Youtubern schon lange ein Begriff Was macht Rezo im Internet, wenn er nicht auf die CDU schimpft?

Von Maike Gröneweg

Youtuber Rezo ist studierter Informatiker und stützt seine Videos auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Foto: dpa/privatYoutuber Rezo ist studierter Informatiker und stützt seine Videos auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Foto: dpa/privat

Osnabrück. Das am 18. Mai von Rezo veröffentlichte Youtube-Video „Die Zerstörung der CDU“ wirbelt momentan nicht nur die Medienwelt auf, auch Politiker der verschiedenen Parteien melden sich zu Wort und beziehen Stellung – oder verzweifeln an dem Versuch. Wer ist der 26-Jährige mit den blauen Haaren, der es geschafft hat, den politischen Diskurs so kurz vor der Europawahl derart über den Haufen zu werfen?

Eine Woche nach der Veröffentlichung seines „CDU-Zerstörungsvideos“ zählte Rezo bereits weit über zehn Millionen Aufrufe; stetig kommen weitere dazu. Im Video kritisiert der 26-Jährige scharf die Klima- und Verteidigungspolitik der CDU/CSU sowie der SPD und zieht dabei wissenschaftliche Quellen heran, die transparent einzusehen sind. In einem weiteren Videobeitrag ruft er wenig später mit mehr als 90 weiteren Youtubern in einem offenen Brief dazu auf,die CDU/CSU, die SPD und die AfD nicht mehr zu wählen. 

Während der Youtuber viel Zuspruch für seine Mischung aus Analyse und Kommentar erfährt, sieht er sich seitens der CDU/CSU unter anderem mit Vorwürfen falscher und vereinfachter, einseitiger Fakten konfrontiert.

Rezos Kritik allerdings bestand zahlreiche Faktenchecks seriöser Medien und Wissenschaftler. Die SPD zeigte sich gesprächsbereit, sorgte damit allerdings ebenfalls für Unmut bei der Youtube-Community, die seit Monaten unter den Hashtags „#niemehrcdu“ und „#niemehrspd“ erkennen ließ, dass statt zu reden nun gehandelt werden müsse.

Rezo trifft den Nerv der Zeit und wird plötzlich als heroischer Teilnehmer des gegenwärtigen politischen Diskurses gehandelt – ohne vorher darin allzu sehr aufgefallen zu sein.

Hochprofessioneller Account

Eigentlich ist Rezo bekannt für seine blaugefärbten Haare und seine musikalischen Videoproduktionen, in denen er populäre Songs covert. Außerdem kreiert er Mashups, das heißt, er bearbeitet Ausschnitte anderer Videos so, dass daraus ein Lied entsteht. Zwischendrin trifft er sich mit anderen erfolgreichen Videoproduzenten. Gemeinsam machen sie Musik oder fordern sich zu so genannten Challenges heraus: Sie treten in lustigen, unangenehmen oder musikalischen Duellen gegeneinander an. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Hobby-Kanal, ist tatsächlich hochprofessionalisiert. Der 26-Jährige gehört zur Influencer-Agentur „Tube One“, die professionell vermarktet wird und ihn managt. In Aachen hat er sich ein festes Team aufgebaut, das ihn in der Videoproduktion unterstützt. Rezo selbst, der mit bürgerlichem Namen Yannick Frickenschmidt heißt, hat seinen Master of Science in Informatik absolviert. (Weiterlesen: Kramp-Karrenbauer beschwert sich über Meinungsmache – das sind die Reaktionen)

Im Studium dürfte er gelernt haben, Sachverhalte wissenschaftlich zu erarbeiten. Anfang Januar veröffentlichte Rezo ein erstes „Zerstörungsvideo“, in dem er einen Youtube-Kollegen fachlich kritisiert. Im März erörterte er in zwei Videos aus verschiedenen Perspektiven die Diskussion um die Urheberrechtsreform, die nicht nur interesse-, sondern auch karrierehalber für ihn als Angehöriger der Berufsgruppe der Influencer von Bedeutung ist.

Mit „Die Zerstörung der CDU“ schließt er an dieses Format an. Er zieht sich wissenschaftliche Expertenmeinungen heran und trägt diese öffentlichkeitswirksam nach außen. Yannick Frickenschmidt alias Rezo ist also keineswegs der exotische Außenseiter ohne gesellschaftlich relevanten Anspruch, den einige der angegriffenen Politiker – und im Übrigen auch einige Medien – aus ihm machen wollen. Im Gegenteil: Im Grunde trägt er, der redaktionell arbeitende Influencer und Hochschulabsolvent, nur noch einmal die Erkenntnisse von Experten vor. Dass er dazu deren Originalzitate als Ausschnitte aus Bundespressekonferenzen einspielt, dürfte die sogenannten Volksparteien doppelt schmerzen.


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