Im ARD-Programm Kroatien-Krimi: Lenn Kudrjawizki ist der nachhaltige Kommissar

Die Umwelt liegt ihm am Herzen: Lenn Kudrjawizki. Foto: Markus Nass/T&TDie Umwelt liegt ihm am Herzen: Lenn Kudrjawizki. Foto: Markus Nass/T&T

Berlin. Nur wenige Stunden nach der Ausstrahlung des Kroatien-Krimis „Der Mädchenmörder von Krac“ heute Abend im ARD-Programm bricht Kommissarsdarsteller Lenn Kudrjawizki bereits zum nächsten Dreh auf: Auf einem E-Bike will er in nur einer Woche die 1300 Kilometer von Leipzig nach Split bewältigen.

Als er das Café betritt, ist der Raum plötzlich voll mit guter Laune und die im Tresen schwitzenden Brötchen scheinen zu lächeln. „Mein Leben ist wie eine Blütenlawine,“ wird Lenn Kudrjawizki wenig später von sich behaupten – und dabei nur ein ganz kleines bisschen kitschig klingen. Im Ruhrgebiet würde man sagen, ihm scheine die Sonne aus dem Allerwertesten, aber dort wird er eher selten gesichtet.

Der 43-Jährige, den man angesichts seines Zungenbrecher-Nachnamens gern mit „Lenn“ anredet, ist eher östlich orientiert: 1975 in Leningrad geboren, kam der Sohn einer „unfassbar talentierten“ Dolmetscherin und eines Ingenieurs für technische Mikrobiologie schon als Kind in die DDR, lernte mit vier Jahren Klavier und als Fünfjähriger Geige, die er später in Dresden studierte.   

Ein starkes Team: Kommissarin Branka Marić (Neda Rahmanian) und ihr Kollege Emil Perica (Lenn Kudrjawizki) ermitteln im Hinterland Dalmatiens. Foto: ARD Degeto/Conny Klein

Heute lebt er mit Frau und zwei Kindern abwechselnd im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg und in einem alten Bauernhaus auf dem Land in Brandenburg. Seit 2016 ist er an der Seite von Neda Rahmanian als Kommissar Emil Perica im Kroatien-Krimi des Ersten zu sehen.

So auch an diesem Donnerstag in der sehenswerten Folge „Der Mädchenmörder von Krac“. Groß feiern wird Lenn die Ausstrahlung wohl kaum, denn kurz nach dem Abspann sollte er eigentlich ins Bett. Am Freitagmorgen geht’s los zum nächsten Kroatien-Dreh – aber nicht wie das übrige Team mit dem Flieger, sondern auf dem Rad. 1300 Kilometer von Leipzig nach Split in einer Woche hat er sich vorgenommen, an manchen Tagen mehr als 200 Kilometer.   

Sonja (Emily Kusche) erzählt Emil (Lenn Kudrjawizki) von ihrem Vater. Foto: ARD Degeto/Conny Klein

Tröstlich, dass Lenns Rad ein E-Bike ist, aber ein ziemlicher Ritt bleibt’s dennoch. Zusammen mit seinem Partner Wolf Bosse (49), dem Teamchef des Rennradteams Flux RC, geht’s durch sechs Länder, Schneegebiete der Alpen und über 14.000 Höhenmeter. Dafür hat der radrennerfahrene Lenn anderthalb Monate trainiert und seine Ernährung umgestellt. 

Seit sechs Woichen im Training für den Ritt nach Split: Lenn Kudrjawizki. Foto: Nora Kudrjawizki

Und ein Ziel haben sich die beiden Männer gesetzt: Zum einen wollen Sie mit ihrer Tour auf die Klimaproblematik aufmerksam machen, vor allem aber mindestens 10.000 Euro für die Leipziger Goldherz Charity Foundation sammeln, die sich der Förderung von Kindern, Kunst und Kultur verschrieben hat. Durch das Engagement diverser Sponsoren seien die Unkosten gedeckt, wodurch jeder gesammelte Cent dem guten Zweck zugutekomme, versichert der Schauspieler, der als Musiker bereits durch ähnlich ausgefallene Projekte auf sich aufmerksam gemacht hat.  

Wieder eine Mädchenleiche: Emil (Lenn Kudrjawizki, re.) ist am Fundort der ermordeten Darka (Helen Woigk) und telefoniert mit Branka. Foto: ARD Degeto/Conny Klein

So gehörte er 2015 zu den Mitbegründern des Berlin Show Orchestras, dem es nicht nur um gute Musik, sondern auch um möglichst CO2-neutrale Auftritte geht. „Wir machen Entertainment, fahren durch die Welt und hinterlassen dabei keinen riesengroßen ökologischen Fußabdruck – was können wir anders machen?“, beschreibt Kudrjawizki die Gründungsidee.

„Wir haben gemerkt, dass wir in der Organisation wahnsinnig viel verändern können – indem wir in Hotels übernachten, die auch in diese Richtung arbeiten,“ berichtet er. „Wir reisen nur mit dem Zug und achten darauf, woher der Strom kommt bei diesen Veranstaltungen. Woher kommen die Kostüme, steckt da Kinderarbeit drin? Wir sind auf einer Reise und noch lange nicht angekommen, aber die Reise macht Spaß und wir begegnen unfassbar vielen Menschen, die im selben Spirit denken.“ Mittlerweile haben sich Stars wie Ute Lemper, Jimmy Somerville, Schiller, Nik Kershaw und Howard Jones für das Nachhaltigkeitskonzept des Orchesters begeistert und mit ihm auf der Bühne gestanden.  

Deja (Gustav Schmidt) will den Tod seiner Freundin rächen und läuft Amok. Emil (Lenn Kudrjawizki, vorne) will ihn beruhigen und stellt sich schützend vor seinen Kollegen Ivan Bago (David Rott, li.), Anko (Martin Feifel, 2. v. li.), Sonja (Emily Kusche) und Ivanka (Doris Pecotić). Foto: ARD Degeto/Conny Klein

Um den eigenen CO2-Abdruck weiter zu verringern, investieren die Mitglieder des Berlin Show Orchestra in Biogasanlagen in Indien. Dazu erstellen sie jedes Jahr eine CO2-Abrechnung, in der gefahrene und geflogene Kilometer mittels eines Verrechnungsschlüssels in Geld umgerechnet werden, das für die Biogasanlagen zur Verfügung gestellt wird.

Und wie nachhaltig ist der Dreh zum Kroatien-Krimi? Da gebe es noch dicke Bretter zu bohren, denn bei den einheimischen Teams sei dieser Gedanke überhaupt noch nicht angekommen, räumt Lenn Kudrjawizki ein. Immerhin wird auf seine Initiative hin kein Plastik mehr, sondern kompostierbares Geschirr verwendet. „Und die Produktion arbeitet daran, die Flüge der Schauspieler zu minimieren.“ Er selbst bleibe die nächsten zweieinhalb Monate in Kroatien und verzichte auf Heimflüge an drehfreien Wochenenden: „Dafür kommt mich meine Familie besuchen und verbringt die Ferien bei mir.“

Kroatien-Krimi: Der Mädchenmörder von Krac. Das Erste, Donnerstag, 14. März, 2008, 20.15 Uhr.


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