Gespräch mit Katharina Böhm 50. Folge am Freitag im ZDF: Warum "Die Chefin" so erfolgreich ist

Seit 2012 ist sie "Die Chefin" Vera Lanz: Katharina Böhm. Foto: ZDF/Michael MarhofferSeit 2012 ist sie "Die Chefin" Vera Lanz: Katharina Böhm. Foto: ZDF/Michael Marhoffer

Osnabrück. Seit 2012 ermittelt Katharina Böhm freitags als Vera Lanz im ZDF in „Die Chefin“. Jetzt steht ein rundes Jubiläum an: die 50. Folge der beliebten Krimireihe. Im Gespräch mit unserer Redaktion versucht die Schauspielerin den Erfolg zu erklären.

Die Chefin „ist misstrauisch, keine Kommissarin zum Gernhaben, eine eher etwas schwierige Chefin, die an sich und der Welt zweifelt. Und weil das so ist, braucht sie ständig Nervennahrung und knabbert Nüsse“, schrieb ein renommierter Kritiker über Vera Lanz. Stimmt auch so weit, doch in der heutigen Jubiläumsfolge verschmäht die Polizistin die Hülsenfrucht. Auf ihrem Schreibtisch liegen nur leere Schalen, doch keine Erdnuss findet den Weg in ihren Mund.

„Mir wurde gesagt, ich soll keine Nüsse essen, weil es für den Ton zu laut ist“, erklärt Katharina Böhm im Gespräch mit unserer Redaktion. „Gemein.“ Doch ansonsten ist die Schauspielerin, die 1987 in der Rolle der Susanne Komtess von Guldenburg in der Reihe „Das Erbe der Guldenburgs“ einem breiten Fernsehpublikum bekannt wurde, mit der Krimireihe glücklich. Seit 2012 ermittelt Katharina Böhm jetzt freitags als Vera Lanz im ZDF und freut sich über die 50. Folge. „Ich hatte letztens das ganze Team bei mir zu Hause und wir haben gefeiert. Ich habe mich bei allen bedankt, dass sie es uns allen gegenseitig ermöglichen, so viel Spaß bei der Arbeit zu haben und trotzdem dabei ernsthaft und ehrlich zueinander zu sein. Das schafft eine Atmosphäre, in der ich mich zu Hause fühle.“

Die Ermittlungen führen Vera Lanz (Katharina Böhm, r.) ins Gerichtsmilieu: Ist Richter Dietmar Zeltinger (Gerd Anthoff, l.) in einen Korruptionsskandal verwickelt? Foto: ZDF/Michael Marhoffer

Chemie muss stimmen

Diese Atmosphäre ist für Böhm einer der wichtigsten Faktoren für den großen Erfolg der „Chefin“. „Ich schaue die ’Chefin’ nur sehr selten an, weil ich mich immer noch nicht gerne im Fernsehen sehe“, erklärt Böhm. „Der Grund warum ich gerne Serien anschaue, ist meistens die Chemie zwischen den Menschen, die spielen.“ Beispielsweise wie bei „Akte X“, meint Böhm: „Scully und Mulder – da ist so eine Chemie zu sehen. Bei ’Die Chefin’ fühlen wir uns vor der Kamera alle sehr gut miteinander. Das kann man nicht spielen, das muss zwischen Menschen einfach da sein.“

Spielpartner Jürgen Tonkel, der in „Die Chefin“ als Lanz’ Kollege Paul Böhmer von Anfang an dabei war, äußert sich in einem ZDF-Interview ähnlich: „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Zuschauer neben dramatischen Geschichten vor allem eines sehen wollen: echte, dreidimensionale Figuren und Charaktere und wie sie sich im Verlauf einer Geschichte verhalten und entwickeln. Wir können das Genre Krimi nicht mehr neu erfinden – aber wir können von Menschen mit unterschiedlichstem Charakter, mit schönen und mit hässlichen Facetten erzählen, und das tun wir leidenschaftlich.“

Gelungene Jubiläumsfolge

Neben dem gut funktionierenden Stammpersonal, zu dem neben Böhm und Tonkel noch Christoph Schechinger als Maximilian Murnau und Christian Hockenbrink als Staatsanwalt Dr. Hartmann gehören, sind es auch wechselnde Episodendarsteller und Regisseure, die am Erfolg beteiligt sind. „Neue Regisseure bringen oft frischen Wind“, erläutert Katharina Böhm. „Manche Regisseure erzählen in großen Bildern. Andere gehen sehr viel mehr in die Szenen rein und inszenieren sehr viel intensiver das Zwischenmenschliche.“ Auch in Bezug auf die Chemie im Team bringe jeder Regisseur einen neuen Aspekt. Zumal oft dann auch neue Kameraleute dazu kommen.“

In der gelungenen Jubiläumsfolge, die auf dem pfiffigen Drehbuch von Axel Hildebrand beruht, sucht die in der Schweiz geborene Österreicherin Katharina Böhm einen korrupten Richter. Mit Hannes Hellmann und Gerd Anthoff sind in der von Florian Kern spannend inszenierten Folge auch die Episodenrollen prominent besetzt. Die halbe Hundert ist voll, die Quoten stimmen – könnte die „Chefin“ zum Dauerbrenner werden wie einst „Der Kommissar“ oder „Derrick“?

Christoph Schechinger (Rolle Maximilian Murnau), Katharina Böhm (Rolle Vera Lanz) und Jürgen Tonkel (Rolle Paul Böhmer) freuen sich über die 50. Folge "Die Chefin". Foto: ZDF/Michael Marhoffer

Polnische Flüche über glatzköpfige Hühner

„Nein. Das ist eigentlich nicht meine Messlatte“, wehrt Katharina Böhm ab. „Ich bin ein Mensch, der versucht, Konjunktive zu umgehen. Daher mache ich mir darüber keine Gedanken. Hätte, sollte, wäre, müsste, ist nicht meins. Ich versuche möglichst im Jetzt zu leben.“ Und das ist beruflich hauptsächlich von Vera Lanz dominiert. Daneben geht wenig. „Die Dreharbeiten beanspruchen relativ viel Kraft. Wir arbeiten circa acht Monate im Jahr. Gerade wurden fünf Folgen abgedreht, und ich bin platt. Die Drehs sind sehr anstrengend.“

Dafür stimmt aber die Chemie, und Spaß haben auch alle, wie Jürgen Tonkel in einer Anekdote zu berichten weiß: „Ich schenke ja gerne mal nach Drehschluss einer Folge eine Runde Schnaps für das Team aus. Davor haben aber die meisten im Team einen Heidenrespekt, und mich amüsiert es immer wieder, wie schnell alle Reißaus nehmen. Des Weiteren könnte ich mich immer wieder wegschmeißen vor Lachen, wenn Katharina mit polnischen Flüchen über glatzköpfige Hühner um sich wirft, wenn ihr mal ein Take misslingt.“

Die Chefin – Justitias Zuhälter

Freitag, 23. August 2019, 20:15 Uhr, ZDF


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN