zuletzt aktualisiert vor

Die Aliens vom ZDF „Kottan ermittelt“ und warnt die Fans vor Ufos über Duisburg



Osnabrück. Als bodenlose Frechheit empfanden viele ZDF-Zuschauer die Serie „Kottan ermittelt“. Nichts war hier, wie es sein sollte: Störrische Kaffeeautomaten, dämliche Polizisten, anarchische Storys ohne Sinn und Verstand – nicht nur Krimi-Fans fühlten sich provoziert. Dann kam kurz vor Weihnachten 1982 auch noch die Sache mit dem Ufo. Ein Skandal...!

Was man sich heute nicht mehr vorstellen kann: Im Jahre 1982 war das Fernsehen eine verdammt ernste Angelegenheit. Privatfernsehen gab es noch nicht. Eltern brandmarkten Zeichentrickserien wie „Tom und Jerry“ als zu brutal für das Vorabendprogramm im ZDF. Und auch mit Unterhaltung war nicht zu spaßen. Zu den verlässlichsten Stützen im westlichen Teil des zweigeteilten Deutschlands zählten die Krimiserien am Freitagabend im ZDF. „Derrick“ und „Der Alte“ erwiesen sich als angenehm überraschungsarme Wegbegleiter ins verdiente Wochenende. Doch dann erschien ab dem 5. November 1982 „Kottan ermittelt“ auf diesem heiligen Sendeplatz. Und alles wurde anders.

Zuschauer in Österreich sowie einiger westdeutscher Dritter Programme waren vorgewarnt. Sieben Episoden gab es bereits, und vor allem eine „Verunglimpfung“ von Polizei, Sitte und Anstand sorgten insbesondere in der Alpenrepublik für gewohnheitsmäßige Mieselsucht. Aber für eingefleischte ZDF-Zuschauer muss der Auftritt des Wiener Kieberers zunächst wie eine Art Kulturschock gewirkt haben. Wurde hier doch gnadenlos alles parodiert, persifliert und marodiert, was „vernünftige“ Krimis ausmachte.

Major Adolf Kottan (Lukas Resetarits als dritter Kottan-Darsteller) sorgte mit seiner Polizeikapelle für willkürliche Musikeinlagen von Elvis bis zu den Beatles. Polizeipräsident h.c. Pilch (Kurt Weinzierl) – der Einzige, der diesen Titel offenbar ehrenhalber führen durfte – war der Trottel vom Revier. Und ein Kaffeeautomat führte als Running Gag ein eigenwilliges Eigenleben, das insbesondere zulasten von Pilch ging. Ganz zu schweigen von der Fernsehansagerin (Chris Lohner), die sich willkürlich und interaktiv in das Familienleben von „Dolferl“ Kottan, seiner Gattin (Bibiane Zeller) und deren Mutter (Gusti Wolf) einzumischen wusste.

Am 3. Dezember 1982 stellten Drehbuchautor Helmut Zenker und Regisseur Peter Patzak in der Episode „Kansas City“ dann auch noch das Humorverständnis deutscher Ufo-Fans auf die Probe. Nach exakt 10 Minuten und 43 Sekunden lief unvermittelt folgender Text durchs Bild, der heute den Zusatz „Breaking News“ getragen hätte: „Unbekanntes Flugobjekt bei Duisburg gelandet. Sonderbericht im Anschluß an diese Sendung.“ Nur ein einziges Mal. Aber viele Zuschauer waren offensichtlich von den Vorberichten zum eine Woche später startenden Film „E.T.“ dermaßen elektrisiert, dass sie erst einmal telefonieren mussten. Nicht nach Hause, sondern zum Mainzer Lerchenberg, wo das ZDF residiert. Da half auch die Ansage einer echten ZDF-Ansagerin nichts, die den Schabernack als Schabernack enttarnte. Die Leitungen brachen zusammen, und auch das Notrufnetz der Polizei rund um Duisburg geriet unter die Räder.

„Helle Empörung über Kottans ,Ufo-Scherz‘“ wollte die Tageszeitung der Steiermark daraufhin ausgemacht haben. Die Münchener Tageszeitung erkannte hingegen: „Der Humor von Kottan ist schwer zu erlernen.“ In den Oberösterreichischen Nachrichten feierte man diesen „Gag“ gar als einen „Erfolg, der an die legendäre Radiosendung über die Landung der Marsmenschen von Orson Welles in den Dreißigerjahren erinnert“. Wohingegen die Zeitschrift „Bild und Funk“ in ihrer Ausgabe 2/83 nach einem Gespräch mit Pilch-Darsteller Weinzierl drohte: „Bei Kottan wird’s noch viel verrückter.“ Am höchsten schlugen die Wellen aber in der „Hör zu“ vom 17. Dezember 1982. „Da hört der Spaß auf“, empfand der Kommentator. Und ihm zur Seite sprang ein sichtlich verwirrter Leserbriefschreiber, der sich „auf den Arm genommen und für dumm verkauft“ fühlte. Außerdem sei er „als echter Däniken-Fan der Meinung, dass man mit so etwas nicht spaßen sollte“. Die „Kottan“-Macher entschuldigten sich auf ihre Art und Weise mit einer Schrifttafel zum Einstieg in die allerletzte TV-Episode „Mabuse kehrt zurück“ am 25. August 1985: „Dieser Film ist Duisburg und allen anderen von Ufos vernachlässigten Städten gewidmet.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN