Von "Hallo Deutschland" ins Chefbüro Die Chefin: Natalie Müller-Elmau leitet den TV-Sender 3sat

Seit Januar 2018 leitet Natalie Müller-Elmau den Fernsehsender 3sat. Zu ihren Aufgaben gehören  Programmplanung, Marketing, Senderstrategie und die Abstimmung mit den Partnersendern ORF, SRF und ARD. Foto: ZDF/Markus HintzenSeit Januar 2018 leitet Natalie Müller-Elmau den Fernsehsender 3sat. Zu ihren Aufgaben gehören Programmplanung, Marketing, Senderstrategie und die Abstimmung mit den Partnersendern ORF, SRF und ARD. Foto: ZDF/Markus Hintzen

Osnabrück/Mainz . Seit Januar 2018 leitet Natalie Müller-Elmau 3sat. Seither managed sie den Sender und koordiniert dies mit den Partnersendern.

Programmplanung, Marketing, Senderstrategie, Entwicklung neuer Angebote, Abstimmung mit den Partnersendern. Mit solch vielfältigen Aufgaben befasst sich Natalie Müller-Elmau seit Januar 2018. Seither hat die 49-Jährige die Position der „Koordination 3sat beim ZDF“ inne. Kurz: Sie ist die Chefin von 3sat.

Der etwas umständliche Name kommt durch die Konstruktion des Fernsehsenders zustande: 3sat ist ein länderübergreifender Partnersender, den der ORF (Österreichischer Rundfunk), der SRF (Schweizer Radio und Fernsehen) sowie die beiden deutschen Sender ARD und ZDF gemeinsam betreiben.

Auf dem Lerchenberg

Die Koordination liegt beim ZDF. Deshalb befindet sich das Büro von Müller-Elmau auch auf dem Lerchenberg am Rande von Mainz. Hier ist sie schon seit 1998 tätig, als sie in die Redaktion von „Hallo Deutschland“ kam. Zuvor hatte sie nach ihrem Studium (Amerikanistik, Publizistik und Politikwissenschaft) und freier Tätigkeit für verschiedene Medien bei der Deutschen Welle volontiert und als Redakteurin gearbeitet. Müller-Elmau ist die Tochter des Regisseurs und Schauspielers Markwart Müller-Elmau, die Schauspielerin Katharina Müller-Elmau ist ihre Cousine. Ihr Urgroßvater, der Philosoph Johannes Müller, hat Schloss Elmau gegründet.

Die Zusammenarbeit von drei Ländern sieht Natalie Müller-Elmau als Vorteil, weil Themen facettenreicher dargestellt werden könnten: „Es ist bemerkenswert, wie unterschiedlich wir in manchen Dingen denken und wie ähnlich in anderen. Da findet ein wichtiger Abgleich und Austausch statt, der auch ein Mehrwert für die Zuschauerinnen und Zuschauer ist.“ Vor allem angesichts der aktuellen politischen Debatten sei das eine Bereicherung.

"Kaminer inside"

Die verschiedenen Perspektiven will der Sender auch mit gemeinsamen Produktionen ausleuchten. Beispielsweise bei "Kaminer inside": Der Schriftsteller Wladimir Kaminer wird erkunden, was Deutsche, Österreicher und Schweizer unter dem Begriff "Heimat" verstehen. Die drei Beiträge werden am 21. August ab 20.15 Uhr zu sehen sein.

Als deutschsprachiger Kultursender wurde 3sat am 1. Dezember 1984 vom SRF (aktuell beteiligt mit 10 Prozent) vom ORF (25 Prozent) und dem ZDF (32,5 Prozent) gegründet. Die ARD (32,5 Prozent) kam erst am 1. Dezember 1993 dazu. Alle Entscheidungen werden bei 3sat im Konsens getroffen.

Referentin bei Bellut

Als TV-Journalistin arbeitete Müller-Elmau in der Aktualität, tendierte kurz zur Moderation und verantwortete Magazine und Dokumentationen hauptsächlich im Wissensbereich. Während ihrer Zeit als Referentin des damaligen ZDF-Programmdirektors Thomas Bellut sei ihr Interesse an strategischen Themen und an Managementaufgaben gewachsen, erläutert sie.

„Eine wichtige Aufgabe des Senders ist es, Teilhabe an besonderen kulturellen Ereignissen zu ermöglichen“, sagt Natalie Müller-Elmau über den Sender, der die große Bühne ins Wohnzimmer bringt: „Wir öffnen den Blick auf die Welt aus der kulturellen Perspektive mit wissenschaftlicher Bodenhaftung. Das schätzen unsere Zuschauerinnen und Zuschauer.“ Das führe leider nicht zu den Top-Einschaltquoten, aber das Publikum schätze das Vertiefende, das der Sender anbietet. Manchmal widmet der Sender einen ganzen Tag einem Themenschwerpunkt oder sendet Dokumentationen zur Primetime um 20.15 Uhr.

Bald mehr Kabarett?

Ein besonderer Schwerpunkt des Senders liegt auf dem Kabarett und der Satire. „Auf unterhaltsame Weise befördern diese Formate das Verständnis für politische und gesellschaftliche Zusammenhänge“, meint Müller-Elmau, die diese Sparte gern weiter ausbauen würde.

Für sie selbst habe es „einen ungeheuren Reiz gemacht, einen gesamten Sender prägen zu können“, sagt Natalie Müller-Elmau über ihre Motivation, die Position der Sender-Chefin zu übernehmen. Aktuell arbeitet sie am Profil von 3sat hinsichtlich des digitalen Wandels. Deshalb sei kürzlich auch das Online-Angebot neu aufgestellt worden. „Das Mediennutzungsverhalten ändert sich. Wir müssen also unsere Inhalte gezielt auch non-linear verbreiten.“ Das heißt: Die Zuschauer erhalten mehr Möglichkeiten, Sendungen jenseits der Fernsehtermine abzurufen und sich darüber hinaus zu informieren.

Und wie bleibt sie selbst auf dem Laufenden, um das Programm zu gestalten? Sie lese viel, natürlich Zeitung, informiere sich gezielt am Medienmarkt und verlasse gern und bewusst die herkömmlichen Pfade, schon um am Puls der Zeit zu bleiben.


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