Polizist Lupo ist die hellste Kerze Tatort "Die harte Kern" heute Abend aus Weimar: Dank sei Lupo

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Osnabrück. Der Tatort "Die harte Kern" heute Abend in der ARD ist eine der bislang schwächsten Folgen aus Weimar. Lessing (Christian Ulmen) landet unter Mordverdacht hinter Gittern, Dorn (Nora Tschirner) will ihn wieder rausholen. Wie originell. Einzig Arndt Schwering-Sohnrey setzt als mäßig begabter Hilfspolizist Lupo Glanzlichter.

Lupo. Jahrzehntelang standen diese vier Buchstaben für an eine knollnasige Comicfigur, laut Wikipedia ein „liebenswerter Schmarotzer, Vielfraß und Taugenichts“. Der heimliche Star im Fix & Foxi-Universum. Später kam dann ein gleichnamiger Kleinwagen aus Wolfsburg hinzu. Und vor ein paar Jahren der unbegabteste aller Polizisten im Tatort: Ludwig Maria Pohl, kurz Lupo, ist in Weimar die rechte Hand der Kommissare Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen).

Oder sollte man besser sagen die linke Hand? Oder gleich zwei linke Hände? Denn was er auch anfasst, macht Lupo falsch. Liebenswert und linkisch, hilfsbereit und hölzern, seit Jahren hoffnungslos verknallt in die verheiratete Kommissarin Kira Dorn, ist Lupo zwar Lichtjahre von einer Beförderung entfernt, in der Publikumsgunst aber beständig aufgestiegen. An diesem Sonntag hat Arndt Schwering-Sohnrey in dieser Paraderolle seinen bislang wohl größten Auftritt.

Kurz vor Ende dieses neunten Weimarer Tatorts brüllt Kommissariatsleiter Kurt Stich (Thorsten Merten) seinen verwirrtesten Mitarbeiter an: „Du bist der König der Bekloppten“. Wohl wahr. Lupo hat sich unsterblich verliebt in eine geheimnisvolle Ureli, die ihm offensichtlich den letzten Funken Verstand aus dem Hirn saugt. Nun trägt er modische Blümchenhemden unter der Uniform und schießt auf der Dienststelle serienweise Kussmund-Selfis. Aber er tut auch diesmal wieder alles, um die Ermittlungen unfreiwillig zu sabotieren, und bringt am Ende seinen Chef und sich selbst in höchste Lebensgefahr. Er ist die humoristische Kerze auf einer ansonsten faden Geburtstagstorte.

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Das Geburtstagskind ist der gemeinsame Spross der Kommissare Dorn und Lessing. Fünf Jahre wird er alt, doch so wie es aussieht, wird der Geburtstag ganz anders verlaufen als es sich der Kleine und seine Eltern vorgestellt haben. Denn Papa sitzt hinter Gittern.

Gleich der erste Gag dürfte bei so manchem Zuschauer das Gefühl auslösen, er höre das monotone Rattern der Bartaufwickelmaschine im Keller. „Lessing, sind wir auf der Flucht?“, fragt die Kommissarin ihren Mann, als der mit Tempo 90 über einen Feldweg brettert. Und konfrontiert ihn mit der Ansicht, dass ein solches Fahrverhalten eigentlich den „Teenagern in MeckPomm“ vorbehalten sei.  

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Die beiden sind auf dem Weg zu einem abgelegenen Schrottplatz vor den Toren Weimars, um dessen Betreiber wegen Mordes zu verhaften. Harald Knopp (Heiko Pinkowski) soll vor 15 Jahren die wohlhabende Kunstsammlerin Rosa Falk bei einem Einbruch erschlagen haben. Ausgerechnet der Neffe des Opfers entlastet vor Gericht den Angeklagten – Freispruch. Oder „Bullshit“, wie Lessing findet. Als Knopp kurz darauf Lessing anruft, weil er offenbar ein Geständnis ablegen will, setzt sich dieser ins Auto - und findet den erschossenen Schrotthändler auf seinem Gelände.  

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Lessings Pech: Der Bud Spencer vom Schrottplatz wurde mit der Waffe des Kommissars vom Leben zum Tode befördert. Und hier kommt die titelgebende „harte Kern“ ins Spiel. Dorns einstige Kollegin Eva Kern (Nina Proll) ist mittlerweile bei der internen Ermittlung gelandet und reitet die harte Welle. Sie lässt Lessing hinter Gittern verschwinden und bringt damit nicht nur den Kindergeburtstag ins Wanken.  

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Ein Kommissar unter Mordverdacht. Welchem Tatort-Ermittler ist das eigentlich noch nicht passiert? Und wer konnte sich nicht darauf verlassen, dass er am Ende dann doch von Partner oder Partnerin rausgerissen wird? Doch nicht nur diesbezüglich lässt das Drehbuch von Sebastian Kutscher und Deniz Yildiz an Originalität zu wünschen übrig.

Auch die eigens für die Dialoge zuständigen Murmel Clausen und Andreas Pflüger veranstalten diesmal ein Gag-Feuerwerk, als hätten sie ihr Pulver vorher in einer gut gefüllten Badewanne gelagert. Phasenweise hat man das Gefühl, man könne dem von Helena Hufnagel inszenierten Film beim Einschlafen zusehen.  

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Und so geht es für den Weimar-Tatort weiter auf seiner Achterbahnfahrt. Auf herrlich schräge und wirklich witzige Höhenflüge folgen immer wieder böse Talfahrten. Da fällt dem unter Mordverdacht geratenen Lessing diesmal die entscheidende Frage zu: „Bin ich im falschen Film?“ Klare Antwort: Ja.

Wäre da nicht Lupo.


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