Heute Abend neue Arte-TV-Serie "Mord im Böhmerwald" - Neue tschechische Arte-Serie

Lukas (Matej Andel, li.) vermutet illegale Aktivitäten in der Fabrik. In Begleitung von Petra (Lucia Siposova) wendet er sich an den Polizisten Vojta Marek (Marek Nemec). "Mord im Böhmerwald". Arte, Donnerstag, 21.00 Uhr.Foto: Arte/Ceska Televize.Lukas (Matej Andel, li.) vermutet illegale Aktivitäten in der Fabrik. In Begleitung von Petra (Lucia Siposova) wendet er sich an den Polizisten Vojta Marek (Marek Nemec). "Mord im Böhmerwald". Arte, Donnerstag, 21.00 Uhr.Foto: Arte/Ceska Televize.
Ceska Televize

Osnabrück. Die tschechische Serie „Mord im Böhmerwald“ (Arte, Donnerstag, 21.00 Uhr) bezieht ihre Spannung weniger aus der Lösung eines Mordfalls als vielmehr aus dem allmählichen Demaskierungsprozess einer scheinbar heilen Dorfgemeinschaft.

War es ein Lynchmord? War es eine Einzeltat? Vor ein paar Monaten wurde auf dem Marktplatz der böhmischen Kleinstadt Buchnov ein junger Mann ermordet. Alle haben zugeschaut, niemand hat Denis (Jan Cina), einem Angehörigen der angefeindeten Minderheit der Rom, geholfen. Jirí (Jiri Roskot), der geistig zurückgebliebene Hauptverdächtige, wird aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Der Fall landet bei den Akten. Niemand scheint sich mehr für den Mord zu interessieren.

Bis auf Lukás Zemlicka (Matej Andel), einen jungen Blogger und Dokumentarfilmer aus Prag. Selber in Buchnov aufgewachsen, weckt der Fall sein persönliches Interesse. Bei seinen Recherchen vor Ort trifft er allerdings nicht nur auf eine Mauer des Schweigens, sondern auch auf offene bis feindselige Ablehnung. Lediglich die angeblich vom Opfer geschwängerte, 17-jährige Helena (Stepánka Fingerhutová), Tochter aus gut betuchtem Hause, vertraut sich Lukás an.

Der findet schnell heraus, dass der Tote gar nicht der Vater von Helenas Kind sein kann. Aber das ist nur die Spitze eines Eisberges voller Dorfgeheimnisse, in deren Mittelpunkt nicht nur Helenas Eltern, die Bürgermeisterin Alena (Barbora Kodetová) und Dorfarzt Vladimír (Pavel Kríz) verstrickt sind. Insbesondere die im Hintergrund agierende Apothekerin Magda (Zuzana Stivínová), die auf einem stillgelegten Fabrikgelände einen Online-Medikamentenhandel betreibt und in illegale Machenschaften verstrickt zu sein scheint, sowie ihr unberechenbarer Neffe Pavel (Janek Gregor) erweisen sich als Schlüsselfiguren in einem bösen Spiel.

Der Sender Arte, der hier auch als Koproduzent auftritt, hat schon zahlreiche höchst sehens- und bemerkenswerte europäische Produktionen auf dem Seriensendeplatz am Donnerstag ausgestrahlt. Mit dem Achtteiler „Mord im Böhmerwald“ ist hier jetzt erstmals eine tschechische Serienproduktion zu sehen. Die kann nicht nur durch eine spannende Handlung überzeugen, sondern hat auch einen spannenden Entstehungsprozess hinter sich.

Dahinter steckt der US-amerikanische Drehbuchautor und Showrunner Harold Apter, der vor allen Dingen in den 1990ern Jahren Serien wie „Walker, Texas Ranger“ mitverantwortet hat.

„Das tschechische Fernsehen hat mich im Rahmen eines Schreibwettbewerbs zur Ausbildung von Drehbuchautoren zu einer Masterclass nach Prag eingeladen, an der ein Dutzend Filmstudenten und Profis teilgenommen haben“, schildert Apter den Entstehungsprozess der Serie im Arte-Presseheft. „Der beste Pilot sollte dann gedreht werden. 'Mord im Böhmerwald' hat gewonnen, wir haben aber alle Autoren, deren Projekte für interessant befunden worden waren, eingeladen, das Drehbuch gemeinsam mit uns zu entwickeln. Als Showrunner habe ich mich vor allem mit der Erzählstruktur und den Figuren befasst, war aber auch insgesamt für die Serie einschließlich Dreharbeiten zuständig“.

Das Thema ist universell. Rassismus und Ausgrenzung gibt es leider überall auf der Welt. Als reale Vorlage für die Serie diente Apter ein Lynchmord aus dem Süden der Vereinigten Staaten. Bei „Mord im Böhmerwald“ wurde das Thema dann den örtlichen Begebenheiten angepasst.

Hinter der bröckelnden dörflichen Mauer des Schweigens stecken natürlich zahlreiche Abgründe, die sich den Zuschauern erst nach und nach über die Figuren offenbaren. Somit entsteht die Spannung hier auch weniger in der Lösung des Mordfalls, als vielmehr im allmählichen Demaskierungsprozess einer nur scheinbar heilen Dorfgemeinschaft.

Von den sechs Nachwuchsautoren Radek Hosenseidl, Klara Juzova, Klara Kolarova, Jakub Votypka, Petr Koubek und Barbora Nevolnikova, mit denen Apter das Projekt verwirklicht hat, wird man in Zukunft mit Sicherheit noch einiges zu sehen und hören bekommen.

„Mord im Böhmerwald“ (1-4/8). Arte, Donnerstag, 01. August, ab 21.00 Uhr. Online bis zum 31. August.


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