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Heute Abend in der ARD Für Barnaby-Fans: ARD-Krimis „Brokenwood – Mord in Neuseeland“

Foto: ARD Degeto/All3Media internationalFoto: ARD Degeto/All3Media international

Osnabrück. Anne Will macht Sommerpause, nach der Tatort-Wiederholung zeigt das Erste Krimis aus dem Ausland. Zum ersten Mal geht's jetzt für vier Folgen ans andere Ende der Welt: „Brokenwood – Mord in Neuseeland“. Ein kauziger Ermittler, gemächliches Tempo, jede Menge Dialoge - Barnaby lässt grüßen. Start heute Abend, 21.45 Uhr.

Neuseeland. Sehnsuchtsland von immer mehr Menschen und boomendes Reiseziel in einer Welt, in der Entfernungen kaum noch eine Rolle spielen. Vom Backpacker bis zum gutsituierten Wohnmobiltouristen zieht das Land am anderen Ende der Welt eine seit Jahren wachsende Zahl von Besuchern an. So viele, dass Neuseeland ab Oktober eine Touristensteuer von umgerechnet gut 20 Euro für jeden Einreisenden einführt, um mit dem dadurch erwirtschafteten Geld sein kostbarstes Gut zu schützen: Die Natur.

Ganz erheblichen Anteil am Tourismusboom hatte die „Herr der Ringe“-Trilogie, ein weltweiter Kinohit, der mit spektakulären Landschaftsaufnahmen wie ein schier endloser Werbespot für die Nordinsel Neuseelands daherkam. Wenn auch eine Nummer kleiner – aber die Naturkulisse spielt auch eine Rolle in einer Krimiserie, die nun ins deutsche Fernsehen kommt: „Brokenwood – Mord in Neuseeland“, im Original „The Brokenwood Mysteries“. Als Tourismuswerbung funktioniert sie allerdings nur bedingt.


Foto: ARD Degeto/SPP & all3media international


Wohl aber als Sendeplatzfüller für die in der Sommerpause weilende Anne Will. Seit Jahren zeigt das Erste in dieser Zeit nach der Tatort-Wiederholung Krimis aus anderen Ländern, anfangs vor allem aus England und Skandinavien, in diesem Jahr zunächst aus Shetland und nun erstmals von einem anderen Kontinent – Neuseeland eben. Boomt ja gerade, was macht‘s da schon, dass die Folgen, die das Erste jetzt zeigt, schon fünf Jahre alt sind? Und zuweilen anmuten, als könnten es auch 15 Jahre sein.

Wirklich fremd werden die Brokenwood-Krimis wohl den wenigsten erscheinen. Vor allem die Freunde beschaulicher britischer Formate wie „Inspector Barnaby“ werden schnell eine gewisse Vertrautheit verspüren. Alles ist gemächlich und verständlich, vieles wird trotzdem noch mal erklärt, überfordert wird hier kein Zuschauer. Es gibt eine Szene, die sich ständig wiederholend wie ein roter Faden durch den ersten Teil „Blut und Wasser“ zieht: Der Inspector steigt aus dem Wagen, geht auf jemanden zu und beginnt mit ihm zu reden. Immer und immer wieder. Das ist nicht unbedingt prickelnd, lässt den anfangs Unbekannten aber schnell wie einen alten Freund erscheinen.


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Aber erst mal zurück auf Anfang: Als der Farmer Nate Dunn (Chris Sherwood) reichlich angetrunken einen Pub im beschaulichen Brokenwood verlässt, ahnt man als Zuschauer sofort, dass da jemand förmlich um seinen Tod bettelt. Gerade noch vor einer zünftigen Wirtshausschlägerei bewahrt, droht er seinem Kontrahenten damit, „alles auffliegen“ zu lassen. Und seinem Sohn, der samt Freundin gekommen ist, um ihn abzuholen, macht er erst mal klar, dass er mit dieser „Schlampe“ nicht in einem Auto sitzen will. Also wird die junge Frau im Pub geparkt, damit der Alte seinen Willen hat.

Keine drei Minuten später ist Farmer Nate Dunn tot. Die örtlichen Polizisten tippen auf Unfall oder Selbstmord, also muss einer her, der es besser weiß: Detective Inspector Mike Shepherd (Neill Rea) aus der nicht näher benannten großen Stadt (vermutlich Auckland). Der Polizeichef von Brokenwood (Mark Clare) ist quasi aus der Sache raus, weil er schon vor zehn Jahren den Tod der Ehefrau des jetzigen Mordopfers nicht aufklären konnte. Engste Mitarbeiterin Shepards wird also die Polizistin Kristin Sims (Fern Sutherland), die seit drei Jahren ihren Dienst in dem idyllischen Nest versieht.


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Auf den ersten Blick ist er ein sonderbarer Vogel, dieser Inspector Mike Shepard. Sein Auto, ein 71er Holden Kingswood, stammt aus der Zeit vor der Erfindung elektrischer Fensterheber, seine Figur ist knapp jenseits von sportlich, sein Humor gewöhnungsbedürftig. Die aus dem Wasser gezogene Leiche des Farmers bezeichnet er als „ganz schön dicken Fisch, der nicht auf der Speisekarte stand“. Um dann ein bisschen mit dem Toten zu plaudern. Polizistin Sims wird das später als „Einsamer-Wolf-Leichenflüsterer-Scheiße“ bezeichnen.


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Shepard hat ein Faible, das den Brokenwood-Krimis ihre ganz eigene Note gibt – für Countrymusik, die er im Auto gern mittels Kassettenrekorder genießt und mit der er die eine oder andere Mitfahrerin nervt. Auch als Zuschauer muss man sich daran erst einmal gewöhnen, aber irgendwann stellt sich das Gefühl ein, dass die Songs immer besser werden und ruhig länger gespielt werden könnten. Dramaturgisch werden sie allerdings nicht sonderlich einfallsreich eingesetzt: Immer wenn der Inspector gerade eine Vernehmung beendet hat, wimmert sich eine Country-Gitarre in den akustischen Vordergrund.

Und doch ist am Ende die Countrymusik vielleicht das Beste an diesem ersten von vier Teilen „Brokenwood“, die jeweils einen in sich abgeschlossenen Fall behandeln. Ein bisschen verschnarcht, very old fashioned, ziemlich dialoglastig und hölzern synchronisiert lässt „Blut und Wasser“ (Buch: Tim Balme, Regier: Mike Smith) so manche Episode von „Inspector Barnaby“ wie einen packenden Thriller erscheinen. So was muss man mögen, wobei unbestritten ist, dass es dafür gerade am späten Sonntagabend ein Publikum gibt. Das ZDF wird’s bestätigen können.


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Nächsten Sonntag geht’s dann mit der Folge „Bitterer Wein“ weiter. Dann hat sich die Grundkonstellation verändert und das idyllische Brokenwood wird endgültig zum Hort des Bösen. So viel sei verraten: Die Musik ist wieder gut und der Film besser als der erste.


Brokenwood – Mord in Neuseeland. 

21.7.: Blut und Wasser, 

28.7.: Bitterer Wein, 

4.8.: Der letzte Abschlag, 

11.8.: Tödliche Jagd (jeweils um 21.45 Uhr).


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