Jay Hernandez in der Titelrolle Remake des Serienklassikers „Magnum“ startet bei Vox

Von Harald Keller

Veteran und Privatdetektiv: Jay Hernandez als Thomas Magnum. Foto: TVNOW/© 2018 CBS Studios Inc. and Universal Television LLC.Veteran und Privatdetektiv: Jay Hernandez als Thomas Magnum. Foto: TVNOW/© 2018 CBS Studios Inc. and Universal Television LLC.

Osnabrück. „Magnum“ gehörte zu den Serienhits der 80er-Jahre. Mit Jay Hernandez in der Titelrolle versucht sich das US-Fernsehen an einer Neuauflage.

Ein weitläufiger Besitz auf Hawaii mit Meerblick, Palmen, in der Garage ein karmesinroter Ferrari. Der Vietnamveteran Thomas Magnum schien das große Los gezogen zu haben. Doch es war ein Leben auf Pump. Anwesen und Fahrzeugpark gehörten dem Bestsellerautor Robin Masters. Magnum sollte sich um die Sicherheit kümmern und durfte deshalb das Gästehaus nutzen. In erster Linie war er als Privatdetektiv tätig.

Die Regisseure der 1980 gestarteten Krimiserie „Magnum“ wussten die exotische Landschaft auszureizen, betonten das Jetset-Ambiente. Aber das waren nur die äußeren Attraktionen. Die Serienschöpfer Glen A. Larson und Donald Bellisario brachten eine neue Tonart in das Krimigenre. Thomas Magnum wandte sich als unsichtbarer Erzähler direkt an das Publikum, machte es komplizenhaft zum Mitverschwörer und ironisierte zugleich sein oftmals glückloses Tun. Ein strahlender Held war er nie.

Zugleich hatte die Serie eine melancholische Komponente. Magnum und seine Kameraden TC und Rick alias Orville blickten auf traumatische Kriegserlebnisse zurück. Im Pilotfilm erklärt Magnum: „Eines Tages wachte ich auf, da war ich 33 und merkte, dass ich nie 23 war.“ Damit bekommt sein so unbeschwert und fröhlich wirkender Lebensstil eine ganz andere Bedeutung. Den deutschen Zuschauern blieb dies allerdings verborgen, als die Serie im Juni 1984 im Ersten Programm Premiere hatte. Passagen, in denen es um die Vietnam-Erlebnisse der drei Freunde ging, waren gekürzt worden, einige Episoden fehlten komplett. Erst 1996 war eine originalgetreue Neufassung zu sehen, in Auftrag gegeben von RTL.

 Im Zuge des aktuellen Trends zu Remakes früherer Serienhits wurde 2018 auch „Magnum“ revitalisiert. Zugleich eine wirtschaftliche Entscheidung. Schon seit 2010 entsteht auf der hawaiischen Insel O’ahu die Serie „Hawaii Five-0“, ebenfalls die Neuinterpretation eines TV-Klassikers, ursprünglich gedreht zwischen 1968 und 1980. Um die eigens geschaffenen Herstellungseinrichtungen weiter nutzen zu können, suchten die Produzenten damals nach einer neuen Serienidee – die Geburtsstunde von „Magnum“. Die Remakes werden nun dort parallel produziert, beide für die US-Senderkette CBS.

Die aktuelle „Magnum“-Serie stammt von den Autoren und Produzenten Peter M. Lenkov und Eric Guggenheim, die auch für „Hawaii Five-0“ tätig sind. Bei ihnen blickt Ex-Soldat Magnum (Jay Hernandez) auf Einsätze im Irak und in Afghanistan zurück und war dort wie seine Freunde TC (Stephen Hill) und Rick (Zachary Knighton) in Kriegsgefangenschaft, die er beinahe nicht überlebt hätte.

Die Militärvergangenheit wird in der Neuauflage weniger subtil interpretiert als seinerzeit bei Larson und Bellisario. Der Pilotfilm beginnt mit einer spektakulären Rückblende: Zu AC/DCs „Thunderstruck“ springt Magnum aus einem Raumschiff und landet per Fallschirm in Nordkorea, um einen Dissidenten in die USA zu holen. Es kommt zu einer mörderischen Autojagd unter ständigem Beschuss. Dann friert das Bild ein – die Szene stammt aus einem Thrillerroman von Robin Masters. In der Originalserie blieb der Schriftsteller geheimnisumwittert. Hier erfahren wir: Masters hat Magnum und seine Einheit als Journalist bei diversen Einsätzen begleitet und die gemeinsamen Erlebnisse zu Bestsellern verarbeitet. Die Freunde witzeln über deren Realitätsgehalt. Aber Magnum wird sich noch öfter als robuster Actionheld präsentieren. Damit ist er Ethan Hunt aus den „Mission: Impossible“-Filmen näher als dem Vorbild von 1980.

Lag der alte Magnum in ständigem Zwist mit dem britischen Ex-Offizier Higgins, dem steiflippigen Verwalter des Anwesens, ist Higgins in der Neuauflage weiblichen Geschlechts und trägt den Vornamen Juliett (Perdita Weeks). Gleichfalls Britin, kultiviert und eher kühl veranlagt. Aber unübersehbar prickelt es zwischen den beiden. Vielleicht kein so kluger dramaturgischer Schachzug. Es wird nicht leicht werden, die amüsanten Feindseligkeiten bei gleichzeitiger erotischer Anziehung auf Dauer glaubwürdig weiterzuführen.

Der ursprüngliche „Magnum“-Hauptdarsteller Tom Selleck hat eine Mitwirkung in der neuen Serie abgelehnt. Fans des Originals dürfen sichimmerhin auf TC-Darsteller Roger E. Mosley freuen. Er wird in Folge 18 eine Gastrolle spielen. Auch James Remar, Carl Weathers und Cyndi Lauper haben Episodenrollen übernommen.


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