Heute Abend im ARD-Programm Fesselnde Tatort-Wiederholung: "Der Tod ist unser ganzes Leben"

Kriminalhauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec) versucht trotz seiner Schussverletzung Schlimmeres zu verhindern. Foto: BR/X Filme Creative Pool Entertainment GmbH/Hagen KellerKriminalhauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec) versucht trotz seiner Schussverletzung Schlimmeres zu verhindern. Foto: BR/X Filme Creative Pool Entertainment GmbH/Hagen Keller

Osnabrück. Die ARD hat Angst vor dem RTL-Fußball und zeigt auf dem Tatort-Sendeplatz heute Abend nur eine Wiederholung. Die aber hat es in sich: "Der Tod ist unser ganzes Leben" aus München ist absolut fesselnd. Und die Fortsetzung der Folge „Die Wahrheit“ aus dem Oktober 2016.

Nachdem der junge Ben Schröder mitten in München vor den Augen seiner Frau und seines Sohnes erstochen worden war, erlitt die (Fernseh-)Polizei Schiffbruch. Während Hauptkommissar Leitmayr (Udo Wachtveitl) erfolglos eine von seinem Chef ins Leben gerufene Sonderkommission leitet, kümmert sich der von dem Fall ebenfalls schwer angefasste Kollege Batic (Miroslav Nemec) weit über dienstliche Notwendigkeiten hinaus um Ayumi und Taro, die Witwe und den Sohn des Opfers. Einen Täter aber fassen die beiden nicht, lediglich ein Trittbrettfahrer geht ihnen ins Netz.

So endete der packende Münchner Tatort „Die Wahrheit“ im  Oktober 2016 und war damit eine der ganz wenigen Folgen des Krimiklassikers, in der am Ende kein Täter überführt wurde. Mit „Der Tod ist unser ganzes Leben“ ging er 2017 in die Verlängerung. Wobei die Fortsetzung den Fall mitnichten chronologisch weitererzählt. Vielmehr springt sie ein Jahr in die Zukunft – und der Anfang des Krimis kommt wie ein Ende daher. 

Leitmayr mit Krücke, Batic im Koma

An einer Krücke schleppt sich Leitmayr über die langen Flure eines Krankenhaus, sieht durchs Fenster der Intensivstation seinen Partner Batic, der im künstlichen Koma vor sich hindämmert. Am Ende seines Weges sitzt er vor einem dreiköpfigen Anhörungsausschuss, dem er Auskunft über „den Fall Schröder“ und „die Vorgänge vor drei Tagen“ geben soll, die ihn und seinen Kollegen in den beklagenswerten Zustand versetzt haben, in dem sie sich jetzt befinden.  


Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) will die Eskalation mit allen Mitteln verhindern. Thomas Barthold (Gerhard Liebmann) schaut weg. Foto: BR/X Filme Creative Pool Entertainment GmbH/Hagen Keller


Leitmayr schildert, wie Schröder „einfach so, ohne Grund“ erstochen wurde, wie er und Batic den Täter jagten und der ihnen wegen eines von ihrem Chef Maurer (Jürgen Tonkel) verweigerten DNA-Massentests durch die Lappen ging. Und er erzählt, wie dieser Täter auf einmal wieder da war – und erneut auf einen Mann einstach, ähnlich wahllos wie er seinerzeit Ben Schröder ermordete.

Opfer überlebt

Diesmal erwischt es einen jungen Vater, der gerade seinen Sohn vom Kindergarten abholen will. Doch diesmal kommt alles anders: Das Opfer überlebt, der Messerstecher ist auf Überwachungskameras zu sehen, schnell identifiziert und wird an seinem Arbeitsplatz in einem Museum festgenommen. Nach zehn Minuten scheint der Fall gelöst. Doch als Messerstecher Klaus Barthold in einem Gefangenentransporter zum Prozess nach München gebracht werden soll, eskaliert die Situation. Am Ende gibt es mehrere Tote und zwei Kommissare, die nicht nur körperlich schwer angeschlagen sind.  


Der verletzte Ivo Batic (Miroslav Nemec) versucht mit letzter Kraft an seine Waffe zu kommen, die aber Ayumi Schröder (Luka Omoto) in den Händen hält. Foto: BR/X Filme Creative Pool Entertainment GmbH/Hagen Keller


Nachdem sich „Die Wahrheit“ noch mehr weniger eng an den tatsächlichen Fall des „Isar-Mords“ angelehnt hatte, bei dem vor Jahren ein junger Italiener auf dem Radweg an der Isar erstochen worden war, ist „Der Tod ist unser ganzes Leben“ reine Fiktion. Auch dieser Krimi ist stark, allerdings gerade wegen des Ausmaßes der Eskalation auch unglaubwürdiger als der erste Teil. Beim Zuschauer dürfte so manche Frage aufkeimen, die sich nicht schlüssig beantworten lässt. Da klafft dann schon das eine oder andere Loch in der Logik.

Beängstigend gut: Gerhard Liebmann

Das hat möglicherweise auch damit zu tun, dass der Bayerische Rundfunk (BR) bei Drehbuch und Regie nicht auf dasselbe Team setzte wie bei „Die Wahrheit“. Nachdem damals mit Sebastian Marka ein echter Garant für hohe Qualität inszenierte, nahm nun Philip Koch auf dem Regiestuhl Platz, für den „Der Tod ist die ganze Wahrheit“ sein erster Tatort war. Das Buch schrieb diesmal Holger Joos, der schon für den starken Münchner Tatort „Das verkaufte Lächeln“ zur Feder gegriffen hatte. Nun basiert sein Buch auf einer Idee von Erol Yesilkaya, der „Die Wahrheit“ geschrieben hatte.  


Grandioser Auftritt: Thomas Barthold (Gerhard Liebmann) lässt sich fast schon freiwillig festnehmen. Foto: BR/X Filme Creative Pool Entertainment GmbH/Hagen Keller


In Erinnerung bleiben wird auf jeden Fall der österreichische Schauspieler Gerhard Liebmann bei einem seiner seltenen Auftritte im deutschen Fernsehen. Er stellt den wahllosen Messerstecher Klaus Barthold mit beängstigender Intensität dar. In seinen leeren Augen wohnt der Wahnsinn.


Tatort: Der Tod ist unser ganzes Leben. Das Erste, Sonntag, 24. März 2019, 20.15 Uhr

Wertung: 5 von 6 Sternen


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