Wilder Ritt durch ein schrilles Jahrzehnt Promis blicken im WDR durch die rosarote Brille auf die 90er

Ikonen der 90er Jahre: Die britische Girlband Spice Girls verkauften von ihrem Debütalbum "Spice", das 1996 erschiehn, rund 23 Millionen Exemplare Foto:TBM UnitedArchives100128Ikonen der 90er Jahre: Die britische Girlband Spice Girls verkauften von ihrem Debütalbum "Spice", das 1996 erschiehn, rund 23 Millionen Exemplare Foto:TBM UnitedArchives100128
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Osnabrück. Musikfernsehen, Tamagotchis, Buffalo-Schuhe: Die 90er Jahre hatten etliche schrille Trends zu bieten und sie wirken bis heute nach. In der WDR-Sendung „Jung in den 90ern – Gameboy, Girlies, Glücksgefühle" wagen Promis und Stars des Jahrzehnts den nostalgischen Rückblick – und legen dabei so manche Beichte ab.

„Wie ein Bumerang komm ich immer wieder bei dir an", sang Pop-Ikone Blümchen 1996. Dazu drangen wummernde Bässe aus den Kinderzimmern der Republik, während der Röhrenfernseher in der Zimmerecke auf dem neuen, hippen Sender namens „Viva" Musikvideos in Dauerschleife sendete und der Tamagotchi klingelnd nach einer neuen Mahlzeit verlangte. 

Virtuelles Haustier: Das in Japan entwickelte elektronische Kinderspielzeug mit dem Namen „Tamagotchi" wurde in Deutschland rund 2 Millionen mal verkauft. Foto: dpa/Kay Nietfeld

Ja, das waren die 90er. Und genau wie Blümchens Bumerang scheinen sie immer wiederzukommen. Eine Diskothek zu finden, die keine 90er-Jahre-Revival-Party im Programm hat, scheint derzeit ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Und damit haben auch die Stars von damals ihren Weg zurück auf die Bühne gefunden. Zu Konzerten von „Take That", den „Spice Girls", der „Kelly Family" und schließlich auch Blümchen, die inzwischen unter ihrem bürgerlichen Namen Jasmin Wagner auftritt, gehen die Fans jedoch nicht, um neue Songs zu hören. Sie lassen sich viel lieber von ihren Jugendidolen mit Liedern wie „Wannabe" oder „Back for good" in eine unbeschwerte Zeit zurückversetzen.

Trends und Technik im Schnelldurchlauf

Genau diese bunte Zeit feiert der WDR mit seiner Sendung „Jung in den 90ern – Gameboy, Girlies, Glücksgefühle". Dabei blicken Stars und Sternchen des schrillen Jahrzehnts fast schon im Schnelldurchlauf auf damalige Modetrends, technische Innovationen und musikalische Phänomene zurück – und legen ganz nebenbei so manche Beichte ab. Mit sicherem Abstand gibt Kelly-Family-Sänger Angelo frei heraus zu: „Die Bilder in der Bravo fanden wir am spannendsten." Schlagersänger Guildo Horn schiebt den frühen Verlust seines Haupthaars auf seinen exzessiven Videospielkonsum während der 90er. Und die frühere Viva-Moderatorin Aleksandra Bechtel ist sich sicher: „Justin Timberlake stand damals auf mich."

Für anderthalb Stunden schwelgt man als Zuschauer gemeinsam mit Moderator Marco Schreyl, Musiker Joey Kelly, Komikerin Lisa Feller und Co. in den Erinnerungen an eine Zeit, die – zumindest rückblickend betrachtet – offenbar nichts anderes kannte als Spaß, Spaß und nochmal Spaß. Die Brille der Promis ist rosarot gefärbt. Kleine Mankos findet höchstens Bechtel beim Betrachten alter Bilder von sich als Viva-Moderatorin: „Guck dir bitte meine Haare an, schrecklich!" Die 90er gehen eben über alles. Aber warum auch nicht? Schließlich haben sie eine ganze Generation geprägt.

Vor allem Jasmin Wagner, die selbst Teenie-Star und Boygroup-Fan zugleich war, wird ganz nostalgisch: „Das war eine besondere Zeit. Nachmittags hing ich bei Viva ab, am nächsten Morgen ging es wieder zur Schule." 

Erfolgreiche Preisträgerin: „Blümchen" im Jahr 1999 mit dem „Bravo Otto". Kurz danach verkündete sie das vorläufige Ende ihrer Musikkarriere. Foto: dpa

Und dort war eines besonders wichtig: die aktuellen Modetrends. „Dezenz war Schwäche", treibt es Wagner auf die Spitze. Die wichtigen Fragen waren: Wer trug die höchsten Buffalo-Schuhe? Wer die teuersten Levi's Jeans? Und wer hat sich dem Willen seiner Eltern widersetzt, und sich ein Piercing, vielleicht sogar ein Tattoo, stechen lassen? Mit Schrecken erinnern sich die Promis insbesondere an das berüchtigte Arschgeweih, das auf so manchem Rücken prangte und unter den bauchfreien Shirts hervorlugte.

Die 90er hatten aber nicht nur schräge Modetrends zu bieten. Das deutsche Raptrio „Tic Tac Toe" oder internationale Künstler wie die „Spice Girls" zeigten jungen Frauen, wie sie mit der Männerwelt umzugehen hatten und vermittelten ein neues Selbstbewusstsein. Marco Schreyl fasst zusammen: „Mädels fanden die super, weil sie so sein wollten wie sie, und Jungs, weil sie die „Spice Girls" gerne mal ausgeführt hätten." Joey Kelly erinnert sich daran, sogar ein Poster der Band an der Wand gehabt zu haben. Sein Bruder Angelo berichtigt ihn jedoch schmunzelnd: „Wir hatten damals doch gar keine Wand."

Zeitreise mit viel Humor

Überhaupt blicken die Promis mit sehr viel Augenzwinkern und voller Euphorie auf die 90er. Da muss dann auch mal kurzzeitig das Interview unterbrochen werden, wenn die Kellys den alten Gameboy in die Finger bekommen, und nicht mehr davon lassen können. Egal ob es um das erste Mobiltelefon, das sprechende Kuscheltier Furby, die Grunge-Band „Nirvana" um Frontmann Kurt Cobain, Inlineskating oder die ersten vorsichtigen Schritte im Internet geht – der WDR lässt keinen Trend und keine Innovation der 90er Jahre unangetastet. Nutzen und Sinn des bunten Sammelsuriums wird während des wilden Ritts durch das Jahrzehnt nicht hinterfragt. Wahrscheinlich macht die Zeitreise aber genau deswegen auch so viel Spaß.

Flauschiger Freund: Das elektronische Felltier Furby durfte in den 90er Jahren in keinem Kinderzimmer fehlen. Foto: dpa/Daniel Karmann

„Jung in den 90ern – Gameboy, Girlies, Glücksgefühle": Samstag, 10. August, 20.15, WDR


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