Mit einem Streich fing alles an ZDF–Morgenmagazin-Moderator Mitri Sirin über das Arbeiten in einer Parallewelt

Von Maike Gröneweg

Gutes Team: Mitri Sirin mit Moderations-Kollegin Dunja Hayali. Foto: dpa/Georg WendtGutes Team: Mitri Sirin mit Moderations-Kollegin Dunja Hayali. Foto: dpa/Georg Wendt

Rheine. Er ist in Rheine geboren und aufgewachsen, nun lebt der Fernsehmoderator Mitri Sirin in Berlin und ist gemeinsam mit Dunja Hayali zum Gesicht des ZDF-Morgenmagazins geworden. Im Gespräch berichtet der 48-Jährige von seinem Alltag als Frühaufsteher und seinen Gedanken zur sich verändernden Gesellschaft.

Eine Art infantiler Streich brachte seine Karriere ins Rollen: Dem jungen Mitri Sirin missfiel, wie in einem Berliner Radiosender moderiert wurde. Er wollte es besser machen, also rief er an – und begann am selben Tag, für die Station Kiss FM Berlin zu arbeiten. Er volontierte, arbeitete einige Jahre als Musikredakteur und -moderator für verschiedene Sender und wechselte schließlich in den Nachrichtenjournalismus: „Es hat mich immer interessiert, wie die Gesellschaft funktioniert und wie die Politik damit umgeht. Das hat mir dabei geholfen“, berichtet Sirin.

Auch das Unterhaltsame habe er schon immer in sich getragen. Nachrichten locker präsentieren zu können, ohne albern zu wirken – die Mischung, auf die es bei der Arbeit als Moderator im Morgenmagazin ankomme: „Man muss die Inhalte seriös, kompetent und journalistisch rüberbringen, gleichzeitig aber auch die Freude am Morgen vermitteln.“

Das Ausschlafen verlernt

Freude vermitteln, wenn der Tag zwischen drei und vier Uhr morgens beginnt – das ist etwas, das den TV-Moderator nach acht Jahren im Morgenmagazin noch immer anstrengt: „Ich liebe ja diesen Job, diese Sendung. Aber das frühe Aufstehen hat mich schon verändert.“ Die Wochen, in denen er für das Morgenmagazin vor der Kamera steht, seien eine Art Parallelwelt, in der „nur die Leute stattfinden, mit denen man auch bei der Arbeit zu tun hat. Meine Familie bekommt dann relativ wenig von mir mit.“ Wenn Sirin kein Morgenmagazin moderiert und auch keine anderen Jobs anstehen, gleicht sein Leben fast einem Urlaub, in dem genug Zeit für seine Frau, die gemeinsamen drei Kinder und Freizeitaktivitäten bleibt; nur das Ausschlafen hat er verlernt.

Seit über acht Jahren bilden Mitri Sirin und Dunja Hayali das wohl bekannteste Moderatoren-Duo des Morgenmagazins. Eine der Gemeinsamkeiten der beiden ist ihr Zuwanderungshintergrund: Ende der 1960er Jahre kamen Sirins Eltern, die der syrischstämmigen, christlichen Minderheit in der Türkei angehörten, als Gastarbeiter ins Münsterland; Hayali ist Tochter irakischer Christen. Dass die beiden gemeinsam vor der Kamera der Erfolgssendung stehen, ist kein Zufall: „Es gab ein Casting, zu dem nur Kandidaten und Kandidatinnen mit Zuwanderungshintergrund eingeladen waren. So bin ich zum ZDF gekommen – und Dunja auch.“

Mut bewiesen

Zugrunde gelegen habe die Intention der Chefredaktion, den zugewanderten Teil der Bevölkerung besser und stärker abzubilden, erzählt Sirin. Das ZDF habe da sehr viel Mut und Weitsicht bewiesen. Lange habe er daran geglaubt, die ethnische Vielfalt in den Medien entwickle sich organisch. Zwar gebe es viele Kollegen und Kolleginnen mit Migrationshintergrund, gemessen am Bevölkerungsanteil seien es aber immer noch zu wenige.

Trotzdem hat Sirin „das Gefühl, dass in den Chefredaktionen der Tageszeitungen und Sender ein Umdenken stattgefunden hat. Das ZDF hat dazu beigetragen.“ Nicht nur als Gesicht des Morgenmagazins steht er für Toleranz und Diversität ein. Aktiv engagiert Sirin sich im Berliner Ratschlag für Demokratie, einem Bündnis bekannter Berliner Persönlichkeiten, die gemeinsam Gesicht zeigen gegen fremdenfeindliche Ressentiments. Sein Einsatz sei eine Art positive Verpflichtung, sagt er: „Wir haben eine gewisse Verantwortung durch unseren Stand in der Öffentlichkeit – gerade wir, die eine Brücke bilden können zu den Teilen der Gesellschaft, die zugewandert sind. Wir haben eine andere Glaubwürdigkeit, wenn wir vermittelnd auftreten.“ Ziel müsse es sein, die Menschen dort aufzuklären und mitzunehmen, wo Pluralität nicht gelebt werde. Migration sei Teil der komplexen demographischen Veränderung der Gesellschaft in Deutschland. Die große Herausforderung für die Medien sei es, diese Bewegung zu erklären und abzubilden – und dort vielleicht den Finger in die Wunde zu legen.


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