„Ende unserer Gesellschaft" ZDF-Doku: Harald Lesch liefert dringenden Appell zur Klimarettung

Den Auswirkungen des Klimawandels auf der Spur: Harald Lesch und Ute Fenkner-Gies vom Forstamt Kaiserslautern begutachten Borkenkäfer-Schäden. Foto: ZDF/Zeljko PeharDen Auswirkungen des Klimawandels auf der Spur: Harald Lesch und Ute Fenkner-Gies vom Forstamt Kaiserslautern begutachten Borkenkäfer-Schäden. Foto: ZDF/Zeljko Pehar

Osnabrück. Je stärker der Klimawandel wird, desto mehr Menschen scheint es zu geben, die ihn leugnen. Für Harald Lesch ist er jedoch eine belegte Tatsache. In seiner Doku „Klimawandel – Die Fakten mit Harald Lesch" zeigt der Wissenschaftler, welche Tragweite die Veränderungen bereits haben – und wie viel Zeit noch für eine Kehrtwende bleibt.

Dürren, Überflutungen und riesige Waldbrände: Vor einer drastischen Änderung des Klimas – und damit einhergehend einer Zunahme extremer Wetterphänomene – warnte der US-amerikanische Klimaforscher James Hansen bereits im Jahr 1988. Seine Ergebnisse präsentierte er vor dem US-Senat. Der damalige Präsident Ronald Reagan versprach, genau wie zahlreiche führende Politiker weltweit, umfassende Maßnahmen, um die drohende Katastrophe zu verhindern. Inzwischen ist der Klimawandel keine Zukunftsmusik mehr, sondern Realität. Doch was wurde bisher unternommen, um gegenzusteuern? Nicht genug, so das Ergebnis von Physiker und Philosoph Harald Lesch, der in der ZDF-Doku „Klimawandel – Die Fakten mit Harald Lesch" internationale Experten zu dem Thema befragt hat.

Unumkehrbare Ereignisse

In Bildern und Worten macht Lesch eindringlich deutlich, dass die Menschheit mit ihrer Unbedachtheit, das Ende der Gesellschaft riskiert, so wie wir sie heute kennen. Im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter sei die globale Durchschnittstemperatur bereits um ein Grad gestiegen. Was nach wenig klingt, bringt für das Weltklima eine Kette von Ereignissen in Gang, die unumkehrbar sind: Gletscherschmelze, der Anstieg des Meeresspiegels, Landverlust. Auch das zwei Grad Ziel, dass sich die Vereinten Nationen mit dem Pariser Klimaabkommen gesetzt haben, könne tiefgreifende Veränderungen in unserer Lebensweise nicht verhindern.

Die Ursache für den Temperaturanstieg sei auch unter Experten lange umstritten gewesen. Inzwischen sei die Antwort jedoch sicher:

"Natürliche Faktoren können nicht der Auslöser für das weltweite Phänomen sein"Harald Lesch

Schuld sei der Mensch, der mit dem Verbrauch fossiler Brennstoffe, die Menge klimaschädlicher Gase in der Atmosphäre immer weiter erhöht.

Doch trotz aller wissenschaftlicher Erkenntnisse und offensichtlicher Änderungen des Weltklimas: Die Gruppe der Klimawandelleugner ist mächtig – und zahlungskräftig. Laut Richard Lazarus, Professor für Rechtswissenschaften in Harvard, habe insbesondere die Öl- und Kohleindustrie mit gezielten Kampagnen weltweit Zweifel am vom Menschen gemachten Klimawandel gesät. Ein Umschwenken auf erneuerbare Energien sei schließlich nicht im Interesse der Konzerne. Und es hat funktioniert. So sitzte heute ein Präsident im Weißen Haus, der uralte Baumbestände in Alaska großflächig abholzen will, während der Regenwald in Brasilien so stark brennt, wie noch nie zuvor.

„Einem Virus gleich"

Dabei kommt dem Wald als CO2-Speicher eine Schlüsselrolle im Kampf gegen den Klimawandel zu. Bilder der Nasa, die den globalen Waldbestand von 1972 bis heute dokumentieren, zeigen jedoch den rapiden Rückgang der Wälder durch den Menschen. „Beim Betrachten der Bilder gehen die Alarmglocken an", beschreibt US-Geowissenschaftler Matthew Hansen in Leschs Doku seinen ersten Eindruck beim Betrachten der Satellitenbilder. „Wo man hinschaut, verschwindet der Wald und weicht Acker- und Weideflächen." Einem Virus gleich, würden sich die Löcher immer schneller ausbreiten. „Wenn alles weg ist, wird die Chance den Klimawandel aufzuhalten, verschwindend gering", ist sich Hansen sicher. 

Für immer verloren: In Südamerika wüten derzeit schwere Waldbrände. Vor allem Brasilien, Venezuela, Bolivien und Kolumbien sind von den Feuern betroffen. Foto: dpa/Gabriela Bilu/XinHua

Auch in Deutschland wird inzwischen 70 Prozent der Waldfläche als gefährdet eingestuft. Verantwortlich dafür ist vor allem der Borkenkäfer. „Eindeutig ein Profiteur von langen, heißen Sommern", weiß Ute Fenkner-Gies vom Forstamt Kaiserslautern, die Lesch auf einen Rundgang durch den angegriffenen Wald mitnimmt.

Leschs Doku ist ein eindringlicher Appell an Bürger und Politiker und hat den Anspruch Zweiflern wissenschaftlich fundierte Fakten entgegenzustellen. „Das Leben unserer Kinder wird davon abhängen, wie wir uns entscheiden", fasst der Wissenschaftler zusammen. „Es kommt auf uns an, und zwar jetzt."  Es sei noch nicht zu spät, die Katastrophe zu verhindern, viel Zeit bleibe aber nicht mehr. 

Klimawandel – Die Fakten mit Harald Lesch: ZDF, Dienstag, 17. September, 20.15 Uhr


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