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Bauer sucht Frau 2019 Bauernreporter Ralf im Interview – was Sie über Inka Bause nicht wussten

Bauernreporter und Bause: Im Herbst 2019 läuft die 15. "Bauer sucht Frau"-Staffel. Scheunenfest-Szene mit Ralf Herrmann und Inka Bause.Bauernreporter und Bause: Im Herbst 2019 läuft die 15. "Bauer sucht Frau"-Staffel. Scheunenfest-Szene mit Ralf Herrmann und Inka Bause.

Berlin. Seit Jahren begleitet "Bauernreporter" Ralf Herrmann "Bauer sucht Frau" für RTL-"Extra". Ein Gespräch über das Kuppel-TV.

„Bauer sucht Frau“ läuft derzeit schon in der 15. Staffel. Einer der das Kuppel-Format seit Jahren begleitet, ist Ralf Herrmann. Als „Bauernreporter“ besucht er die Kandidaten für Birgit Schrowanges „Extra“ – und beschert dem RTL-Magazin mit seinen Reportagen regelmäßig traumhafte Quoten. Im Interview wirft er einen Blick hinter die Kulissen. Seine Beiträge zur kommenden Staffel sehen Sie immer montags um 22.15 Uhr, direkt nach  „Bauer sucht Frau“. 

Herr Herrmann, seit ein paar Jahren besuchen Sie für das „Extra“-Magazin die Kandidaten von „Bauer sucht Frau“. Mit welchem Vorwissen reisen Sie an?

Ralf Herrmann: Viel mehr als die Zuschauer weiß ich gar nicht. Natürlich habe ich alle Bauern auf dem Scheunenfest kennengelernt und mit jedem kurz gesprochen. Aber ich bin nicht bei der Produktion der Hofwoche dabei und bekomme auch nichts vom Rohmaterial zu sehen. Nicht allzu lange vor der Ausstrahlung sehe ich mir die Folge an, nach der mein eigener Beitrag dann läuft. Auf dieser Grundlage entscheide ich dann, welchen Bauern ich besuchen möchte. Eine Woche vor dem Staffelauftakt weiß auch ich noch nicht, bei welchem Bauern es diesmal mit der Liebe geklappt hat.

Das sehen Sie den Bauern aber vermutlich schnell an.

Ich erfahre es meistens schon vorher häppchenweise, auch aus dem Kontakt mit der Redaktion. In der Startwoche von „Bauer sucht Frau“ produzieren wir das Abschlussfest, das dann als „Großes Wiedersehen“ im Dezember gezeigt wird. Und spätestens dann weiß ich, wie alle Hofwochen ausgegangen sind. Es ist mir aber ganz lieb, nicht schon alle Details zu kennen. Ich möchte ja von den Bauern erfahren, was sie erlebt haben.

Nutzen die Bauern Sie auch als Beichtvater? Gibt es Klagen, weil sie sich im Fernsehen anders erleben als in ihrer Erinnerung?

Eigentlich gar nicht. Die finden erstmal toll, dass sie im Fernsehen sind. Meistens ist der ganze Ort in Aufruhr. Ich habe wirklich noch nie den Fall gehabt, dass einer unzufrieden war, wie er dargestellt wurde. Natürlich sind sie manchmal ein bisschen down – und zwar, wenn es mit der Frau nicht geklappt hat. Das ist dann meine eigentliche Herausforderung, weil wir das mitten in der Staffel natürlich noch nicht verraten dürfen. Dann sitze ich vor Bauern, die ihr Herz erleichtern wollen, und muss ihren Redefluss bremsen.

Lässt sich der Wert Ihrer Beiträge für die Quote des „Extra“-Magazins beziffern?

Es läuft sehr gut. Meine Beiträge laufen am Anfang der Sendung und haben in der Gesamtreichweite, also beim Publikum ab drei Jahren, über den Daumen rund vier Millionen Zuschauer. Es schalten also kaum „Bauer sucht Frau“-Zuschauer ab.

Wie hat Ihr soziales Umfeld reagiert, als Sie zum Bauernreporter wurden? Und wie, als Sie für „Bauer sucht Frau International“ dann Höfe auf der ganzen Welt bereisen durften?

Klar, als ich zwei Monate lang um die Welt gereist bin, haben alle große Augen gemacht. Zumal ich sonst kein großer Weltenbummler bin.

Weil Sie die exotischen Speisen nicht mögen. Auf den Höfen mussten Sie regelmäßig mit sich kämpfen.

Ich gebe zu, dass ich ein absoluter Verfechter von Hausmannskost bin. Wenn ich Höfe in Bayern besuche oder in Baden-Württemberg, freue ich mich auf die Knödel und Spätzle, die mir die Mütter der Bauern auftischen. Ich reise aber auch sonst gern im Inland. Andere stechen ihre Reiseziele mit Nadeln auf einer Weltkarte ab; ich habe dafür eine Deutschlandkarte. Ich finde es toll, das eigene Land so viel wie möglich zu erkunden; deshalb ist „Bauer sucht Frau“ auch so ein Geschenk für mich. Ich sehe Orte, an die ich sonst nie käme. Wer reist schon an den Städten vorbei über die Dörfer?

