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Das Video zum Nachsichten Duell um die Welt: Charlotte Roches Sprung in den Schmerz

Duell um die Welt: Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Foto: ProSieben/Jens HartmannDuell um die Welt: Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Foto: ProSieben/Jens Hartmann

Berlin. Charlotte Roche ist für die Pro7-Show „Duell um die Welt“ mit Haken unter der Haut in den Abgrund gesprungen.

Charlotte Roche hat sich ohne Betäubung vier Titanringe in den Rücken stechen lassen, ein Bungee-Seil daran befestigt und ist von einer Brücke gesprungen, als Mutprobe für die Prosieben-Show „Das Duell um die Welt“. Im Studio erzählt sie am Samstagabend von ihrer Grenzerfahrung. Schon das Piercen beschreibt Roche als äußerst qualvoll. Beim folgenden Fußmarsch zur Absprungstelle erträgt sie die Erschütterungen kaum. Den Moment am Seil, als die verwundete Haut ihr eigenes Körpergewicht abfängt, taxiert sie auf das Zehnfache von Geburtsschmerzen. Hinterher, erzählt sie, habe man ihr mehrere Tage lang die Luft unter der Haut des gesamten Rückens herausdrücken müssen. (Das Video finden Sie weiter unten.)

Selbst Klaas ist entsetzt

Klaas Heufer-Umlauf – der sich die Aufgabe ausgedacht hatte, ohne an ihre Umsetzung zu glauben – fordert einen „sehr verdienten, großen Applaus“ für Roche ein. Unbestreitbar ist ihr überwältigender Akt der Selbstkasteiung beeindruckend. Warum, um Gottes willen, macht man so was? Roche gibt mehrere Antworten. Sie spricht vom Überwinden ihrer Ängste, vom Zwangsverhalten, immer genau das zu tun, was niemand ihr zutraut, und von einer Art feministischer Mission: „Für mich ist das immer wichtig zu zeigen, dass Frauen auch dicke Eier in der Hose haben.“

Lauter Argumente, aber keins davon schafft den Eindruck des bizarren Wahnsinns aus der Welt, den dieser Schlüsselmoment der ProSieben-Unterhaltung weckt. Das übrigens auch deshalb, weil Klaas und Joko die Überlebende ihrer Show mit Gumminase und Lockenperücke befragen bzw. mit Kunstgrau im Haar. Die Entertainer bestreiten den gesamten Abend als Gottschalk und Jauch verkleidet. Wer zufällig reinschaltet, dürfte bei dieser Interview-Situation noch weniger begreifen als Bill Murray in der berühmten TV-Show-Sequenz aus „Lost in Translation“.

Roches Sprung, da sind sich im Studio alle einig, ist der Höhepunkt der Formatgeschichte. Weil er nicht mehr zu steigern ist, schlägt Joko sogar vor, das „Duell um die Welt“ mit sofortiger Wirkung einzustellen. Erstaunlicher Weise wird Roches Einspieler im Rahmen der Live-Show aber gar nicht als Höhe- und Schlusspunkt gezeigt, sondern mitten drin. Vor ihr sah man Tom und Bill Kaulitz, die eine Nacht in einem Plexiglas-Käfig unter wilden Löwen verbracht haben. Nach den Bildern von Roches blutigem Rücken folgte Paul Jankes Mutprobe: Er hatte im nigerianischen Nollywood an einem einzigen Tag einen echten, im Kino gezeigten und unfassbar schlechten Actionfilm gedreht.

Alle sollen kotzen!

Der letzte Akt gehörte dann Max Giesinger, der auf einem stark schwankenden Kutter seinen Hit „80 Millionen“ sang – wobei er selbst sich wie jeder andere an Bord immer wieder übergeben hat. „Ich wollte, dass das Team kotzt. Ich wollte, dass Max kotzt“, hatte Klaas das Konzept vorher erklärt. „Ich wollte, dass das Publikum kotzt. Ich wollte, dass alles kotzen.“ Das Ergebnis ist widerlich, aber eben, man muss es zugeben, auch sehr lustig. Ein Schmusesänger, der sich bei seinem eigenen Hit übergibt: So einen guten Witz versteht jeder, vielleicht sogar Giesingers eigene Fans. Auch Paul Jankes Auftritt ist großartig – von der Pressekonferenz, bei der sein Name konsequent als „Junkie“ ausgesprochen wird, bis zu den Laserstrahlen und Giftschlangen, die ihm eine stümperhafte Post Production aus den Händen schießen lässt. Hoffentlich zeigt Tele5 diesen Kracher möglichst bald in seiner SchleFaZ-Reihe!

Die Abramović des Entertainments?

„Das ist für die Leute nicht mehr nachvollziehbar, was hier gesendet wird“, sagt Klaas Heufer-Umlauf einmal im Spaß. Und allen, die wieder Joko und Klaas selbst in den Mutproben sehen wollen statt der Promi-Wettpaten, antwortet er: Beim „Duell um die Welt“ kann immer noch alles passieren, auch mit dem neuen Konzept. Tatsächlich wirkt der ganze Abend wie die Beweisführung zu dieser These: Zur Kotze und der Selbstverletzung im Einspieler stechen Joko und Klaas sich im Studio dann auch noch um die Wette Nadeln unter die Haut.

Es stimmt also: Auch in der Team-Version treibt „Das Duell um die Welt“ das Fernsehen an seine Grenzen. Mit Tabubrüchen, die erst die Mitspieler herausfordern – und dann das Publikum, das sich fragen muss, ob es bei all dem noch mitgehen will. Der masochistische Bungee-Stunt setzt einen neuen Bestwert. Ab jetzt kann diskutiert werden: War der Sprung selbstzweckhaft? Oder ist Charlotte Roche die Marina Abramović des Entertainments? Ein Abend mit Joko und Klaas ist verwirrend. Ich habe trotzdem das Gefühl: Nicht von der Brücke zu springen, wäre eine Entscheidung, die irgendwie auch Applaus verdient.

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