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Heute Abend im ZDF-Programm Starker Stoff: ZDF-Film „Gegen die Angst“ um arabische Clans

Der Drehbuchautor in einer Nebenrolle: Polizeikommissar Lange (Robert Hummel) und ein Kollege im Einsatz nachdem ein Schuss fiel. Foto: ZDF/Christoph AssmannDer Drehbuchautor in einer Nebenrolle: Polizeikommissar Lange (Robert Hummel) und ein Kollege im Einsatz nachdem ein Schuss fiel. Foto: ZDF/Christoph Assmann

Osnabrück. Wieder mal gelingt dem ZDF am Montag ein herausragender Fernsehfilm. „Gegen die Angst“ dreht sich heute Abend um eine Staatsanwältin (Nadja Uhl) und arabischstämmige Clans in Berlin. Das Drehbuch schrieb mit Robert Hummel ein Halb-Araber, der keine Angst hat vor dem Milieu, aber schwere Versäumnisse beim Staat sieht.

Respekt. 40 Minuten ist Robert Hummel durch den Berliner Stadtverkehr zu unserem Treffpunkt geradelt. Und durch den strömenden Regen, den eine über der Hauptstadt geplatzte Wolke niederprasseln ließ. Hätte er doch mal einen Blick ins Regenradar geworfen.

Vorausschauender war der Drehbuchautor, als es um den Stoff für „Gegen die Angst“ ging. Die Zeit sei reif für einen Film über arabisch-stämmige Clans in Berlin, befand der Sohn eines Syrers und einer Deutschen. Und bot die Geschichte dem ZDF an. Der Sender griff zu – obwohl es in der Regel seine Redaktionen sind, die Vorschläge für Filmstoffe machen.   


Familienbande auf die Probe gestellt: Hisham Al-Fadi (Burak Yigit, rechts) gesteht seinem Bruder Machmoud Al-Fadi (Atheer Adel), dem Clanchef, einen Fehler. Foto: ZDF/Christoph Assmann


Herausgekommen ist ein ausgesprochen starker Film um die Berliner Staatsanwältin Judith Schrader (Nadja Uhl), derer Freund, ein Polizist, im Dienst niedergeschossen wird. Obwohl sie den Fall eigentlich wegen Befangenheit abgeben müsste, ermittelt sie weiter und gerät auf die Spur eines arabischstämmigen Familienclans, der ganze Straßenzüge beherrscht.  


Staatsanwältin Schrader (Nadja Uhl) bangt um ihren Geliebten (Andreas Pietschmann), der offenbar von einem Clanmitglied niedergeschossen wurde. Foto: ZDF/Lars R. Liebold


„Ich hab mich vor ein paar Jahren freiwillig als Schöffe am Berliner Landgericht gemeldet“, berichtet Hummel. „Viele Leute schimpfen über die Justiz, und ich dachte, vielleicht sollte man versuchen, im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas zu tun.“ (Hier gibt's das komplette Interview mit Robert Hummel)

Er hatte früher schon als Zuschauer Prozesse gegen Mitglieder der Organisierten Kriminalität verfolgt – und die Justiz als „eine sehr interessante und faszinierende Welt“ wahrgenommen, von der er im deutschen Fernsehen zu wenig sehe: „Es gibt zwar die Anwaltsserien, in denen der Oma gegen den Miethai geholfen wird, aber die großen Prozesse um schwere Verbrechen der Organisierten Kriminalität finden im Fernsehen kaum statt,“ sagt der Drehbuchautor, der auch eine Ausbildung als Schauspieler hat.  


Judith Schrader (Nadja Uhl) bittet Leyla (Sabrina Amali) auszusagen. Die junge Polizistin gehört der Familie des Clanchefs an. Foto: ZDF/Christoph Assmann


Da drängt sich die Frage auf, ob ein Drehbuchautor, der im Clan-Milieu recherchiert, sich nicht in Gefahr bringt, doch Robert Hummel winkt ab: „Ich mach mir da keine Sorgen. Ich bin Halb-Araber, habe Kampfsport gemacht und kann mich meiner Haut wehren. Außerdem sagt ein Bekannter aus dem Sicherheitsbereich immer: Die mächtigste Familie dieser Stadt trägt blaue Uniform und ist binnen fünf Minuten da.“

Außerdem, so Hummel weiter, sei es ist den Clans vermutlich auch gar nicht unrecht, im Fernsehen dargestellt zu werden als gefährliche Verbrecher: „Wenn man einen Film über das Organisierte Verbrechen macht, glorifiziert man es ungewollt auch ein Stück – man kennt das vom ,Paten‘ oder aktuell von ,4 Blocks‘“.   


Clan-Chef Machmoud (Atheer Adel) versucht Staatsanwältin Schraders (Nadja Uhl) Ermittlungen zu beeinflussen. Foto: ZDF/ Lars R. Liebold


Mit einem klaren „Ja“ beantwortet der 49-Jährige die Frage, ob der Staat zu lange zu schwach gewesen sei, um angemessen auf die Clans zu reagieren: „Es gab lange nicht den politischen Willen, entschlossen gegen die Organisierte Kriminalität vorzugehen. In Berlin wurden sogar Ermittlungsgruppen aufgelöst, obwohl sie relativ erfolgreich waren. Polizei und Justiz wurden kaputtgespart.“

Hinzu kommt seiner Ansicht nach eine gewisse Naivität gegenüber diesen Kriminellen: „Das deutsche Rechtssystem orientiert sich an Resozialisierung und zweiter Chance – das ist eine sehr gute Sache. Aber Leute, die anders sozialisiert sind, für die nur das Recht des Stärkeren gilt, die vorsätzlich und systematisch Verbrechen begehen, werden durch diese Weichheit ermutigt, weiterhin Verbrechen zu begehen. Da dauert es zu lange, bis es eine Anklage gibt, da wird auch bei der x-ten Verurteilung noch mal eine Bewährungsstrafe verhängt, weil man an das Gute im Menschen glauben will.“

Begeistert ist Robert Hummel von Hauptdarstellerin Nadja Uhl: „Die beste Besetzung, die ich mir vorstellen kann. Völlig unabhängig von dieser Rolle ist Nadja eine großartige Schauspielerin, das fand ich immer schon. Sie kann absolut glaubwürdig Ermittlerfiguren spielen und hat gleichzeitig die faszinierende Fähigkeit, die Emotionen einer Figur zu zeigen, ohne sie überdeutlich auszuspielen – man sieht alles in ihrem Gesicht.“  


Vor Gericht: Staatsanwältin Judith Schrader (Nadja Uhl) wird von den Al-Fadi-Clanmitgliedern kritisch beäugt (links: Machmoud Al-Fadi (Atheer Adel). Foto: ZDF/Christoph Assmann


Nicht nur deshalb könne „Gegen die Angst“ durchaus der Auftakt einer Reihe sein, glaubt Hummel: „Realistische und spannende Geschichten in der Justiz, den Kampf gegen die Organisierte Kriminalität, die in Deutschland immer mehr zum Thema wird, und dann auch noch mit Nadja Uhl in der Hauptrolle - ich bin sicher, das wollen die Leute sehen.“


Gegen die Angst. ZDF, Montag, 25. März 2019, 20.15 Uhr.


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