ZDF-Programm am Samstagabend Sehenswert: Die neue Krimireihe „Das Quartett“ am Samstag im ZDF

Foto: ZDF/Oliver VaccaroFoto: ZDF/Oliver Vaccaro

Osnabrück. Am Samstagabend startet im ZDF die neue Krimireihe Sehenswert: „Das Quartett“ mit Anja Kling als Chefin eines vierköpfigen Ermittlerteams in Leipzig. Nach einem Drehbuch von Friedrich Ani und Ina Jaung hat Vivian Naefe einen sehenswerten Krimi gedreht, der Lust auf mehr macht.

Als der Fall gelöst ist, sagt die Chefin zu den Kollegen: „Wollen wir mal ein Stück gehen?“ Und als einer der anderen drei noch mal anfängt von dem Fall: „Sei einfach mal still.“ Dann gehen sie. Und kegeln sich am Ende den Fall von der Seele. So ein Team ist außergewöhnlich. Für die Polizei. Und fürs Fernsehen. Neu ist es auch: „Das Quartett“ startet am Samstagabend als Krimireihe aus Leipzig im ZDF.

Das Erste kneift an diesem Wochenende mit seinem Sonntagskrimi. RTL überträgt am Sonntagabend das epochale Fußballspiel Estland gegen Deutschland, da schickt die ARD lieber die Wiederholung eines sechs Jahre alten Tatorts („Kaltblütig“ aus Ludwigshafen) ins offenbar verloren geglaubte Quotenrennen. Das Interesse der Krimifans im Fernsehsessel wird damit an diesem Wochenende auf den Start der neuen Krimireihe im ZDF am Samstagabend gelenkt. Wir haben sie einem Check unterzogen:

Das Team: Wie der Name „Das Quartett“ schon sagt, besteht es aus vier Ermittlern, zwei Frauen und zwei Männern, und erinnert damit erst mal an den Dortmunder Tatort. Doch damit sind die Gemeinsamkeiten auch schon aufgebraucht. An der Spitze der „K14“ betitelten Mordkommission in Leipzig steht eine Frau, die flache Hierarchien bevorzugt. Und im Gegensatz zur Dortmunder Truppe ist das Leipziger Quartett nicht auf Krawall gebürstet, sondern auf Teamgeist, Vertrauen und Zusammenhalt gestriegelt.

Die Besonderheit: Immer wenn es einen Fall zu ermitteln gibt, ziehen die Mitglieder der K14 in einer WG-ähnlichen Wohneinheit zusammen, zu der dann auch Hund Theo gehört. Da gibt es eine Wohnküche, in der nicht nur gegessen und Tee getrunken, sondern auch ordentlich geraucht wird. Im Regal stehen Weinflaschen hinter einem Polizeiauto, die Zähne werden schon mal über dem Laptop geputzt und gleich nebenan gibt’s eine Art Mini-3D-Kino, in dem sich die Ermittler Bilder vom Leichenfundort mit einer VR-Brille ansehen.

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Die Ermittler: Chefin ist Maike Riem, dargestellt von Anja Kling, deren Gesicht seit Jahren zum Erscheinungsbild des ZDF gehört. Sie ist auch die mit Abstand prominenteste Darstellerin dieses Quartetts und spielt eine ruhige, souveräne Polizistin, die lediglich mal aus der Haut fährt, wenn sie mit ihrem Ex-Mann telefoniert. Die Erste Kriminalhauptkommissarin bezeichnet sich selbst als „Sachbearbeiterin in Mordfällen“, hat eine Affäre mit einem Leipziger Stadtrat und geht nach jedem Kontakt mit einer Leiche ins Hamam, ein Dampfbad, in dem sie sich besser als irgendwo sonst erholen kann.

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Pia Walther (Annika Blendl) ist die zweite Frau im Team und Theos Frauchen. Vor fünf Jahren verlor sie ihren Partner durch ein Aneurysma, das macht sie bis heute gelegentlich unberechenbar und aufbrausend. Schneller als alle anderen hat sie die Hand an der Waffe.

