Am Sonntag im Fernsehen Tessa Mittelstaedt: "Man lebt oft vom Gusto anderer"

Mit Game-of-Thrones-Darsteller Tom Wlaschiha wollte sie immer schon einmal spielen: Tessa Mittelstaedt. Bild: ZDF/Des WillieMit Game-of-Thrones-Darsteller Tom Wlaschiha wollte sie immer schon einmal spielen: Tessa Mittelstaedt. Bild: ZDF/Des Willie

Osnabrück. Früher sah man sie in Serie. Aber seit 2014 ist es ruhiger geworden um Tessa Mittelstaedt. Auch, weil sie inzwischen zwei kleine Kinder hat. Und weil sie bewusst auswählt. Jetzt ist sie im Herzkino zu sehen.

Es ist erst ein paar Jahre her, da flimmerte sie dauernd über den Bildschirm, denn Tessa Mittelstaedt war in vielen Serien zu Hause: 40 Folgen „Der Fürst und das Mädchen“ an der Seite von Maximilian Schell; 20 Folgen als Freundin des Bergdoktors Hans Sigl; 43 Folgen „Morden im Norden“ als leitende Staatsanwältin Elke Rasmussen; und natürlich 14 Jahre als Franziska Lüttgenjohann, Sekretärin der Kölner Tatort-Kommissare Ballauf und Schenk – im Januar 2014 starb sie dort in einer spektakulären Abschlussfolge den Serientod.

„Es ist immer ein Wagnis, wenn man eine Tür freiwillig zumacht“, sagt die 45-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. „Aber für mich war es immer so: Wenn ich denke, dass eine Rolle sich nicht mehr weiterentwickelt und ich auf der Stelle trete, dann mache ich den Platz frei für jemand anderen.“ Sie selbst „ziehe dann weiter“, sagt sie. „Dafür braucht es ein gewisses Zutrauen, das ich mir mit der Zeit auch erst erarbeiten musste.“

Was das Fernsehen betrifft, tritt sie seit 2014 deutlich kürzer. Hat das auch damit zu tun, dass sie inzwischen zweifacher Mutter ist? Das habe natürlich etwas verändert, sagt Tessa Mittelstaedt. Zum Beispiel spiele sie im Moment kein Theater. „Die Institution Theater ist ein Zeitfresser, das passt für mich gerade nicht. Ich möchte meine Kinder erleben und mich um sie kümmern können.“ Aber Film und Fernsehen: „Da greife ich zu, wenn mich eine Rolle interessiert.“ Und wenn man sie will, da ist Mittelstaedt ganz realistisch. „Als Schauspielerin lebt man oft vom Gusto anderer.“

Der Toningenieur als einiziger Zuschauer

Deshalb ist es gut, wenn man ein zweites Standbein hat. Tessa Mittelstaedt hat es im Sprechen von Hörbüchern gefunden. „Das Geschriebene so zu übertragen, dass es sich ins Ohr einschmeichelt, das ist eine tolle Herausforderung“, sagt sie. Vor allem wenn sie für ein einziges Buch „bis zu zwanzig Charaktere“ einsprechen muss. Ist das nicht schwierig, statt wie gewohnt mit Gestik und Mimik zu arbeiten, nur die Stimme zur Verfügung zu haben? „Ach, da sollten Sie mich mal im Studio sehen“, lacht Mittelstaedt. „Ich spiele diese Rollen am Mikrophon, und der Toningenieur ist mein einziger Zuschauer.“ Kreativ sei das, aber auch anstrengend. „Nach sechs Stunden Hörbuch-Produktion bin ich platt.“

Im Fernsehen hat sie in der jüngeren Zeit eher Nebenrollen gespielt, auch an diesem und dem kommenden Sonntag, wenn im ZDF eine zweiteilige „Herzkino“-Produktion nach einem Liebesroman von Cecelia Ahern gezeigt wird. „Ich habe die Romane nicht gelesen“, sagt Mittelstaedt. „Aber ich habe die Verfilmung ihres Romans ‚PS. Ich liebe dich‘ im Kino gesehen, und den fand ich berührend.“ An „In deinem Leben“ hat sie die Rolle der Jenna gereizt, und: „Als ich gehört habe, dass wir in London mit lauter Muttersprachlern drehen, wollte ich unbedingt dabei sein“, sagt die Schauspielerin. Der einzige andere Deutsche am Set war Hauptdarsteller Tom Wlaschiha, der einen deutschen Professor im ehrwürdigen Oxford spielt. „In Deutschland haben wir noch nie zusammen vor der Kamera gestanden, da musste erst Cecilia Ahern um die Ecke kommen“, sagt Tessa Mittelstaedt, die im Film die Fast-schon-nicht-mehr-Gattin des Professors spielt, wobei die beiden immer noch mehr verbindet als nur die gemeinsame Tochter. „Tom und ich als altes Ehepaar, das hat gut funktioniert“, lacht sie.

Von „Spaß“ und „reizvoll“ spricht Tessa Mittelstaedt viel, auch vom „Hören auf die eigenen Bedürfnisse“. Ist es das, was sie heute antreibt? „Ach, wissen Sie“, sagt die Wahl-Berlinerin, „ich bin jetzt über 40 und Mutter, und da frage ich mich vielleicht mehr als früher: Was will ich und wo will ich hin?“ Es werde Zeit, auf das Eigene zu hören. "Die Kinder sind aus dem Gröbsten raus, ich habe große Lust zu arbeiten und freue mich auf spannende Rollen und Projekte“.

Gerne mal die Callas

Und was wäre das, was sie gerne machen würde? „Über Hörbuchproduktionen bin ich in den vergangenen Jahren in Kontakt gekommen mit historische Frauenfiguren“, sagt sie. Edith Piaf habe sie gelesen, George Sand, Marlene Dietrich, Maria Callas. „Historische Frauenfiguren liegen mir am Herzen, die würde ich auch gerne mal spielen“, sagt sie und erinnert an den Zweiteiler über Ottilie von Faber-Castell, der gerade erst im Fernsehen lief. „Solche Frauen haben es verdient, dass man sich an sie erinnert“, sagt Mittelstaedt. „Unsere Geschichte ist voll von ihnen.“ Und für Zuschauer interessant seien sie allemal. „Es gibt eine Sehnsucht nach Geschichte, wir wollen verstehen, wo wir herkommen.“ Damit hat sie wohl Recht, denn Formate die in der (jüngeren) Geschichte spielen, haben (fast) immer gute Quoten.

Cecelia Ahern: In deinem Leben. Teil 1: Sonntag, 29. September 2019, um 20.15 Uhr im ZDF; Teil 1: Sonntag, 6. Oktober 2019, um 20.15 Uhr im ZDF


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