Heute Abend im Ersten „Play“: Film über Spielsucht

Von Maike Gröneweg

Wird magisch angezogen: Jennifer Reitwein (Emma Bading) will das VR-Headset von Pierre (Jonas Hämmerle) ausprobieren. Im Spielfilm "Play" flüchtet sie sich in virtuelle Welten. Foto: Alexander Fischerkoesen/ARD Degeto/BR/dpaWird magisch angezogen: Jennifer Reitwein (Emma Bading) will das VR-Headset von Pierre (Jonas Hämmerle) ausprobieren. Im Spielfilm "Play" flüchtet sie sich in virtuelle Welten. Foto: Alexander Fischerkoesen/ARD Degeto/BR/dpa

Berlin. Sie hat sich lange dagegen gewehrt, in die Fußstapfen ihrer Eltern zu treten, nun ist Emma Bading aus der deutschen Filmlandschaft kaum noch wegzudenken. Heute Abend ist sie im Film „Play“ im Ersten in der Hauptrolle zu sehen.

„Wir sind einfach eine Schauspielerfamilie“, lacht Emma Bading, deren Eltern, Schwester und Cousinen Schauspieler sind. „Ich habe mich immer dagegen gewehrt und wollte nicht das machen, was meine Eltern tun. Irgendwann wurde ich dann aber doch neugierig.“ Jetzt ist Emma Bading 21 Jahre alt und Filmliebhabern ein bekanntes Gesicht: 2013 debütierte sie im Kinofilm „Halbschatten“, wurde 2014 für ihre Leistung im „Tatort – das Muli“ gelobt, war 2017 neben Bjarne Mädel im Drama „1000 Arten den Regen zu beschreiben“ zu sehen und bekam 2018 mit „Meine teuflisch gute Freundin“ ihre erste große Kinohauptrolle. Dramen, Komödien – Emma Bading hat die Rolle des eigenwilligen Teenagers perfektioniert.

Sie selbst allerdings sei nie so aufsässig gewesen: „Ich weiß, was ich will, und setze das auch durch. Aber ich hatte nie so eine Null-Bock-Pubertät wie in meinen Rollen. Vielleicht habe ich meine eigene einfach mehr in den Filmen ausgelebt. Wer weiß?“, so Bading.

Langsam neigen sich die Rollen als Teenager, die Emma Bading so oft übernommen hat, dem Ende zu. „Ich versuche jetzt die Rollen zu spielen, die auch meinem Alter entsprechen. Das macht mehr Spaß und erlaubt mir, mich weiterzuentwickeln“, erzählt sie.

Eine der letzten jugendlichen Figuren, die Bading verkörpert, ist Jennifer, Hauptfigur des Fernsehfilms „Play“, der heute Abend um 20.15 Uhr im Ersten läuft. Jennifer fühlt sich einsam und flüchtet sich in das Virtual-Reality- Spiel Avalonia, bis sich Freude am Spiel und Spielsucht nicht mehr klar trennen lassen.

„Für mich macht den Film so wichtig, dass er ein Problem anspricht, das viele betrifft“, so Bading. „Das Spielen wird als Lösung genutzt, um sich abzureagieren, um einen Sinn für sich zu finden, um gut zu sein und das Gefühl zu haben, gebraucht zu werden – das, was sie in der Realität zu wenig haben.“

Findet sich Emma Bading in Jennifer wieder? „Ich finde mich grundsätzlich in allen meinen Rollen wieder. Aber Jennifer ist schon weit weg von mir, weil sie sehr introvertiert ist und ihre Gefühle mit sich selbst ausmacht. Mir als Emma fällt das schwer. Ich will über meine Probleme sprechen. Und da widersprechen Jennifer und ich uns sehr. Auch was das Suchtverhalten angeht. Ich habe nie gezockt, rauche nur gelegentlich und habe keine von diesen klassischen Süchten. Jennifer hingegen verliert sich in so einer Suchtspirale“, erklärt Bading. Um sich auf die Rolle vorzubereiten, konzentrierte sich die Schauspielerin also auf das, was sie mit Jennifer verbindet: „Wir haben schon Gemeinsamkeiten, zum Beispiel die Suche nach unserer Identität und unserem Platz in der Welt. Und die Suche nach dem Kick – den sucht ja eigentlich jeder. Den Kick finde ich im Film und Jennifer in ihrem Spiel. So kann ich mir vorstellen, wie schön es für sie sein muss, in dieser Welt zu sein.“

Eine klassische Schauspielausbildung hat Emma Bading übrigens nicht absolviert. „Wenn ich auf das gucke, was ich mache, was ich kann und was ich bis jetzt schon geschafft habe, merke ich, ich kann den Beruf auch ohne Ausbildung vollständig weiterführen. Ich kann mich selbstständig weiterbilden, weil ich die nötige Disziplin und den nötigen Ehrgeiz dazu habe“, führt sie an.

Anfang des Jahres stand Bading zum ersten Mal auf einer Theaterbühne, aktuell steckt sie in der Planung ihres ersten eigenen Kurzfilms: „Ich merke, dass ich auf lange Sicht gerne eigene Filme machen, meine eigenen Geschichten erzählen und mehr Einfluss darauf nehmen will, was produziert wird. Das ist mein großes Ziel.“ Emma Bading probiert sich aus und weiß genau, was sie will. Davon profitieren ihre Rollen, davon profitiert ihr Publikum – man darf noch viel von dieser starken, jungen Frau erwarten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN