Krimireihe lebt von Neckereien 25. Folge "Marie Brand" am Ostersamstag – Schauspieler im Gespräch

Mariele Millowitsch, (Marie Brand), Hinnerk Schönemann (Jürgen Simmel) in der Jubiläumsfolge „Marie Brand und das Spiel mit dem Glück“. Foto: ZDF/Marius BeckerMariele Millowitsch, (Marie Brand), Hinnerk Schönemann (Jürgen Simmel) in der Jubiläumsfolge „Marie Brand und das Spiel mit dem Glück“. Foto: ZDF/Marius Becker

Osnabrück. Seit zehn Jahren ermitteln Mariele Millowitsch und Hinnerk Schönemann gemeinsam in „Marie Brand“. Am Ostersamstag in der 25. Folge.

Natürlich hätten Mariele Millowitsch und Hinnerk Schönemann zu Beginn auch nicht gedacht, dass ihre (Arbeits-)Beziehung zehn Jahre halten würde. Doch die Krimireihe „Marie Brand“ erfreut sich seit ihrem Start im Dezember 2008 trotz mehrfach gewechselter Sendeplätze bei den Zuschauern konstanter Beliebtheit. Rund sieben Millionen schalten regelmäßig ein, wenn Frau Brand und Herr Simmel in Köln Verbrechern nachstellen.

In ihrer Jubiläumsfolge, der 25., mit dem Titel „Marie Brand und das Spiel mit dem Glück“ müssen Marie Brand und Jürgen Simmel den Tod eines Spielhallen-Betreibers aufklären. Was zunächst nach Raubmord aussieht, entwickelt sich zu einem vertrackten Fall mit familiären Intrigen, manipulierten Spielautomaten, verarmten Glücksrittern und Bandenkriminalität. Im Rahmen der Ermittlungen versucht sich auch Simmel immer wieder mal im Glücksspiel aber natürlich ohne Erfolg. Überhaupt hadert der Kriminalhauptkommissar in der Reihe ja vor allem in Liebesdingen dauerhaft mit dem Glück. „Er braucht diesbezüglich“, erklärt Mariele Millowitsch in Gespräch mit unserer Redaktion, „ja noch immer ein wenig Nachhilfe und Fürsorge. Und er braucht endlich eine Freundin.“ Was Hinnerk Schönemann nicht einfach so stehenlassen will. „Frau Brand könnte aber auch ein bisschen Glück vertragen. So rein privat“, kontert er. Aber Simmels Kollegin lebt seit Jahren als überzeugter Single. Dabei hatte sie anfangs einen Ehemann an ihrer Seite. „Ja“, bestätigt Millowitsch, „aber den haben wir nach ein paar Folgen entsorgt. Fernsehkommissaren ein Privatleben zu geben, funktioniert eigentlich nie und das war auch in diesem Fall so.“

Auch in der Jubiläumsfolge bleibt zwischen Brand und Simmel hinsichtlich der Rollenverteilung im Prinzip alles beim Alten. Während sie den Fall vor allem mit Köpfchen löst, ist er für die Action zuständig. Er fährt den Dienstwagen, fuchtelt gern mal mit der Waffe herum und legt natürlich auch diesmal bei der Verfolgung eines Verdächtigen einen bemerkenswert langen Sprint hin. Sein sportiver Running Gag in jeder Folge. Könnte Frau Brand als ältere von beiden ihrem Kollegen nach all den Jahren nicht das „Du“ anbieten? „Auf keinen Fall“, entfährt es Schöneman. „Das wird nie passieren!“ „Sehe ich auch so“, pflichtet Millowitsch ihm eifrig nickend bei. Womit beide vermutlich richtig liegen. Schließlich lebt die Krimi-Reihe weniger von der Hochspannung ihrer Fälle als von Neckereien unter den beiden Hauptfiguren. Dabei erweisen sich die Darsteller auch im Gespräch als eingespieltes Team und privat sind sich Millowitsch und Schönemann im Laufe der Jahre weit näher gekommen als Frau Brand und Herr Simmel etwas es jemals tun werden. Schließlich hat der Schauspieler seine Kollegin zur Patentante eines seiner Söhne erkoren. Aber wie das bei Langzeitbeziehungen so ist, kann man schon mal auseinander liegen, wenn es um gemeinsame Erlebnisse geht. So etwa, wenn es um den ersten Drehtag für „Marie Brand“ geht. Millowitsch: „Das war im Präsidium, im Büro mit Kollegen.“ Schönemann: Nee, das war, als der Jaguar in der Garage explodiert ist. Wir hatten dann am selben Tag noch eine andere Szene, in der wir eine Leiche gefunden haben.“ Millowitsch: „Sicher?“ Schönemann: „Ja, klar.“ Millowitsch: „Na dann...“

