Erste Afrodeutsche im Fernsehen Was macht eigentlich Moderatorin Mo Asumang?

Von Thomas Klatt

Mo Ausmang kämpft gegen Rassismus. Foto: Britta Pedersen/dpaMo Ausmang kämpft gegen Rassismus. Foto: Britta Pedersen/dpa

Berlin. Sie ist Mitglied des "Berliner Ratschlag für Demokratie", Botschafterin des "Netzwerk für Courage" und Botschafterin der Antitiskriminierungsstelle der Bundesrepublik Deutschland. Die Rede ist aber nicht von einer abgehalfterten Politikerin, die mit einem Diplomatenposten versorgt wird, sondern von der ersten afrodeutschen Moderatorin im bundesrepublikanischen Fernsehen.

Bis Ende 2000 moderierte Mo Asumang das Pro7-Erotikmagazin „Liebe Sünde“. Dann kam Stefan Raab und verdrängte sie von ihrem Sendeplatz. Danach habe sie erst mal eine Auszeit benötigt, sagt sie. Obwohl ihre Sendung gute Einschaltquoten hatte, bekam sie keine weiteren Angebote mehr im Fernsehen. Der Sex-Makel hing ihr lange nach. „Vielleicht war Deutschland noch nicht so weit für ein solches Sendeformat, zumal mit einer dunkelhäutigen Ansagerin“, sagt Mo Asumang im Rückblick.  

Sie wechselte zum hessischen FFH, hatte dort fast zwei Jahre lang ihre eigene Radiosendung. Bis dann 2002 die Neonaziband „White Aryan Rebels“ ihren Hetzsong mit der Liedzeile „Die Kugel ist für Dich, Mo Asumang!“ in die Welt hinaus schrie. Damals, als es noch kein facebook und andere unsozialen Medien gab. Öffentliche Hassbotschaften waren noch tabu.

„Das hat mich wirklich aus der Bahn geworfen. Warum wollen mich Leute umbringen nur wegen meiner Hautfarbe“, erinnert sich die Moderatorin. Mo(nika) Asumang wurde 1963 als Kind einer Deutschen und eines Ghanaers in Kassel geboren. Sie studierte dort Visuelle Kommunikation und später in Berlin Klassischen Gesang. Mo Asumang ist Deutsche, Deutschland ist ihre Heimat. Statt sich zu verstecken, suchte sie die Nähe zu den Menschen, die Hass und Gewalt gegen Ausländer als Lösung ihrer Probleme ansehen. Sie engagierte sich in einem Theaterprojekt mit Rechtsradikalen in der brandenburgischen JVA Wriezen. Dort entwickelte sie die Idee zu ihrem Film, ein Experiment und Therapie zugleich, bekam Unterstützung vom Kleinen Fernsehspiel beim ZDF.

Auf Konfrotationskurs

Herausgekommen ist „roots germania“, ein intelligenter, lehrreicher und stellenweise auch witziger Film. Er wurde immerhin für den Grimme Preis nominiert. Mo Asumang konfrontiert darin rechtsradikale Mitläufer und Funktionäre mit ihren naiven Fragen, wo denn jetzt ihre Wurzel, ihre Heimat sei, wo sie denn nun hin solle und entlarvt damit dumpfe und krude Denkweisen. Der Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger hätte als Germane „so was Schwarzes wie Asumang früher im Moor versenkt“, lässt sich aber bereitwillig weil eitel in seinem eigenen Garten bei laufender Kamera von der Moderatorin vorführen, obwohl er ihre Fragen für „pompolistisch“ hält. 

Ein anderer NPD-Funktionär hat persönlich gar nichts gegen Frau Asumang, meint aber mit einem verlegenen Augenzwinkern, dass man sich doch zumindest rassisch nicht mit Asiaten vermischen sollte. Der Film lässt die Neonazis dumm aussehen. Andererseits fährt Mo Asumang nach Ghana und trifft dort ihren Vater. Auf dem schwarzen Kontinent gilt sie als Weiße, wird aber herzlich aufgenommen. Sie entdeckt gemeinsame germanisch-afrikanische Wurzeln, heilige Haine, Runen-Orakel, naturverbundene Riten, die in Deutschland erst durch die Nazis in Misskredit gebracht worden seien, so die Botschaft ihres Films. Mo Asumang hat für sich eine Formel für den Umgang mit Neonazis gefunden: das Positive und Gemeinsame suchen und miteinander reden. Es folgten der Film „die Arier“ und ihr Buch „Mo und die Arier – Allein unter Rassisten und Neonazis“. 

Faszinierte Schüler

Seitdem geht sie an Schulen und Universitäten und diskutiert mit den jungen Menschen. „Die sind in der Regel ganz fasziniert und wollen gar nicht mehr aufhören über sich, ihre und meine Heimat zu reden. Ich spüre immer die persönliche Betroffenheit, wenn sie mir gegenüber stehen“, berichtet Mo Asumang.  

Ihre Botschaft: Die Mitschüler sollen aufmerksam werden, wenn jemand auf die schiefe rechte Bahn zu geraten droht. Sie sollen ihn rechtzeitig ansprechen und warnen, bevor das faschistische Weltbild manifest wird und zur Gesprächsunfähigkeit führt. Für ein Gymnasium in Hennigsdorf nördlich von Berlin hat Mo Asumang sogar die Patenschaft übernommen, um dort das antirassistische Profil zu schärfen. Ohne Frage, die ehemalige Sex-Moderatorin ist politisch geworden, engagiert sich unter anderem auch in der Initiative Schwarze Deutsche (ISD). Denn es gebe weiterhin Klischees.

„Es ist schon so, dass man als Migrant in der Öffentlichkeit und besonders im Mediengeschäft nur akzeptiert wird, wenn man sich im engen Bereich der allgemeinen Vorstellungen bewegt. Als Schwarze muss man sportlich und erotisch sein, tanzen, singen und wo möglich auch noch trommeln können“, klagt Asumang.

Dass Deutschland längst ein Einwanderungsland ist, müsse auch auf dem Bildschirm zu sehen sein. Es gebe zu wenige farbige Moderatoren im deutschen Fernsehen. Ob Mo Asumang aber selbst noch einmal regelmäßig im TV zu sehen sein wird, bleibt vorerst offen.


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