Neue VOX-Serie Familie früher und heute: Jürgen Vogel über „Das Wichtigste im Leben“

Wo ist der Hund? Jürgen Vogel über "Das Wichtigste im Leben". Foto: TVNOW / Martin RottenkolberWo ist der Hund? Jürgen Vogel über "Das Wichtigste im Leben". Foto: TVNOW / Martin Rottenkolber 

Berlin. Jürgen Vogel ist sechsfacher Vater. Für VOX hat er zum ersten Mal eine Familienserie gedreht: „Das Wichtigste im Leben“.

„Ich habe eigentlich gar keine Familienserien geguckt“, sagt Jürgen Vogel. „‘Drombuschs‘, ‚Lindenstraße‘ – als das lief, war ich schon zu alt.“ Das einzige, an das er sich erinnert, sind 70er-Jahre-Importe wie „Die Waltons“ oder „Unsere kleine Farm“. Und das, sagt er, „hat nichts mit dem zu tun, was wir machen“. Als der 51-Jährige die Hauptrolle in „Das Wichtigste im Leben“ übernommen hat, konnte er also ohne Vorbelastung an die Arbeit gehen. In der VOX-Serie – nach „Club der roten Bänder“ und „Milk & Honey“ die dritte fiktionale Eigenproduktion des Senders – spielt er Kurt Fankhauser, den Vater einer ganz normalen Patchwork-Familie. 



Ganz normaler Alltag: „Das Wichtigste im Leben“

„Früher haben sie im Fernsehen mit viel Fantasie heile Welten geschildert. Das sah dann aus wie Pilcher als Serie. Bei uns geht’s um die ganz normale Realität, um den Alltag, die Sorgen“, erzählt der Schauspieler im Gespräch über die erste Staffel. „Wenn's gut geschrieben ist, kann das wahnsinnig spannend sein. Obwohl gar nicht so große Dinge passieren, fand ich unsere Drehbücher berührend.“

Tatsächlich halten schon die kleineren Erschütterungen Vogels Figur Kurt Fankhauser ausreichend auf Trab: Seine Frau Sandra träumt vom eigenen Café und weckt beim Mitgründer womöglich nicht nur professionelles Interesse. Seine Tochter Luna schwärmt via Instagram für den Stiefbruder ihrer Freundin. Kurts kleiner Sohn Theo kann nicht eingeschult werden, weil er seit dem Verschwinden des Haushundes nicht mehr spricht. Und Philipp enttäuscht seinen Vater, als er dessen Basketball-Team verlässt, zugunsten einer Ballett-Ausbildung. Familie – in der Serie von Richard Kropf ist das ein Großprojekt, bei dem Menschen sich begleiten, obwohl sie ganz unterschiedliche Ziele haben.

Die Erfahrung des sechsfachen Vaters

Und dafür ist Jürgen Vogel dann doch Experte. Als Mann, der mit 20 Jahren zum ersten Mal, und Anfang des Jahres zum sechsten Mal Vater geworden ist und in den letzten 30 Jahren eigene wie angenommene Kinder erzogen hat. „Ich war immer sehr selbstständig“, sagt der Schauspieler. „Früher war man aber sowieso viel schneller erwachsen. Nach der Haupt- oder Realschule hat man sich eine Wohnung gesucht, geheiratet und Kinder gekriegt. Heute sind die meisten mit 25 Jahren noch nicht ausgezogen. Und wenn doch, lassen sich viele trotzdem noch von Mutti die Wäsche waschen. Man müsste mal ein Buch darüber schreiben, wie kindlich Männer um die 30 heute sind“, sagt der Schauspieler, der mit 15 Jahren seine eigene Wohnung vom eigenen Geld bezahlt hat. Was würde er in sein Buch reinschreiben? „Dass die nichts können: Putzen, Kochen, die Waschmaschine anstellen. Das können die nicht. Keiner kann mehr Verantwortung für sein Leben übernehmen“, meint Vogel und berichtet von Männern, die erst mit 40 oder 50 Jahren Vater werden wollen und nicht ahnen, dass sie dafür eine neue Freundin brauchen. „Für die Mädels ist es eine echte Katastrophe, was für unsexy Männer da rumlaufen.“

War früher alles besser? 

Nicht nur Erwachsene sind heute anders, auch Kindheiten spielen sich unter anderen Vorzeichen ab. In einer Episode machen die Fankhausers sich massive Vorwürfe – weil keiner der beiden weiß, wo sich ihr Vorschulkind gerade aufhält. Ein Zustand, der in den 70ern Alltag war, als Kinder allein um die Häuser ziehen durften, solange sie nur zum Abendbrot wieder zuhause waren. „Das stimmt natürlich auch: Heute ist es behüteter, damals gab es mehr Freiräume. Was wir für eine Scheiße bauen konnten, nur weil wir es im Wald gemacht haben, wo keiner es mitbekommt“, sagt Vogel und räumt ein: „Es ist gar nicht mehr so einfach, Kindern diese Räume zur Verfügung zu stellen.“ Hatte er es damals besser? Jürgen Vogel hat da Zweifel: „Ich weiß nicht, ob's besser ist, wenn du ohne Kindersitz im Auto bist, die Fenster sind zu und vorne rauchen deine Eltern“, wendet er ein. „Was man auf jeden Fall sagen kann: Unsere Kindheit war ungesünder. Wir haben nur trotzdem überlebt.“

Hat sich in all den Jahren, in denen er vom jungen zum späten Vater wurde, sein eigener Erziehungsstil verändert? „Vieles ändert sich, schon weil der eigene Horizont breiter wird. Wenn die Kinder erwachsen sind, kann man sie immerhin fragen, was man damals falsch gemacht hat“, sagt Vogel. Wobei er sich in der Frage von Erziehungsversäumnissen gelassen zeigt: „Du kannst es eh nicht richtig machen. Egal, was du dir vornimmst – du machst es für den einen richtig und für den anderen komplett falsch“, sagt er. „Nicht nur wir leben mit unseren Kindern. Unsere Kinder müssen auch mit uns leben. Und das ist auch gar nicht schlecht.“

„Das Wichtigste im Leben“. VOX zeigt die Serie ab dem 5. Juni 2019 immer mittwochs um 20.15 Uhr in Doppelfolgen. ´

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