheunenfest oder bei den Hofbesuchen mit den Bauern spreche, ist das alles kein Thema. Ich erlebe Bauern, die auf das Format große Lust haben, mit allem Drum und Dran. Deswegen gehe ich davon aus, dass sie grundsätzlich mit dem zufrieden sind, was sie an Dreharbeiten erlebt und im Fernsehen gesehen haben. Auch in den früheren Jahren.“

Warum also ändert sich der Tonfall der Sendung überhaupt – indem nun mehr das Romantische als das Kuriose fokussiert wird? „Wahrscheinlich, weil die Zuschauer sich das so wünschen. Das gilt generell für das Fernsehen und den Boulevardjournalismus. Den Krawall der 90er Jahre will keiner mehr sehen. Und natürlich haben das Privatfernsehen und auch RTL sich damals ein gewisses Image erarbeitet. Aber noch einmal: Wenn ich mit dem Bauern spreche, sind die happy. Selbst wo es mit der Liebe nicht geklappt hat, sagt keiner, er würde nie wieder mitmachen.“

Wie haben seine eigenen Freunde reagiert, als er mehr und mehr mit der Kuppelshow assoziiert wurde? „Natürlich bin ich als Bauernreporter auch mal belächelt worden“, erzählt Herrmann. „In so einem Fall sage ich: Guckt es euch an.“ Seit diesem Sommer lästert keiner mehr. Seine Aufgabe hat an Glamour gewonnen: Das neue Spin-off „Bauer sucht Frau International“ verkuppelte nun Landwirte von Chile bis Costa Rica; und Ralf Herrmann wurde für die Hofreportagen zum Globetrotter. „Als ich zwei Monate lang um die Welt gereist bin, haben alle große Augen gemacht. Zumal ich sonst kein großer Weltenbummler bin.“

Top-Quoten für das „Extra“-Magazin

In seiner Redaktion dürfte Herrmanns Arbeit ohnehin populär sein. Seine Reportagen bescheren Birgit Schrowanges „Extra“-Magazin, das am Montag sein 25-jähriges Bestehen feiert, regelmäßig Top-Quoten: „Meine Beiträge laufen am Anfang der Sendung und haben in der Gesamtreichweite, also beim Publikum ab drei Jahren, über den Daumen rund vier Millionen Zuschauer“, sagt der Journalist. „Es schalten also kaum Bauer sucht Frau‘-Zuschauer ab.“

Wenn Ralf Herrmann am Montag seine Tätigkeit als Bauernreporter wiederaufnimmt, besucht er zunächst keinen Hof. Stattdessen hat er Inka Bause hinter den Kulissen von „Bauer sucht Frau“ begleitet. Hat ihn, den Kenner des Formats, dabei noch irgendetwas überrascht? „Inka Bause schwitzt nicht“, antwortet Herrmann. „Es ist ein Phänomen. Wir waren an den zwei, drei heißesten Tagen des Jahres unterwegs. Ich habe die ganze Zeit ein Handtuch hinter dem Rücken versteckt, um mir den Schweiß abzutupfen.“ Er war, sagt er, auch darauf eingestellt, den Dreh immer wieder für Puderpausen zu unterbrechen. „Aber sie schwitzt nicht. Alle Hemden kleben, nur Inka Bause ist nichts anzumerken. Es ist faszinierend“, sagt er. „Ansonsten habe ich mich gefreut, wie offen sie all meine Fragen beantwortet hat.“ Sogar die, ob sie nicht auch mal für sich selbst einen Mann suchen will.

„Bauer sucht Frau“ startet am Montag, 14. Oktober, 20.15 Uhr. Ralf Herrmanns Reportagen laufen direkt im Anschluss, ab 22.15 Uhr bei „Extra“.

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