3sat zeigt Reihe über renommierte Gestalter von heute Wie das Bauhaus bis heute wirkt

Ein Filmteam in der Münchner Theresa-Bar: Mit der Innenarchitektin Stephanie Thatenhorst (links, von hinten) spricht der Moderator Eric Mayer (Mitte) über ihre Arbeit. Foto: Nadine Rupp.Ein Filmteam in der Münchner Theresa-Bar: Mit der Innenarchitektin Stephanie Thatenhorst (links, von hinten) spricht der Moderator Eric Mayer (Mitte) über ihre Arbeit. Foto: Nadine Rupp.

Osnabrück/Mainz. . In einer dreiteiligen Reihe fragt 3sat, wie Designer und andere Gestalter von heute arbeiten. Anlass ist der 100. Geburtstag des Bauhauses.

Schon beim Betrachten eines Fotos der Theresa-Bar in München nimmt der Raum gefangen. Er hüllt ein, ist gemütlich und elegant zugleich. Die Farben sind warm; rot, braun, grün und gold sind kombiniert – dennoch wirkt nichts überladen oder übertrieben barock. Der Eigentümer hat sich eine James-Bond-Bar im Stil der 1960er/1970er-Jahre gewünscht. „Schmuckkästchen“ nennt Stephanie Thatenhorst die Bar, die von ihrem Mann betrieben wird.

Thatenhorst ist eine international arbeitende Innenarchitektin, die mit ihrem Team Privaträume ebenso gestaltet, wie Hotels, Arztpraxen und Büros. Bekannt wurde sie durch ihre ungewöhnlichen Bar- und Restaurant-Einrichtungen. Beschrieben wird ihr Stil von Fachleuten als „eklektisch“ – das heißt, sie wählt aus verschiedenen Stilen Elemente aus und führt sie zusammen. So entsteht Neues, Ungewöhnliches. Ihr Ziel sei es, Mensch und Raum in Einklang zu bringen, sagt Thatenhorst – und steht damit in der Tradition des Bauhauses.

Das Jubiläum des Bauhauses, das 1919 in Weimar gegründet wurde, sei ein Anlass gewesen, diese kleine Reihe zu entwickeln, sagt 3sat Redakteur Wolfgang Horn im Gespräch mit unserer Redaktion. Dann nennt er sogleich den zweiten Grund: „Design und Gestaltung sind im Fernsehen leider unterrepräsentiert.“ Gemeinsam mit seiner Kollegin Elisabeth Rupp habe er deshalb vor einem Jahr die Idee für die dreiteilige Reihe entwickelt, die den Blick aus der Tradition des Bauhauses weitet und zeigen will, wie Gestalter heute arbeiten.

So stellt die Reihe nicht nur Stephanie Thatenhorst, ihre Arbeit als Innenarchitektin und ihre Gedanken vor, sondern auch den Bühnenbildner Florian Lösche. Vorgestellt werden in der dritten Folge Catharina Lorenz und Steffen Kaz. Die deutschen Möbeldesigner haben ihren Sitz in der italienischen Metropole für Gestaltung: Mailand. Dort entwickeln sie Möbel für internationale Auftraggeber.

Fast andächtig nimmt Eric Mayer auf einem ihrer Stühle Platz. Angela Merkel soll beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau darauf gesessen haben. Steffen Kaz setzt sich auf den, auf den vielleicht Barack Obama gesessen hat. Zusammen mit seiner Partnerin Catharina Lorenz hat er die Sessel gestaltet, auf denen die Teilnehmer des G7-Gipfels 2015 auf Schloss Elmau über internationale Politik debattiert haben. 28 Stunden dauerte die viel diskutierte Veranstaltung, die vor allem wegen ihrer immensen Kosten von 112 Millionen Euro in die Kritik geraten war.

Doch auf solchen Äußerlichkeiten bleiben die drei Folgen nicht haften. Eric Mayer fragt nach, wie die Designer auf ihre Ideen kommen, wie sie arbeiten, was sie inspiriert, aber auch welche Gedanken und Einstellungen sich hinter ihrer Arbeit verbergen.

Bauhaus-Bezüge stehen dabei nicht unbedingt im Vordergrund: „Keiner sagt, dass er ein später Bauhaus-Schüler sei“, meint Wolfgang Horn. Das erfolge eher indirekt, wenn Lorenz und Kaz ihr Design als von Skandinavien und dem Bauhaus inspiriert mit einer Aufheiterung durch Italien bezeichnen. Und: „Man bezieht sich ja immer auf die Vorreiter, die es im eigenen Feld gab“, ergänzt Wolfgang Horn mit Blick auf künstlerische Berufe.

Eric Mayer, der die drei Folgen moderiert, begleitet die Porträtierten an verschiedene Orte und führt dort Gespräche mit ihnen über ihre Arbeit. Mit Stephanie Thatenhorst beispielsweise setzt er sich in die Natur und an ihren privaten Küchentisch. Er begleitet sie in Räume, die sie gerade mit ihrem Team neu gestaltet und lässt Bilder bisheriger Arbeiten sprechen.

Die Beiträge der Reihe „Raumwelten“ sind laut 3sat Künstlerporträt und Homestory zugleich. Sie zeigen kreative Menschen, die einen einzigartigen Beruf haben: Sie gestalten die Räume, in denen andere leben, spielen und arbeiten.

Und wieso ist die Wahl für die Reihe ausgerechnet auf diese vier Menschen gefallen? „Ich habe ein Foto der Theresa-Bar gesehen, war sehr begeistert und habe mich gefragt, wer die gestaltet hat“, erinnert sich Horn. Florian Lösche sei einer der bedeutendsten Bühnenbildner der Zeit. Die Arbeit von Lorenz und Kaz wiederum sei ihm und seiner Kollegin beim Durchblättern eines Buches über die 50 besten deutschen Designer ins Auge gesprungen. Das klingt so, als könne die Reihe fortgesetzt werden. „Das wissen wir jetzt noch nicht“, antwortet Horn.

3Sat widmet sich auch in anderen Beiträgen dem Bauhaus. So zeigt der Sender am 13. April einen Beitrag über die Bauhausfrauen.

Raumwelten. Folge 1: Stephanie Tatenhorst, Innenarchitektin: 23. März, Folge 2: Florian Lösche, Bühnenbildner, 30. März; Folge 3: Catharina Lorenz und Steffen Kaz, Möbeldesigner, 6. April. Jeweils ab 19.20 Uhr auf 3sat.


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