Auch hinsichtlich der Entwickung ihrer Figuren im Laufe der 25 Folgen sind sie nicht wirklich einer Meinung. „Ich finde schon, dass er Fortschritte macht“, sagt Schönemann. „Simmel fällt immer wieder auf die Fresse und lernt dabei durchaus viel.“ Millowitsch schüttelt energisch den Kopf: „Er lernt eben nichts! Deshalb knallt er ja immer wieder mit dem Kopf vor die Wand. Vor allem lernt er nichts über Frauen. Er hat ein Bild im Kopf, wie eine zu sein hat und wenn sie dem nicht entspricht, funktioniert es nicht.“ Auch wenn Mariele Millowitsch gelegentlich in einzelnen Filmen auftaucht, scheint sie beruflich doch eher die Frau für Langzeitbeziehungen zu sein. Von 1996 bis 2005 spielte sie in „Nikola“ (RTL) die patente Krankenschwester und gleichzeitig die Chefsekretärin Marie Luise Schäfer in „Girl Friends“ (ZDF). In beiden Produktionen spielte Walter Sittler den Mann an ihrer Seite. „Weil beide Serien“ erinnert sich Millowitsch, „damals teils parallel produziert wurden, hat Walter mich manchmal öfter gesehen als seine eigene Frau. Und jetzt arbeite ich schon genau so lange mit Hinnerk zusammen.“

Auch Schönemann steht derzeit für zwei Reihen vor der Kamera. Neben dem Jürgen Simmel in „Marie Brand“ spielt er seit 2014 auch den ehemaligen Polizisten Hauke Jacobs in der ARD-Reihe „Nord bei Nordwest“. Davor spielte er in den vier Folgen der „Finn Zehender“-Reihe die Titelrolle des wunderbar schrägen Privatdetektivs. Trauert Schönemann der Figur manchmal nach? „Nicht wirklich“, erklärt der 44jährige. „Schließlich ging es für mich ja unmittelbar danach mit „Nord bei Nordwest“ weiter. Auch für diese Reihe stammen die Drehbücher von Holger Karsten Schmidt und haben einen ähnlich schwarzen Humor.“ Zwischendurch zeigt Hinnerk Schönemann in Einzelfilmen aber auch immer mal, dass er durchaus auch andere Charaktere verkörpern kann, als den kauzigen Gesetzestreuen mit den blauen Augen. So etwa 2014 im legendären Kölner „Tatort: Franziska“, der aus Gründen Jugendschutzes erst im Spätprogramm ausgestrahlt wurde. Darin spielte Schönemann einen skrupellosen Strafgefangenen, der eine Frau als Geisel nahm, sie über Stunden quälte und schließlich umbrachte. Gegen solch harte Kost ist man bei „Marie Brand“ auch künftig wohl weitestgehend gefeit. Sie würde auch nicht passen zu Frau Brand und Herrn Simmel, die weiterhin mit ihren Kabbeleien für solide Krimi-Unterhaltung sorgen werden.

Reinhard Lüke

„Marie Brand und das Spiel mit dem Glück“, 20.4., 20 Uhr 15, ZDF


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