TV-Programm am Montagabend NDR-Dokumentation über Starkregen: Klimawandel vor Ort

Erst vor wenigen Tage überraschte plötzlicher Starkregen Autofahrer auf den Straßen von Hannover. Foto: dpa/Peter SteffenErst vor wenigen Tage überraschte plötzlicher Starkregen Autofahrer auf den Straßen von Hannover. Foto: dpa/Peter Steffen

Osnabrück . In der Dokumentation„Starkregen – die unterschätzte Gefahr“ beleuchtet der Filmemacher Sebastian Bellwinkel am Montagabend um 22 Uhr im NDR Fernsehen eine Folge des Klimawandels.

Es gibt Menschen, die spüren den Klimawandel bereits. Es sind nicht einzelne Personen, es sind ganze Regionen. Und die sind auch nicht weit weg, sondern in unserer Nähe. In Niedersachsen. Bei manchen schwappt er als Hochwasser bis ins eigene Zuhause, lässt Möbel aufquellen und Wände verschimmeln. Bei anderen zeigt er sich als Zentimeter dicke braune Masse auf der Straße, auf der Zufahrt zum Haus, im Keller. Den Landwirten verdirbt er die Ernte. Er bricht Straßen auf und macht sie unpassierbar.

Es ist Starkregen, der solche Spuren hinterlässt. Immer häufiger sind der NDR-Dokumentation „Starkregen – die unterschätzte Gefahr“ zufolge norddeutsche Gemeinden von diesen Unwettern betroffen: im Harz, um Bremen, in der Elm-Region. Dann verdunkelt sich blitzschnell der Himmel und innerhalb kürzester Zeit entladen sich die Wolken.

Sebastian Bellwinkel hat für seinen Film Wissenschaftler besucht, die den Klimawandel als Grund für dieses Phänomen benennen. Und er zeigt auf, dass die Kommunen nicht genug bis gar nichts tun, um sich vor den Folgen dieser Wasserfluten zu schützen. Bellwinkel benennt aber auch Beispiele, die beweisen, dass es möglich ist – und dass es vor allem umgehend notwendig ist, um Menschen und Tiere zu schützen. Er lässt Experten zu Wort kommen, die betonen, dass ein vorsorgendes Eingreifen weniger Geld kostet, als die Summen, die bei aufkommenden Schäden zu zahlen wären.

Verdichtet hat er diese vielfältigen Informationen auf 45 Minuten – weil die Reihe so heißt, in der der NDR diesen Beitrag bringt. Angebracht gewesen wären aber mindestens 90 Minuten oder ein Mehrteiler, der diese Informationen in verarbeitbaren – und für manchen ertragbaren – Paketen liefert.

Der Deutsche Wetterdienst hat mithilfe der Auswertung von Radardaten ermittelt, dass die Gefahr von Starkregen insbesondere in Norddeutschland bisher „deutlich unterschätzt“ worden sei. Seit 2001 erfassen Radardaten alle Starkregenereignisse in Deutschland. Zuvor wurden nur die betroffenen Messstationen ausgewertet.

Durch die neuen Daten zeigt sich für Meteorologen ein verändertes Bild: Intensiver Starkregen, der zwei, drei Stunden anhält. Er ist mit Gewittern und Unwetter verbunden – und gleichmäßiger im Land verteilt als die Meteorologen bisher angenommen hatten. Auch in Norddeutschland. Es müsse mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit von Starkregen gerechnet werden als bisher angenommen, sagen die Experten.

Nur 45 Prozent der deutschen Kommunen haben ein Konzept, um mit Starkregen umzugehen. Und davon sind lediglich 20 Prozent in der Lage, diese Pläne auch umzusetzen, belegt Sebastian Bellwinkel anhand von Statistiken. Dabei macht er deutlich, woran das liegt: Nämlich nicht nur an Bürgermeistern, die sagen: „Warum was tun? Hier war noch nichts.“ Sondern auch an einer Verwaltungsstruktur und an gesetzlichen Vorgaben. An Zuständigkeiten und unterschiedlichen Interessengruppen.

Flüsse zum Beispiel – die bei Starkregen zu reißenden Strömen anwachsen können – machen nicht an Verwaltungsgrenzen halt. Es macht aber keinen Sinn, nur an den Teilen ihrer Ufer Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser zu errichten, die durch das jeweilige Verwaltungsgebiet fließen.

Sebastian Bellwinkel spricht in seinem Beitrag mit Vertretern kleiner Kommunen. Er zeigt, dass sie mit den Herausforderungen durch den Klimawandel oft überfordert sind: Weil sie bereits hoch verschuldet sind, fehlt meistens das Geld, um Schutzmaßnahmen in die Wege zu leiten. Das wenige Personal kann die Mammutaufgabe kaum stemmen.

Meteorologen wie Sven Plöger und Frank Böttcher erläutern die durch den Klimawandel bedingten Hintergründe. Experten raten, Kommunen sollten mit professioneller Hilfe analysieren, wo bei Starkregen Gefahren drohen und ob dagegen zum Beispiel Regenrückhaltebecken oder größere Kanalrohre Abhilfe schaffen könnten.

Foto: NDR/Sebastian Bellwinkel

Am Ende der Dokumentation zeigen Landkreise und Städte im Großraum Hildesheim/Goslar mehrere Landkreise und Städte, dass Kommunen dennoch etwas tun können: Sie haben einen Verbund geschlossen, um entlang von Flussläufen über Gemeindegrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Dabei teilen sie sich nicht nur die Aufgaben, sondern auch die Kosten.

45 Min: Starkregen – die unterschätzte Gefahr. Montag, 7. Oktober 2019, 22 Uhr, NDR.


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