Um das Reisen beneiden wir Sie. Welche Reaktionen kriegen Sie zu dem Format selbst?

Vielleicht hat „Bauer sucht Frau“, auch aus früheren Jahren, noch ein gewisses Image. Natürlich bin ich als Bauernreporter auch mal belächelt worden. In so einem Fall sage ich: Guckt es euch an. Bei dem ein oder anderen hat sich die Meinung geändert. Auch, weil das Format selbst sich in den letzten Jahren extrem gewandelt hat. Es geht immer mehr um die eigentlich Liebesgeschichte, um die Frage, ob die Bauern die Frau für's Leben finden.

Ich finde das auch. Als die Bauern der aktuellen Staffeln vorgestellt wurden, habe ich nur selbstbewusste Singles gesehen, die mitten im Leben stehen. Die schrillen Slapstick-Charaktere, die hilfsbedürftigen Figuren, die „Bauer sucht Frau“ früher vorgeführt und als Kuriosum inszeniert hat, sind verschwunden. Die Hochzeit von Norbert und Petra, die sich 2015 verliebt haben und jetzt bei ihrer Hochzeit im Mittelalter-Dorf gefilmt wurden, waren fast schon ein Fremdkörper.

Dass Leute vorgeführt wurden, sehe ich nicht so. Das sage ich nicht nur als RTL-Mitarbeiter. Ich habe es nie so empfunden. Ich bin bei der Produktion nicht dabei; aber ich bin mir sicher, dass nichts inszeniert ist. Wenn Norbert und Petra in mittelalterlichen Kostümen heiraten, sind sie nicht auf Slapstick inszeniert. Das mag ein kurioses Hobby sein, aber sie interessieren sich ganz einfach dafür und wollen selbst so heiraten.

Worin hat „Bauer sucht Frau“ sich für Sie denn in Ihren Augen verändert.

Ich glaube, es hat schon was mit dem Cast zu tun. Dass die neuen Kandidaten mitten im Leben stehen, beschreiben Sie gut, finde ich. Sie sind nicht danach ausgesucht, ob sie ein kurioses Hobby haben oder in irgendeiner Weise ein „Hingucker“ sind. Und vor allem konzentriert sich die Sendung sich jetzt mehr darauf, wie sie die Frau kennenlernen. Trotzdem würde ich auf keinen Fall sagen, dass früher bloßgestellt oder inszeniert wurde.

Ich meine mit Inszenierung auch nicht Arbeit nach Drehbuch, sondern die Stilisierung. Die zehnte Staffel handelte beispielsweise von einem stotternden, sehr schüchternen Bauern, der immer wieder mit einem Hundewelpen gezeigt wurde – sodass unsere Rührung über seine Unbeholfenheit ins Unermessliche stieg. Mit Rainer und Heike hatte die Staffel außerdem ein Duo präsentiert, das in jeder Folge an irgendwas scheiterte, am Bügeleisen, einer Kaffeemaschine oder dem Sektkorken. Die beiden waren ein einziger Slapstick-Runnig-Gag. Das war der Höhepunkt einer sehr zuspitzenden Typisierung, bei der Menschen zu Witzfiguren werden.

Wenn ich auf dem Scheunenfest oder bei den Hofbesuchen mit den Bauern spreche, ist das alles kein Thema. Ich erlebe Bauern, die auf das Format große Lust haben, mit allem Drum und Dran. Deswegen gehe ich davon aus, dass sie grundsätzlich mit dem zufrieden sind, was sie an Dreharbeiten erlebt und im Fernsehen gesehen haben. Auch in den früheren Jahren. Ich will nicht sagen, dass früher nur skurrile Bauern verkuppelt wurden. Ich glaube nur, dass es heute weniger darum geht, ein verrücktes Hobby zu zeigen, sondern eben um supersympathische Bauern, denen die Zuschauer eine tolle Partnerin wünschen. Vielleicht hatten die jahrelang nichts mit Frauen zu tun, vielleicht stellen sie sich tollpatschig an. Aber darum geht es immer weniger, denke ich. Ich glaube, bei „Bauer sucht Frau“ geht es nicht mehr so sehr um die Pannen, sondern um unser Mitgefühl und unseren Wunsch, dass diese Bauern es endlich schaffen sollen.

Wieso hat der Tonfall von „Bauer sucht Frau“ sich denn geändert?

Wahrscheinlich, weil die Zuschauer sich das so wünschen. Das gilt generell für das Fernsehen und den Boulevardjournalismus. Den Krawall der 90er Jahre will keiner mehr sehen. Und natürlich haben sich das Privatfernsehen und auch RTL sich damals ein gewisses Image erarbeitet. Aber noch einmal: Wenn ich mit dem Bauern spreche, sind die happy. Selbst wo es mit der Liebe nicht geklappt hat, sagt keiner, er würde nie wieder mitmachen. Die sind auch eine große Gemeinschaft, die treffen sich später privat. Wenn die nicht wirklich zufrieden wären, würden sie mir das sagen.

