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Marlenes größte Liebe Themenabend über die Dietrich beleuchtet die Beziehung zu Jean Gabin

<em>Ein Jahr nach Kriegsende</em> drehten Marlene Dietrich und der Franzose Jean Gabin ihren einzigen gemeinsamen Film „Martin Roumagnac“, in dem der Franzose die Titelrolle spielte. Wenig später trennten sich ihre Wege. Foto: ZDFEin Jahr nach Kriegsende drehten Marlene Dietrich und der Franzose Jean Gabin ihren einzigen gemeinsamen Film „Martin Roumagnac“, in dem der Franzose die Titelrolle spielte. Wenig später trennten sich ihre Wege. Foto: ZDF

Osnabrück. Niemand Geringeres als Ernest Hemingway bezeichnete sie als „die beste Krautschnauze, die je in den Ring gestiegen ist“. Und über ihren für Amerikaner schwer auszusprechenden Namen sagte er: „Der erste Teil klingt wie ein erotisches Versprechen. Der zweite wie ein preußischer Peitschenknall“: Marlene Dietrich.

Sie war und ist immer noch der größte Weltstar, den Deutschland je hervorgebracht hat. „Neben Adolf Hitler“, wie Billy Wilder allerdings einmal sarkastisch meinte. Wobei die Diva von dem Diktator zwar verehrt wurde, umgekehrt aber blanker Hass herrschte. Als Emigrantin in Hollywood, aber auch und vor allem als Truppenbetreuerin für Tausende von US-Soldaten kämpfte sie gegen die Nazi-Barbarei, wo sie nur konnte. Und sie hatte, wie der Arte-Themenabend zeigt, einen Verbündeten: Jean Gabin, den größten männlichen Star des französischen Kinos der Vorkriegszeit. Ein Mann, der auch ihr Herz eroberte.

Die mondäne Berlinerin und der einfache Vorstadtjunge – in der Liebe ziehen sich die Gegensätze offenbar stets mühelos an. Das zeigt auch die Dokumentation „Eine unvollendete Liebe – Marlene Dietrich und Jean Gabin“ (Sonntag, 22.10 Uhr). Wobei sie nicht nur ihre gemeinsame Erfahrung als Emigranten in Hollywood einte, sondern auch ihr leidenschaftlicher Kampf gegen Hitler.

Und während Marlene, auf Munitionskisten steigend und in Jeeps fahrend, die Soldaten unterhielt und zwischen ihren Einsätzen aufbaute, kämpfte Gabin in Ausbildungslagern, in Flugzeugen und in Panzern an vorderster Front mit – teilweise in Himmelfahrtskommandos. In ihren Urlauben von der Front trafen sie sich in diversen Liebesnestern, vorzugsweise in Paris.

Dabei war es keinesfalls Liebe auf den ersten Blick. Erst drei Jahre nachdem sich beide 1938 in den USA kennengelernt hatten, funkte es auch zwischen ihnen. Es sollte von Anfang an eine schwierige Beziehung werden. Nicht nur weil Marlene mit ihrem Mann Rudi Sieber verheiratet blieb (übrigens bis zu dessen Tod 1976, im gleichen Jahr, in dem Gabin starb), sondern auch weil sie berüchtigt war für ihre zahllosen Affären. Etwa mit Prominenten wie James Stewart, Erich Maria Remarque, John Wayne, Douglas Fairbanks jr., aber auch mit Mercedes de Acosta, der Geliebten von Greta Garbo.

Und Gabin? Auch er hatte Beziehungen, war ein echter Frauenschwarm. Das Moment der Eifersucht stand also von Anfang an zwischen ihnen.

Und doch: Gabin und Dietrich – das war etwas Besonderes. Noch bis zu ihrem Tod 1992 schwärmte Marlene von Gabin. Mehr noch: Als ihren Alterswohnsitz wählte die Dietrich ein Appartement gegenüber dem Pariser Hotelzimmer, wo sie die glücklichsten Stunden mit Gabin verbrachte. Sie selbst vertraute Freunden an: „Ich habe es geliebt, mit Gabin aufzuwachen. Mit jemandem aufzuwachen kann schöner sein, als mit jemandem einzuschlafen.“ Er war, glaubt man den Freunden der Schauspielerin, die hier zu Wort kommen, „die Liebe ihres Lebens“.

Doch spätestens mit dem Ende der Dreharbeiten zu „Martin Roumagnac“ (1946), dem einzigen gemeinsamen Film, trennten sich ihre Wege. Marlene setzte ihre Karriere in Hollywood fort, Jean Gabin erlebte in Frankreich sein Comeback, heiratete, bekam Kinder. Dabei war Gabin wohl, so der Dietrich-Biograf Werner Sudendorf, der einzige Mann, der Marlene verlassen hatte. Normalerweise war sie diejenige, die den Männern den Laufpass gab. Dass Gabin den Spieß umdrehte, konnte die Dietrich offenbar nie verwinden. „Es ist ein Verlust, an den ich Tag und Nacht denke“, so bekannte sie später.

Alle Versuche der Hollywood-Schauspielerin, mit Gabin erneut Kontakt aufzunehmen, scheiterten. Er verbrannte ihre Briefe ungelesen und weigerte sich, sie zu treffen – selbst als sie Jahrzehnte später als Sängerin in Paris auftrat.

Besonders makaber: Als Gabin eine Grabstelle für sich kaufte und er erfuhr, dass Marlene eine Parzelle direkt daneben erwarb, änderte er seinen Letzten Willen. Er ließ sich nach seinem Tod verbrennen und die Urne im Meer versenken.

Sie küssten und sie schlugen sich – und das nicht nur in ihrem einzigen gemeinsamen Film. Der allerdings keinen so großen Eindruck hinterließ wie Billy Wilders brillante Agatha-Christie-Adaption „Zeugin der Anklage“ (1957), die Arte um 20.15 Uhr zeigt: Darin gibt Marlene Dietrich nicht nur eine ihrer besten darstellerischen Leistungen, sondern spielt eine Rolle, die wie ihr Name war: Liebesversprechen und Peitschenknall zugleich. Eine Kombination, die auch heute noch einen Teil ihrer Faszination ausmacht. Viva la Diva!

Themenabend: Marlene Dietrich – die mutige Diva, Arte, Sonntag, 20.15 Uhr


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