Germany's Next Topmodel Wie hat ProSieben die GNTM-Prügelei präsentiert?

Germany´s next Topmodel: Nicht die ganze Folge war so verschmust wie dieses Foto mit Heidi Klum und ihrem Fotografen Rankin. Foto: ProSieben/Martin EhlebenGermany´s next Topmodel: Nicht die ganze Folge war so verschmust wie dieses Foto mit Heidi Klum und ihrem Fotografen Rankin. Foto: ProSieben/Martin Ehleben

Berlin. Gewalt bei GNTM: Wie hat ProSieben Jasmins Angriff auf Lena inszeniert – nachdem ein Anwalt die Szene verhindern wollte?

Gisele Bündchen ist da. Unangekündigt wird ein Job vergeben. Und der allseits gefürchtete Fotograf Rankin macht ein Shooting, bei dem die Kandidatinnen nichts am Leib haben – außer Schmuck im Wert von zweieinhalb Millionen Dollar und possierliche Schoßhündchen. Eigentlich brauchte die siebte GNTM-Folge  zum Staffelhöhepunkt keinen Skandal mehr.

Und doch wird die Episode vor allem wegen der GNTM-Gewalt unter zwei Wackelkandidatinnen erinnert werden: Enttäuscht von sich und der Welt, hat Jasmin Cadete ihre Konkurrentin Lena Lischewski geschlagen. Mit einer Strafanzeige hatte der Anwalt des Opfers im Vorfeld dafür gesorgt, dass alle einschalten. Gerade dass er die Ausstrahlung verhindern wollte, dürfte das Interesse ja nur gesteigert haben.

ProSieben blendet die Prügelbilder aus

Tatsächlich hat ProSieben die Schläge selbst dann gar nicht gezeigt. Und das angeblich nicht wegen der Anzeige: Die Folge – das versicherte der Sender uns vorab – wurde so gesendet wie geplant. Ob die fraglichen Bilder dann doch erst nachträglich rausgeschnitten wurden, spielt auch gar keine Rolle. Effektvoll war die Szene auch so: Während das Bild für etwa fünf Sekunden weggeblendet wurde, lief der Ton nämlich weiter. ProSieben feuerte ein Sounddesign aus kreischenden Mädchen und treibender Spannungsmusik ab, das ein profundes Horrorszenario wachrief. So kann man’s natürlich auch machen. Wer die visuelle Lücke mit „einem Schlag, einem Fausthieb und Haare ziehen“ füllen will, kann ja immer noch „Bild.de“ lesen.

Was war zwischen Jasmin und Lena eigentlich passiert? War es der Hass zweier Wackelkandidatinnen, die um das Ticket zur nächsten Runde rangen? War Jasmins schweres Leben schuld, das ProSieben immer wieder mit wolkigen Worten thematisiert? War es ein Nachbeben der Akt-Fotos, mit denen Jasmin vorher wortreich gehadert hatte? Oder waren ihre Skrupel vor der Nacktheit nur gespielt, so wie die anderen Kandidatinnen es vermutet hatten? Man weiß es nicht. Dass Jasmin sogar die Schläge selbst kalkuliert haben könnte, glaubt man nach der Episode aber nicht mehr. Wenn sie den Aussetzer bei Instagram später auftrumpfend als „Respekt-Schelle“ schönredet, scheint das eine nachträgliche Umdeutung zu sein. In der Sendung selbst reagiert Jasmin noch zerknirscht auf ihren Rauswurf und hofft auf Gelegenheiten, sich zu entschuldigen.

Gute Ohrfeigen, böse Ohrfeigen

Trotzdem ist Jasmins Instagram-Video interessant. In der Rückschau zweifelt sie, ob Heidi Klum sie wirklich nach Hause schicken musste: „Ich find das voll unprofessionell“, sagt sie nun. „Weil – es ist doch eine Fernsehshow, Bro.“ Eben. Und in Fernsehshows muss man abliefern. Erst vor einem Jahr hat die RTL-Kandidatin Yeliz dem „Bachelor“ vor laufender Kamera eine gescheuert. Jetzt hat sie 172.000 Instagram-Follower. Wie soll eine 18-jährige Kandidatin da zwischen sendefähigen und unerwünschten Ohrfeigen unterscheiden? Als sie ihr Urteil von Heidi Klum und Rankin bekam, wusste sie ja kaum, ob sie gerade gelobt oder kritisiert wird.

Selbst beim Sender scheint das alles uneindeutige Gefühle zu wecken. Bevor ProSieben bei den Hieben das Bild ausknipst, sieht man gerade noch, wie Jasmin ihre Kontrahentin niederbrüllt: „Mädchen, halt die Fresse!“. Mit diesen Worten fängt der Ausraster an; und zumindest das scheint dem Sender noch gut zu gefallen. In der allerersten Folge der GNTM-Staffel wurde das Bild schon einmal gezeigt, damals noch als Appetizer.

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