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Christoph Hofherr (Shenja Lacher) ist der Besonnenste im Team. Der Oberkommissar mit russischen Wurzeln hat als einziger eine intakte Familie daheim, kann gut mit Kindern und ist wegen seiner Feinfühligkeit ein echter Verhörspezialist.

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Linus Roth (Anton Spieker) ist der Junior und IT-Nerd des Quartetts. An Leichenfund- und Tatorten macht er Bilder mit seiner 3D-Kamera, um sie anschließend dem Team vorzuführen und Hinweise zu liefern, die alle anderen übersehen haben.

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Drehbuch: Mit Friedrich Ani und Ina Jung gewann das ZDF gleich zwei namhafte Autoren für die Drehbucharbeit. Ina Jung wurde bekannt durch ihr Buch „Der Fall Peggy“ und das darauf basierende Drehbuch zum preisgekrönten Film „Das unsichtbare Mädchen“. Regelmäßig schreibt sie für die hervorragende ZDF-Krimireihe „München Mord“. Ani ist seit Jahren erfolgreicher Krimiautor, seine Romane um den Ermittler Tabor Süden wurden bereits vom ZDF verfilmt, zudem verfasste er mehrere Drehbücher für den Tatort. Beiden Autoren war es wichtig, auch das persönliche Umfeld der „Quartett“-Ermittler auszuleuchten und die Besonderheiten jeder Figur erst nach und nach freizulegen.

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Regie: Vivian Naefe ist seit fast vier Jahrzehnten im Geschäft, hatte aber schon seit etlichen Jahren keinen Krimistoff mehr angefasst, bevor Friedrich Ani sie nun für eine Zusammenarbeit gewann. Eines war ihr besonders wichtig: „Ich wollte sehr wiedererkennbare, warme Charaktere,“ sagt sie im Info zu „Das Quartett“. „Ich wollte sie bei ihrer Arbeit wie in einer Wohngemeinschaft zusammenleben lassen, einander akzeptierend, respektierend, aber nicht befreundet im konventionellen Sinn. Ich wollte, dass sie von der ersten Minute an vertraut wirken, als würden sie sich jahrelang kennen, als würden sie sich rückhaltlos vertrauen.“ Das ist der 69-Jährigen weitgehend gelungen.

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Der Fall: Am Ufer des Leipziger Elsterbeckens wird der langjährige Großbäcker Franko Bleich tot aufgefunden. Erdrosselt. Schnell gibt es eine ganz Handvoll Tatverdächtige. Seine Geliebte (Anneke Kim Sarnau) wie auch Noch-Ehefrau Paula (Kirsten Block) gehören ebenso dazu wie einige Nachbarn, die ihn beschuldigt hatten, sich an kleinen Mädchen zu vergehen. Und dann sind da noch die Eltern eines siebenjährigen Mädchens, das Bleich vor drei Jahren beim Zurücksetzen überfahren und getötet hat. Seinen Freispruch hat vor allem die Mutter des Kindes nie verwunden.

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Wertung: Der Film nimmt sich erkennbar Zeit für die Einführung seiner Figuren, was ihm am Ende zugutekommt. Der erste Fall des neuen Teams ist ein Krimi zum Hinsehen und Zuhören. Auffällig ist allerdings eine gewisse Schwäche der Regisseurin, Menschen in Fenster zu stellen, aus denen sie unheilvoll auf die Straße blicken. Und für Personal, das zu urplötzlichen Würgeattacken neigt. Humor spielt eher eine Nebenrolle, dennoch oder vielleicht auch gerade deshalb ist „Das Quartett“ eine sehenswerte Ergänzung für die Samstagskrimis des ZDF, die Lust auf mehr macht. Ein zweiter Fall ist gerade abgedreht, zu sehen bekommen wir ihn aber erst im kommenden Jahr.


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