Bekannt aus "Mini Playback Show" Kultmoderatorin Marijke Amado rechnet mit Männern in TV-Branche ab

Auch die Show "WWF Club" aus dem Jahr 1985 wurde von Männern dominiert: das Moderatoren-Trio Marijke Amado zwischen Frank Laufenberg (links), und Jürgen Triebel. Foto: imago images/teutopressAuch die Show "WWF Club" aus dem Jahr 1985 wurde von Männern dominiert: das Moderatoren-Trio Marijke Amado zwischen Frank Laufenberg (links), und Jürgen Triebel. Foto: imago images/teutopress
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Berlin. Rund 20 Jahre ist es her, dass Marijke Amado junge Gesangstalente durch die "Zauberkugel" schickte. Nun berichtet sie in einem Buch von dem "blödesten Job der Welt", von der damaligen Machokultur in der Branche und Tränen nach frauenfeindlichen Sprüchen.

"Lauf nicht mit deinem fetten Arsch in die Kamera" – in ihrer 40-jährigen Fernsehkarriere erlebte Moderatorin Marijke Amado so einiges, was heute allgemein als frauenfeindlich eingestuft wird. In ihrem Buch "Frauen in den Medien: Immer schön gelassen bleiben" rechnet die 65-Jährige unter anderem mit den Männern des Showbusiness' ab. 

In den Neunzigern moderierte die Niederländerin die beliebte "Mini Playback Show" des Senders RTL, in der Kinder bekannte Hits interpretierten. 

In der beliebten "Mini Playback Show", die von 1990 bis 1998 bei RTL lief, hatten Kinder große Auftritte. Bild: imago images/United Archives

Zuvor hatte sie unter anderem Rudi Carrell in der ARD-Kultsendung "Am laufenden Band" assistiert. In ihrem demnächst erscheinenden Buch schreibt Amado, dass sie während ihrer Karriere oft zum "hübschen Blondchen" degradiert worden war. 

Ich kam mir vor wie ein hirnloses Model in einer der erfolgreichsten Unterhaltungssendungen Deutschlands. Es waren Machos der Unterhaltung und Herrscher der Regie und alle hatten wenig Respekt vor denen, die Röcke trugen.Marijke Amado, "Frauen in den Medien"

Demnach flossen bei ihr abends manchmal Tränen, weil sie erlebte, dass Frauen in der damaligen Männerdomäne Fernsehen "nur Beiwerk" waren. 

"Der damalige Ton uns Frauen gegenüber, wäre heute undenkbar", schreibt Amado. So erinnere sie sich an eine denkwürdige Situation am Set der Sendung "Am laufenden Band": 

In der Probe wurde mir 'frauenfreundlich' mitgeteilt, dass ich bitte nicht mit meinem fetten Arsch in die Kamera laufen sollte. Und Rudi schrie auf Niederländisch noch einiges hinter mir her.Marijke Amado

Dem 2006 verstorbenen Showmaster Rudi Carrell sei sie im Rückblick dennoch dankbar. Im Laufe der Zeit sei er netter zu ihr gewesen. Ihre fiesen Erfahrungen hätten sie überdies zu einer großen Kämpferin gemacht, meint Amado. 

Unter anderem in der WDR-Show "Geheimniskrämer" (Bild) oder in der Tanzshow "Let's Dance" trat Marijke Amado zuletzt im Fernsehen auf. Foto: imago images/C. Hardt/Future Image

Ein Comeback im Fernsehen könne sie sich grundsätzlich vorstellen, sagte sie RTL. "Ich würde gerne mal mit Frauen meiner Generation eine schöne Talkshow machen, wo wir uns dann etwas erzählen", sagte sie. "Frauen meiner Generation haben ja im TV nichts mehr zu verlieren: Wir sind offen, ehrlich, authentisch und direkt."

"Frauen in den Medien: Immer schön gelassen bleiben"
von Marijke Amado/Kai Schmid, Erscheinungstermin 3. Mai 2019, 192 Seiten, 22 Euro.


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