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Heute Abend im ARD-Programm Polizeiruf 110 „Mörderische Dorfgemeinschaft“ aus Magdeburg: Matschkes Ausstand

Foto: MDR/filmpool fiction/Stefan ErhardtFoto: MDR/filmpool fiction/Stefan Erhardt

Osnabrück. Ende des Sommerlochs: Mit einem Polizeiruf 110 aus Magdeburg zeigt das Erste heute Abend wieder einen frischen Sonntagskrimi. "Mörderische Dorfgemeinschaft" markiert zugleich den sehenswerten Ausstand von Matthias Matschke als Hauptkommissar Dirk Köhler. Kollegin Claudia Michelsen macht erst mal alleine weiter.

Für manchen Krimifan findet die schlimmste Begleiterscheinung eines jeden Sommers an diesem Sonntag ihr in diesem Jahr erstaunlich frühes Ende: Das Sommerloch beim Sonntagskrimi im Ersten schließt sich wieder. Und das schon in der ersten Augusthälfte, wo man doch sonst meist bis Anfang September warten musste. Offenbar hat die ARD derart viel Krimis produziert, dass man sie anders gar nicht mehr versenden kann.

Zwar ist es noch kein Tatort, aber zumindest schon mal ein frischer Polizeiruf 110, noch dazu eine der klar besten Episoden aus Magdeburg. Für Matthias Matschke bedeutet dieser Saisonneustart allerdings zugleich einen Schlussstrich: Es ist der letzte Auftritt des Schauspielers als Hauptkommissar Dirk Köhler.

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Den hat die krimierfahrene Drehbuchautorin Katrin Bühlig fein hingekriegt: Ihr Mordopfer Jurij Rehbein ist geradezu prädestiniert dafür, jede Menge Verdächtige aufzufahren. Der Deutsch-Russe ist in einem Dorf nahe Magdeburg für die einen ein unwiderstehlicher Charmeur, ein Freigeist und Lebemann. Für die anderen ein unverschämter Tunichtgut, Ganove und Aufreißer, der sich Geld leiht, ohne es zurückzuzahlen, und die Frauen anderer Männer verführt. Für die Polizei ist Jurij Rehbein schlicht ein alter Bekannter: Körperverletzung, Erpressung, Diebstahl und Drogendelikte stehen zu Buche.

Und er ist der Verlobte einer hochschwangeren Frau, von der er erwartet, ihm seine Freiheiten zuzugestehen. Der angehende Opa allerdings freut sich nicht etwa, sondern bezeichnet ihn als einen „Bastard“, der am besten nie wiederkommen sollte.

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Jurij Rehbein ist einer, den man liebt oder den man hasst. Ein Außenseiter im Dorf also allemal. Aber ist er auch tatsächlich Opfer eines Mordes geworden? Das einzige, das die Polizei zunächst mal von ihm findet, ist jede Menge Blut. Im Kofferraum seiner an einem Waldrand abgestellten Limousine. Für die Magdeburger Ermittler Doreen Brasch (Claudia Michelsen) und Dirk Köhler (Matthias Matschke) bedeutet das: Reichlich Arbeit und eine Vielzahl von Verdächtigen. Annähernd so viele, wie das Dorf Einwohner hat.

Ein Dorf, in dem Brasch „nicht tot überm Zaun hängen möchte“, Köhler aber durchaus schöne Seiten entdeckt. Immerhin gibt’s noch eine Autowerkstatt und eine Bäckerei, die selbst backt und zur Freude der Ermittler „Kalte Schnauze“ im Sortiment führt. Als hätte der Bäcker, zugleich Rehbeins einziger Freund im Dorf, sie dem kaltschnäuzigen Hallodri persönlich gewidmet.

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Ein Mord ohne Leiche, eine verschwiegene Dorfgemeinschaft – die Motive, derer sich Bühling und Regisseur Philipp Leinemann bedienen, verdienen nicht gerade das Prädikat „Das hat die Welt noch nicht gesehen“. Sehenswert machen den Film andere Zutaten: Starke Bilder, passende Musik, gute, zum Teil wunderbar lakonische Dialoge. Und ein behutsamer Spannungsaufbau. Keine Effekthascherei, sondern ein ziemlich klassisch und gut aufgebauter Landkrimi der Marke „Whodunit“.

Mit Dorfbewohnern, die alle wollen, dass alles so bleibt wie es ist. Die alle schon immer hier gelebt haben. Die viel reden und wenig sagen. Die das „Nein, danke“ auf die Frage, ob die Kommissarin einen Kaffee möchte, geflissentlich ignorieren. Deren Beziehung zu Jurij Rehberg vor allem davon abhängig scheint, ob sie Mann oder Frau sind.

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„Mörderische Dorfgemeinschaft“ ist die mittlerweile elfte Folge des Polizeirufs aus Magdeburg. Bislang hat er völlig zurecht reichlich Kritik einstecken müssen - wegen mäßiger Drehbücher, einfallsloser Regie und amateurhafter Nebendarsteller. Mit Matthias Matschke hat er jetzt bereits den zweiten Ermittler an der Seite von Claudia Michelsen verschlissen – zuvor hatte es Sylvester Groth nur fünf Folgen lang ausgehalten, demnächst wird es erst mal ein Solo für Michelsen geben. Den Verantwortlichen des MDR fällt es offenbar äußerst schwer, mit seinen Krimistars eine gemeinsame Wellenlänge zu finden – auch beim Tatort aus Dresden warf Alwara Höfels nach kurzer Zeit das Handtuch.

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Diese elfte Episode aber ist ein einziges „Geht doch“. Gut geschrieben, stimmig inszeniert und in allen Rollen stark besetzt. Katharina Heyer überzeugt als Rehbeins schwangere Verlobte Annette Wolf ebenso wie Hans Uwe Bauer als ihr Vater. Und einen erwähnenswerten Gastauftritt gibt es auch: Ronald Zehrfeld, eigentlich seit Jahren nur noch in meist starken Hauptrollen zu sehen, taucht – ausnahmsweise glattrasiert – gleich zu Beginn als Jäger auf, der einem Wolf nachstellt. Wer ihn ein zweites Mal in diesem Film sehen will, muss bis zum Ende ausharren. Was in diesem Fall nicht schwerfällt.

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Polizeiruf 110: Mörderische Dorfgemeinschaft. Das Erste, Sonntag, 11. August 2019, 20.15 Uhr.


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