Serie gibt Einblicke in den Lobbyismus Serie "Giftige Saat" über Geld, Macht und Mord

Misstrauisch beobachtet Chloé Forrest (Marilou Aussilloux) Agenten des Agrochemie-Unternehmens Saskia, die in ihrem Haus etwas suchen, das mit der Arbeit ihres toten Vaters zu tun hat. Foto: What's up FilmsMisstrauisch beobachtet Chloé Forrest (Marilou Aussilloux) Agenten des Agrochemie-Unternehmens Saskia, die in ihrem Haus etwas suchen, das mit der Arbeit ihres toten Vaters zu tun hat. Foto: What's up Films

Osnabrück . Die sechsteilige Serie „Giftige Saat“ macht die Themen Lobbyismus und regulierende Politik am Beispiel Landwirtschaft anschaulich. Giftige Saat. Sechsteilige Fernsehserie. Donnerstags, 13. Juni, 20. Juni und 27. Juni, jeweils ab 21.45 Uhr. Arte.

Seit einigen Jahren wird um Glyphosat debattiert. Intensiviert hat sich die Diskussion, seit das Herbizid in einer Studie als für den Menschen „wahrscheinlich krebserregend“ bezeichnet wurde. Andere Studien widersprachen dieser Auffassung. 2017 forderte eine europäische Bürgerinitiative mit rund 1,1 Millionen Unterschriften das Verbot des Unkrautvernichtungsmittels. 

Wie positionieren sich Politiker in solchen Fällen? Was bewegt sie, sich der einen oder der anderen Auffassung anzuschließen und entsprechende Gesetzestexte auf den Weg zu bringen? Wie lässt sich ihre Einstellung beeinflussen? Welche Rolle spielen Lobbyisten und wie setzen sie ihre Interessen durch? Das sind Fragen, die die sechsteilige Serie „Giftige Saat“ thematisiert – und mit denen sie auf spannende Weise unterhält. 

Lebensbedrohliche Krankheit

Als er an seinem Trecker steht und das Pestizid Limitrol umfüllt, bricht der Landwirt Michel Villeneuve zusammen. Kurz darauf wird ihm im Krankenhaus eine lebensbedrohliche Krankheit diagnostiziert: Er hat Leukämie. Schnell steht die Frage im Raum, ob seine Erkrankung auf die jahrelange Verwendung des Pestizids zurück zu führen ist. Als Michels Freund Guillaume Delpierre (Laurent Stocker) davon hört – ein Parlamentarier, der in der Nationalversammlung sitzt – beginnt der, sich für ein Verbot des Pestizids einzusetzen. Damit gibt er den Startschuss für ein Ränkespiel voller Intrigen bis hin zum Mord um einen Konzern und die Politik.  Die Lobby des Produzenten, des Agrarriesen Saskia, wird auf den Plan gerufen – sie setzt sich heftig gegen das geplante Gesetz ein – bis ihr Marketingchef tot aus der Seine gefischt wird.  

In „Giftige Saat“ widmet sich der mehrfach ausgezeichnete Regisseur Jean-Xavier de Lestrade der Welt des Lobbyismus, der produzierenden Agrarchemie und der regulierenden Politik. Mit ausgezeichnetem Erfolg: 2018 wurde „Giftige Saat“ beim Fernsehfilm-Festival von La Rochelle mit dem Preis für die beste Miniserie prämiert.

2002 war Jean-Xavier de Lestrade für seinen Dokumentarfilm „Ein Mörder nach Maß“ mit dem Oscar ausgezeichnet worden. In diesem Genre hatte er direkt nach seinem Doppelstudium der Fächer Jura und Journalismus seinen Schwerpunkt gesucht. In seinen Filmen widmete er sich dem Justizapparat. Wahre Begebenheiten inspirierten de Lestrade auch zu seinen Fernsehproduktionen, in denen er sich mit gesellschaftlichen und psychologischen Missständen befasst. 

Fiktionale Form

Für „Giftige Saat“ hat er nun eine fiktionale Form gewählt. In einer Mitteilung von Arte begründet der Regisseur das so: „Mit Fiktion kann man das Innere der Personen freilegen und den Zuschauer berühren.“ Das Gespinst der unterschiedlichen Figuren sollte ebenso transportiert werden, wie die Beweggründe der einzelnen Personen. 

Dazu zählt auch Chloé Forrest (Marilou Aussiloux), die Tochter des toten Marketingchefs. Sie gibt sich mit der Erklärung nicht zufrieden, dass ihr Vater sich selbst getötet hätte, und begibt sich auf Spurensuche. Und es zählt auch Claire Lansel (Alix Poisson) dazu. Die ehemalige Journalistin wurde vom Agrochemie-Unternehmen Saskia als PR-Beraterin eingestellt. Doch sie fängt an, auch auf eigene Faust zu recherchieren. Claire ist gut bekannt mit Romain Corso (Pierre Perrier), dem parlamentarischen Assistenten von Guillaume Delpierres. Mit ihm hat sie bislang oft Informationen ausgetauscht – bis er entdeckt, dass sie eine neue Aufgabe hat. 

Auf die Frage, was ihn zu der Miniserie inspiriert habe, sagt Jean-Xavier de Lestrade: Sein Vater habe ihm einen Zeitungsbericht gegeben über einen Landwirt, der Monsanto verklagte, nachdem er Vergiftungserscheinungen bekommen hatte. „Er schickte mir den Artikel mit dem Kommentar, dass es da vielleicht ein zu behandelndes Thema gäbe ... Das war 2011“, wird de Lestrade in einer Mitteilung von Arte zitiert. Er habe sich ein paar Jahre mit dem Thema beschäftigt, weil es sich mit einem anderen Themenfeld überschnitt, dass er spannend findet: die Politik. Und: Er habe sich gewundert, warum wissenschaftliche Belege dafür, dass Unkrautvernichter Krebs erzeugen, nicht zu Politikern durchdringen. 

Giftige Saat. Sechsteilige Fernsehserie. Donnerstags, 13. Juni, 20. Juni und 27. Juni, jeweils ab 21.45 Uhr. Arte. 


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