Zur Person

Wer ist Bauernreporter Ralf Herrmann?
Ralf Herrmann, 38, berichtet für das RTL-Magazin „Extra“ alljährlich über Inka Bauses „Bauer sucht Frau“. Er gehört damit zum selben Sender; ist aber Teil einer eigenen Redaktion und nicht in die Produktion der Kuppel-Show eingebunden. Die kommende 15. Staffel ist die vierte, bei der er als „Bauernreporter“ die Höfe der Kandidaten besucht. Hinter der Kamera begleitet er das Format schon seit zehn Staffeln.  

In der kommenden Staffel stammt jeder zweite Bauer aus Niedersachsen.

Das hat mich auch gewundert. Es sieht schlecht aus für meine Spätzle- und Knödel-Mahlzeiten.

Stellen Sie, abgesehen von der Küche, regionale Gemeinsamkeiten bei den Bauern fest?

Na ja, es ist wirklich so, dass die Wirklichkeit das Klischee bestätigt. Im Norden hatte ich oft mit sehr wortkargen Bauern zu tun. In Bayern und Schwaben plaudern sie wie ein Wasserfall. Es gibt aber immer auch das Gegenteil, den lustigen, aufgedrehten Norddeutschen und den unterkühlten Bayern.

Auf was in der aktuellen Staffel freuen Sie sich am meisten?

Beim Scheunenfest hat mich besonders Thomas H. beeindruckt, der größte Bauer der Formatgeschichte. Er ist 2,11 Meter groß und in Hemd und Fliege eine unglaublich imposante Erscheinung; Thomas kommt aus der Nähe von Köln und ist privat im Karneval aktiv. Das finde ich alles total spannend. Ich fiebere mit ihm mit, warum genau, dürfen wir hier noch nicht verraten. Auf Christopher freue ich mich auch; der hat schon jetzt angekündigt, dass er mich beim Hofbesuch knechten wird. Hoffentlich schaffe ich es zu den beiden. Es gibt mehr Bauern als Episoden; ich kann also nie alle besuchen.

Sind Sie selbst ein Stadt- oder ein Landkind?

Ich wohne in Köln, von der Herkunft her würde ich mich aber als Dorfkind bezeichnen. Aufgewachsen bin ich in einem 1900-Einwohner-Dorf im Kreis Bad Kreuznach – allerdings nicht auf dem Bauernhof. Meine Großeltern hatten tatsächlich einen ganz, ganz kleinen Hof. Ihre zwei Kühe haben sie schon abgegeben, als ich noch klein war. Aber es gab einen Acker, ein paar Weinberge, einen Traktor. Ich bin im selben Haus aufgewachsen und habe das alles miterlebt. Zur Weinlese musste ich mit, was ich als Kind schrecklich fand. Heute würde ich es zu schätzen wissen.

Für Ihren ersten „Bauer sucht Frau“-Nachbericht dieses Jahres haben Sie Inka Bause mehrere Tage hinter den Kulissen begleitet. Gab es etwas, das Sie überrascht hat?

Inka Bause schwitzt nicht.

Sie schwitzt nicht: Inka Bause und Ralf Herrmann. Foto: TVNOW / Guido Engels

Was? Wie unheimlich.

Es ist ein Phänomen. Wir waren an den zwei, drei heißesten Tagen des Jahres unterwegs. Ich habe die ganze Zeit ein Handtuch hinter dem Rücken versteckt, um mir den Schweiß abzutupfen. Und ich hatte erwartet, dass wir alle drei Minuten unterbrechen müssen, damit Inka Bause neu abgepudert wird. Aber sie schwitzt nicht. Sie werden das beim Scheunenfest sehen: Alle Hemden kleben, nur Inka Bause ist nichts anzumerken. Es ist faszinierend. Ansonsten habe ich mich gefreut, wie offen sie all meine Fragen beantwortet hat.

Was war denn Ihre mutigste Frage?

Es geht natürlich vor allem um „Bauer sucht Frau“. Aber ich habe sie auch gefragt, ob sie selbst einen Mann sucht, ob sie überhaupt offen dafür ist. Sie ist jetzt 50 Jahre alt ...

Haha, und Sie sind jung und gutaussehend! Das war aber wirklich mutig. Wie leicht hätte Inka Bause das als Angebot verstehen können.

Den Witz hat sie dann wirklich gemacht: „Wenn's nach dem Boulevard geht“, hat sie gesagt, „bin ich jedes Jahr mit einem anderen Bauern zusammen; vielleicht dichten sie diesmal ja uns beiden eine Beziehung an.“

Was sagen Sie?

(Lacht.) Im Fall von Inka würde ich dieses Andichten durchaus als Kompliment sehen. Aber ich bin schon vergeben.

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Drei der Bauern, die Inka Bause an Pfingsten vorgestellt hatte, haben es nicht in die Staffel geschafft. Wer mit dabei ist und wer nicht, können Sie hier nachlesen: 


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