Montagabend auf Arte Augenschmaus: Zweiteiler Wildes Holland

Ein Weibchen des extrem seltenen Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings bei der Eiablage.
Foto: Arte/EMS FilmEin Weibchen des extrem seltenen Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings bei der Eiablage. Foto: Arte/EMS Film

Osnabrück. Der Zweiteiler von Mark Verkerk führt mit großartigen Naturaufnahmen in die Rhein-Maas-Deltaregion.

Wer an die Niederlande denkt, denkt vermutlich an Wasser, Wattenmeer und Wohnwagen, Frikandel, Klogs und Käse, an eine verpasste WM-Teilnahme oder an eine Sprache mit sehr vielen Vokalen. Nur wenige werden dieses „Land unter dem Meeresspiegel“ mit wilder Natur assoziieren. Dabei ist Holland, hierzulande oft als Synonym für die Niederlande benutzt, ein Teil unseres Nachbarstaates, der im Westen von der Nordsee, im Osten vom Ijsselmeer, den Provinzen Utrecht, Gelderland und Noord-Brabant so wie im Süden von der Provinz Zeeland begrenzt wird. In diesem Gebiet liegt auch mit der Rhein-Maas-Deltaregion ein einzigartiges europäisches Feuchtgebiet, in die die zweiteilige Dokumentation von Mark Verkerk, führt. Arte sendet beide Teile hintereinander. 

Verkerks Film ist eine außerordentliche Reise in ein wildes Holland, wie es nur wenige Besucher der Niederlande kennen werden. Verkerk geht im ersten Teil mit seiner Kamera auf Tauchstation und folgt Stichlingen auf ihrem Weg von der Nordsee über Seeschleusen flussaufwärts bis zu seinen Laichgründen. Mit modernster Kameratechnik und Aufnahmen aus der Luft und unter Wasser konnte die beschwerliche und faszinierende Reise des kleinen Fischs zum allerersten Mal gefilmt werden.

Der Biber ist mit seinen scharfen Zähnen in der Lage, ganze Bäume zu fällen. Foto: Arte/Frans Lemmens


Weiterer Hauptdarsteller des ersten Teils ist der Biber. In Nachtaufnahmen zeigt die Dokumentation wie die Nager innerhalb von drei Nächten einen Baum fällen. Passgenau landet der „angenagte“ Riese an der Stelle, wo die Biber ihn hinhaben wollten. Beeindruckend. Der Bau der Biber von Dämmen verändert die Landschaft. Dies schafft nicht nur ideale Laichgründe   für den Stichling, sondern auch neuen Lebensraum für zahlreiche weitere Tiere wie die Ringelnatter. 

Makroaufnahmen aus einer Miniaturwelt

Der zweite Teil erkundet die Auen, Marschen und Sumpfwälder des Deltas, Heimat des majestätischen Seeadlers, der dort seit kurzem wieder brütet, und des extrem seltenen Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings. Dieser Schmetterling und die Bilder von ihm sind das absolute Highlight in dem Film. Mit Makroaufnahmen begibt sich Verkerk in die Miniaturwelt der Insekten. Er zeigt die Paarung sowie Eiablage des Schmetterlingsweibchens in die Blüte des Wiesenkopfes. Dann beginnt das Spektakel.

Die aus dem Ei geschlüpfte Raupe beginnt nach einiger Zeit, die Pflanze hinabzuklettern. Ihr Ziel: Ameisenlarven. Ihr Feind: Ameisen. Zur Tarnung nimmt die Raupe den Duft von Ameisen an und sondert auch Laute wie eine Ameise aus. So wird sie für eine Ameisenlarve gehalten und von ihren Feinden in den Bau geschleppt. Zur Belohnung dafür sondert sie eine süße Substanz ab, die die Ameisen gerne aufnehmen.

Im Bau verbringt sie zehn Monate und verspeist jede Menge Ameisenlarven - immer in Gefahr, dass ihre Tarnung auffliegt. Irgendwann begibt sich die Raupe zum Ausgang des Baus und beginnt sich zu Verpuppen. Morgens, wenn die Ameisen noch schlafen, bricht dann der Helle Wiesenkopf-Ameisenbläuling aus seiner Hülle, flüchtet auf eine Pflanze in die Morgensonne, um seine Flügel zu trocknen. Wenig später fliegt er los und das Spiel beginnt von vorne.

In der Rhein-Maas-Deltaregion in den Niederlanden kann ein "wildes Holland" entdeckt werden. Foto: Arte/Frans Lemmens


Unberührte Natur der Niederlande

Die Bilder dieser Sequenz sind ein wahrer Augenschmaus. Doch auch die anderen Aufnahmen in der Dokumentation wissen zu faszinieren. Auch wenn Mark Verkerk modernste Kameratechniken einsetzt: um derartige Bilder einfangen zu können, bedarf es viel Arbeit und großer Geduld. Dabei sind Verkerks Protagonisten keine exotischen Tiere, sondern heimische Bewohner wie der Hase, deren Faszination der Film offenbart.

Wer ein anderes Holland kennen lernen möchte, sollte sich den Zweiteiler, der dazu einlädt, die unberührte Natur der Niederlande in all ihrer Kraft, Schönheit und Rätselhaftigkeit (wieder) zu entdecken, anschauen. Ein Natur- und Tierfilm, in dem einzig der zuweilen etwas pathetische Musikeinsatz stört. Aber dies kann bei dem gezeigten Niveau verschmerzt werden.

Wildes Holland (Teil 1), Montag, 15. Juli 2019, 17.50 Uhr, Arte

Wildes Holland (Teil 2), Montag, 15. Juli 2019, 18.35 Uhr, Arte


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