Neu im Kino: "Asche ist reines Weiß" Wandel der chinesischen Gesellschaft auf der Kinoleinwand

Zhao Tao greift als Geliebte eines Gangsters schon mal zur Pistole in "Asche ist reines Weiß". Ein Ereignis mit harten Konsequenzen für die junge Frau. Foto: Neue Visionen FilmverleihZhao Tao greift als Geliebte eines Gangsters schon mal zur Pistole in "Asche ist reines Weiß". Ein Ereignis mit harten Konsequenzen für die junge Frau. Foto: Neue Visionen Filmverleih

Osnabrück. Unter "Gesetzlosen" in China: "Asche ist reines Weiß" beschreibt sowohl den Wandel einer Liebe als auch des Landes.

Qiao (Zhao Tao) kann sich vieles erlauben, was andere junge Frauen in der chinesischen Provinzstadt nicht können. Eingeführt wird sie in dem Film als freundschaftlich, wenn auch kräftig zuschlagende Frau in einer aus männlichen Gästen bestehenden Kneipe. Nonchalant nimmt sie sich die angezündeten Zigarette ihrer Gäste, um zu rauchen.

Denn Qiao ist die Geliebte des lokalen Gangsterbosses Bin (Liao Fan), der über eine im Niedergang befindliche Bergbaustadt herrscht. Eines Nachts rettet Qiao Bin sogar das Leben, als er von einer rivalisierenden Bande angegriffen wird: Qiao benutzt seine Pistole, um die Angreifer in Schach zu halten. Daraufhin muss sie in Gefängnis.

Als sie nach fünf Jahren entlassen wird, besitzt sie nichts. Qiao muss sich mit Betrügereien über Wasser halten. Schlimmer noch: Bin lässt sich verleugnen, hat offenbar eine neue Frau an seiner Seite. Durch einen Trick trifft sie schließlich Bin. Doch die Verhältnisse von einst haben sich umgekehrt.

Melodram? Gangsterfilm? Es fällt schwer, wie auch andere Filme von Regisseur Jia Khang-Ze (etwa „Touch of Sin“) einem Genre zuzuordnen. Schließlich verweigert der unter anderem in Cannes und Venedig preisgekrönte Filmemacher auch hier gängigen Kinoregeln: Wichtige Ereignisse kommen lediglich in Auslassungen oder Dialogen vor, die Erzählweise ist sehr langsam und vieles wirkt an vielen Stellen eher dokumentarisch.

Und da sich die Geschichte des ursprünglich 150 Minuten langen (in Deutschland um zwölf Minuten gekürzten) Films über zwei Jahrzehnte erstreckt, ist „Asche ist reinstes Weiß“ auch ein Abbild von Chinas rasantem Wandel der letzten Jahre - seinem wirtschaftlichen Aufstieg, aber auch der Zerstörung der Landschaft und der Korruption von Gefühlen und Traditionen.

Jia Zhang-Ke, Angehöriger der sogenannten „Sechsten Generation“ chinesischer Regisseure, schuf mit „Asche ist reinstes Weiß“ ein Gesellschaftsporträt, ist zugleich aber auch eine bewegende Liebesgeschichte. Ein faszinierendes Kinoereignis. 


„Asche ist reines Weiß“. China/F 2018. R.: Jia Zhang-Ke. D.: Zhao Tao, Liao Fan, Zheng Xu. 138 Minuten. FSK: ab 12.

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