TV-Dating: Jetzt noch ekliger „Paradise Hotel“ auf RTL: Dumm klickt gut

Antreten zum Fummeln! Die Flaschendreher aus dem "Paradise Hotel". Foto: TVNOWAntreten zum Fummeln! Die Flaschendreher aus dem "Paradise Hotel". Foto: TVNOW

Berlin. Ist das eklig: Mit „Paradise Hotel“ startet RTL die Dating-Show, bei der sogar die Kandidaten selbst brechen müssen.

Das „Paradise Hotel“, dem die neue Dating-Show von RTL ihren Namen verdankt, ist ein Luxusanwesen an Mexikos Küste. Es steht im Nirgendwo auf einem Meeresfelsen und hat den Drehorten vergleichbarer Formate damit einen entscheidenden Vorteil voraus: In Momenten spontaner Selbsterkenntnis können die Kandidaten sich hier direkt vom Balkon erbrechen.

Tatsächlich ist genau das schon in der ersten Folge zu sehen. Der 27-jährigen Kevin würgt bereits am ersten Drehtag – und das noch bevor beim Flaschendrehen Tequila im Bauchnabel serviert wird. Wieder und wieder übergibt er sich; am Ende schläft er nicht im Bett von Linda, sondern direkt am Klo. Das RTL-Team hält auch da drauf, notfalls mit Nachtsicht-Optik.

Nur auf TVNOW

Keine Frage, das macht Lust auf mehr! Zumindest scheint man das bei RTL zu vermuten. Die Bilder sind immerhin der, naja, Appetitanreger, der das Publikum ins Netz locken soll. Nur die Auftaktfolge von „Paradise Hotel“ wird im Fernsehen ausgestrahlt; danach läuft das Format im kostenpflichtigen Bereich von TVNOW. Nur in der Mediathek ist also zu erfahren, wer miteinander flirtet, wer allein bleibt und rausfliegt, wer gewinnt und ob das Siegerpaar sich dann auch wirklich für einander entscheidet oder für einen Gewinn von 20.000 Euro. All das gibt’s nur für loyale Online-Nutzer. Eine Programmentscheidung ganz nach dem Lehrsatz: Dumm klickt gut. 

Gerade erst hatte der neue Senderchef Jörg Graf die Nackt-Kuppel-Show „Adam sucht Eva“ aus dem Programm gestrichen; schon etabliert RTL TVNOW als Nische für das Vulgäre. Bislang lag diese Aufgabe bei RTL II; und tatsächlich ist auf den ersten Blick kaum zu erkennen, worin „Paradise Hotel“ sich von dessen Reality-Schrecken unterscheidet. Das gilt selbst für die Kandidaten. Nicht wenige stammen aus RTL-II-Sendungen wie „Köln 50667“, „Workout“ oder „Love Island“. In das neue Format bringen sie damit schon mal eine Kernqualifikation ein, die Mario so beschreibt: „Schamgefühl habe ich nicht.“ Ein Satz, der auch erklärt, wieso er Kevins Brechreiz-bedingten Auszug so kommentieren kann: „Kevin ist raus. Das bedeutet: Sechs Frauen, zwölf Titten für uns.“

Zack, zack, jetzt aber rein ins Kondom!

Der raue Ton ist Programm. Durch ihr Negativbeispiel lassen die Teilnehmer von „Paradise Hotel“ selbst die alkoholisierten „Bachelorette“-Flirts gebildet wirken. „Bei der Linda fallen mir sofort die dicken Brüste auf“, sagt beispielsweise Kevin, bevor er für den Rest der Folge kopfüber im Klosett verschwindet. Und noch etwas hat er bemerkt: „Die hat auch einen richtig dicken Arsch.“ Klingt einseitig, trifft aber ganz genau Lindas Selbstwahrnehmung: „An meinem Körper liebe ich meine Titten und meinen Arsch“, erklärt sie und droht: „Wenn der richtige Mann einzieht, wickele ich ihn um den Finger, und dann wird gevögelt.“ Dass am Ende wahllos jeder mit jedem schläft, ist sowieso die zentrale Erwartungshaltung. Die Kandidaten werden bei einem Glücksspiel zu Zufallspaaren zusammengewürfelt; und kaum, dass sie ihre Doppelzimmer beziehen, drängt Moderatorin Vanessa Meisinger schon zur Eile: „Denkt dran – es kann schneller vorbei sein, als ihr denkt. Also gebt Gas.“ Am Bett liegen dann die Kondome.

Insofern ist es ungerecht, dass gerade Aaron als Ekelpaket inszeniert wird. Der vor Sinnlichkeit schnurrende Österreicher hat eine Nacht mit Jacqueline gezogen. Ein Volltreffer: Die Frau mit dem Playboy-Bunny am Hintern ist eine der wenigen, die ihn nicht schon beim Kennenlernen als unsympathisch ablehnt. Dass Jacqueline nicht sofort zum Sex übergeht, als er ihre Schulter krault, ist nicht nur für ihn verwirrend. Es widerspricht ganz unübersehbar auch der Format-Logik.

Gender-Debatten aus der Hölle

Immerhin: Irgendwann lässt Aaron von ihr ab. Sex, da sind die Männer im „Paradise Hotel“ sich einig, „macht nur Bock“, wenn das Gegenüber „auch Bock“ hat. Eigentlich sollte man das nicht extra betonen müssen. Einerseits. Andererseits sind diese Kandidaten auch der Meinung, dass „der Mann schon etwas mehr zu sagen hat“ (Germain), die Frau „ein bisschen folgen“ sollte (Aaron) und man sich „schon irgendwo unterordnen sollte in einer Beziehung als Frau“ (Salvatore). Ein klärender Satz zur sexuellen Selbstbestimmung hat da durchaus etwas Entlastendes. „Paradise Hotel“ ist ein Format, dem man die sofortige Absetzung wünscht. Dass RTL es von sich aus und schon vor der ersten Quoten-Auswertung in die Mediathek verbannt, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

„Paradise Hotel“. RTL zeigt die Pilotfolge am Dienstag, 6. August, ab 22.15 Uhr. Die weiteren Folgen sind nur noch bei TVNOW zu sehen, wo sie immer dienstags freigeschaltet werden.

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Schwacher Magen: Kevin. Foto: TVNOW / Frank Fastner
Linda. Foto: TVNOW / Frank Fastner
Jacqueline. Foto: TVNOW / Frank Fastner
Aaron. Foto: TVNOW / Frank Fastner


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