Tropfen im Test Die Höhle der Löwen: Wie fies schmeckt BitterLiebe wirklich?

Schmeckt das? Bananenmilch mit BitterLiebe-Pulver aus der "Höhle der Löwen 2019". Foto: Daniel BenedictSchmeckt das? Bananenmilch mit BitterLiebe-Pulver aus der "Höhle der Löwen 2019". Foto: Daniel Benedict

Berlin. In der „Höhle der Löwen“ prahlen die BitterLiebe-Gründer mit dem Hardcore-Geschmack ihrer Magentropfen. Wir wagen den Test.

Dank BitterLiebe gibt es die Bitterstoffe, die unserem Gemüse weggezüchtet worden, jetzt separat zum Nachkaufen. In der „Höhle der Löwen“ beschreiben die Gründer ihre Tropfen als unsagbar bitter. Wie schlimm ist es wirklich? Wir haben BitterLiebe ausprobiert. Vox zeigt die Episode am Dienstag, 8. Oktober 2019, ab 20.15 Uhr.

Was sind „BitterLiebe“-Tropfen?

Süß, Sauer, Salzig, Bitter und Umami – das sind die fünf Geschmacksrichtungen, die der Mensch wahrnehmen kann. Eine davon, sagen die Gründer Andre Sierek und Jan Stratmann, ist mittlerweile in völlige Vergessenheit geraten. Und zwar – das Bittere? Bei dieser Grundthese fällt einem erstmal der Gin Tonic aus der Hand. So unpopulär sind bittere Aromen doch auch wieder nicht. Zumindest eine vage Vorstellung dürften die meisten von dem Begriff noch haben. Sonst könnten die BitterLiebe-Gründer ihre Magentropfen ja gar nicht mit derart vielen Wortspielen anpreisen: Von der bitteren Wahrheit bis zur bitteren Überraschung lassen die zwei nichts aus. Der BitterLiebe-Claim lautet: „Du hast bitter nötig.“ Mit Umami hätte das nicht funktioniert.

Der Grundgedanke hinter den Nahrungsergänzungsmitteln ist trotzdem plausibel: In der industriellen Nahrungsproduktion wurden Bitterstoffe demnach aus vielen Gemüsesorten herausgezüchtet. Und das, obwohl sie die Verdauung anregen. Wer sich nach einem Übermaß auf Mild getrimmter Speisen beladen fühlt, kann die Bitterstoffe deshalb einfach separat nachladen – und dazu wahlweise BitterLiebe-Tropfen aus der Pipette direkt in den Rachen träufeln, seinem Smoothie ein BitterLiebe-Pulver zusetzen oder einen BitterLiebe-Tee aufbrühen. Wie schmeckt das Teufelszeug?

BitterLiebe-Tropfen im Test: Wie schmeckt’s?

Bei Vox machen die Gründer eine große Nummer aus dem Hardcore-Geschmack ihrer Tropfen; auch die Homepage zum Produkt besteht zu großen Teilen aus Mutmacher-Parolen, nach denen man die anfangs kaum auszuhaltende Bitterkeit bald erträgt. Meine Erwartung an die kulinarische Trauma-Erfahrung implodiert nach alledem etwa so schnell wie die der Vox-Löwen auch – wobei die Tropfen in mir keine wohligen Erinnerungen an „Underberg“ (Dagmar Wöhrl) oder „Fernet-Branca“ (Georg Kofler) wachrufen, sondern nur solche an Iberogast-Tropfen. Jeder hat halt seine eigenen Wundermittelchen im Medizinschrank. BitterLiebe wird in meinen allerdings nicht einziehen. Schon weil es keine Arznei ist, sondern nur ein Nahrungsergänzungsmittel, das man auch noch dreimal täglich schlucken soll und nicht nur, wenn man sich überfressen hat.

Auch als Pulver: BitterLiebe im Banana-Shake

Das BitterLiebe-Pulver habe ich auch ausprobiert. Die Homepage empfiehlt es als Verfeinerung fürs Mango-Lassi. Das Nächstbeste in meinem Kühlschrank sind Zutaten für eine Bananenmilch. Statt Vanillezucker rühre ich diesmal das gefährlich an Curry erinnernde Pulver ein. Es schmeckt. Meinen Kindern darf ich diese Version sicher nicht vorsetzen, ich selbst finde es ganz in Ordnung. Bananenmilch ist ja ein klassischer Restedrink, und den leicht alkoholischen Geschmack pechschwarzer Bananen überdeckt das Pulver perfekt. Die Hauptzutat ist geriebene Löwenzahnwurzel (30 Prozent). Dominanter macht sich aber das nur zu 15 Prozent enthaltene Ingwerpulver bemerkbar. Weshalb ich mich frage, ob ich beim nächsten Mal nicht einfach gleich frischen Ingwer mitmixe.

Womit wir beim Haupteinwand gegen BitterLiebe sind: Ich komme mir doof dabei vor, meinem Industriegemüse all die Stoffe künstlich wieder zuzusetzen, die vorher widersinnig rausgezüchtet wurden. Richtiges Essen wäre mir lieber. In irgendeinem Bio-Laden muss es doch noch Chicorée geben, der immer noch bitter schmeckt. Für die 15 Euro, die Andre Sierek und Jan Stratmann für 50 Milliliter ihrer Tropfen verlangen, kann man sich wahrscheinlich auch ein oder zwei Salatteller leisten, die von sich aus gesund sind.

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