Keine hölzerne Beziehungskiste Liebesoptimierungswahn: "Wie gut ist deine Beziehung?" im Kino

Ob Liebe durch den Magen geht? Julia Koschitz und Friederich Mücke in Ralf Westhoffs "Wie gut ist ihre Beziehung?" Foto: X VerleihOb Liebe durch den Magen geht? Julia Koschitz und Friederich Mücke in Ralf Westhoffs "Wie gut ist ihre Beziehung?" Foto: X Verleih

Osnabrück. Regisseur Ralf Westhoff fragt "Wie gut ist deine Beziehung?" Die amüsante Antwort darauf gibt es aktuell im Kino.

„Menschen machen, was sie wollen. Frauen sowieso.“ Diese Erkenntnis hat der Software-Entwickler Bob (Bastian Reiber), nachdem ihn seine Freundin verlassen hat. Sie ist nun ausgerechnet mit Harald (Michael Winterborn), einem älteren Tantra-Lehrer, zusammen! Als sich Bob deswegen bei seinem Kollegen Steve (Friedrich Mücke) ausweint, hat das ungeahnte Folgen. Denn obwohl Steve bereits seit fünf Jahren mit Carola (Julia Koschitz) zusammen lebt, bekommt er es mit der Angst zu tun. Was, wenn seine Carola auch jemanden anderen sucht? Wenn er, Steve, in der Blüte seiner Midlife-Crisis, plötzlich allein dasteht?

Zeitgleich durchforschen zwei junge Unternehmensberater, die mit ihren Backpfeifengesichtern wie schnöselige BWL-Studenten wirken, Steves Firma nach Optimierungen.

Das bringt Steve auf die schräge Idee, er müsse auch seine Beziehung zu Carola evaluieren. Oder zumindest „optimieren“.

Sein Plan dazu könnte allerdings nicht bescheuerter sein. Denn er engagiert ausgerechnet Harald, um seine Freundin, eine hauptberufliche Öko-Aktivistin, auf Standfestigkeit zu prüfen. Unnötig zu sagen, dass das irgendwann in die Hose geht. Steves Intention wird aufgedeckt, und anschließend sitzt er richtig in der Tinte.

Kein Zweifel: Regisseur und Drehbuchautor Ralf Westhoff ist sich treu geblieben. Nach Filmen wie „Shoppen“ (2006), „Der letzte schöne Herbsttag“ (2010) und der WG-Komödie „Wir sind die Neuen“ (2014) gelang dem Endvierziger erneut eine federleichte Komödie, die hier, wie in seinen ersten beiden Spielfilmen, die Verbindungen zwischen Mann und Frau aufs Korn nimmt.

Böse Zungen könnten dies leicht als „Beziehungskisten-Kino“ abtun. Und doch: Glücklicherweise unterscheiden sich Ralf Westhoffs Filme von den üblichen platten ARD-Degeto-Schonzetten, den Frauenmagazin-Weisheiten einer Doris Dörrie oder dem Klamauk der Til Schweiger- oder Matthias Schweighöfer-Komödien auf angenehme Weise. Vor allem sind sie, anders als die Vorgenannten, nie peinlich.

Dabei ist dass Milieu, dass Westhoff in seinen Filmen präsentiert, meistens das der urban-hippen Mid-Thirties und Forties, die wohlsituiert vorzugsweise in München-Schwabing, am Prenzlauer Berg in Berlin oder in der Kölner Südstadt leben und arbeiten. Und obwohl das genug Potential für klischeehafte Fettnäpfchen bietet, gelingt es „Wie gut ist deine Beziehung?“diese erstaunlich gut zu umgehen. Selbst wenn sich die Zusammenfassung, wie so manches im Film, erst mal schrecklich anhört.

Dass dann doch alles klappt, liegt vor allem am den Screwball-Humor und dem temporeichen Wortwitz des Drehbuchs, der leicht jazzigen Musik von Oliver Thiede, die nie aufdringlich wirkt (was sonst oft ein Hauptfehler deutscher Komödien ist), sowie den Schauspielern, die auch schon mal zickig wirken dürfen. Ganz so wie im Leben. Oder zumindest so, wie sich Zuschauer das Leben in der Hipster-Blase vorstellen.

Insgesamt bietet der Film zwar keine Schenkelklopfer, ist aber was für Schmunzelhasen. Wobei natürlich von Beginn an klar ist, dass der Schluss ein Happy-End bieten wird. Aber warum auch nicht? Wenn es – wie hier - zur Handlung passt?

Am Ende gibt Bob die Botschaft des Films zum Besten: „Die Menschen machen, was sie wollen. Bestimmen kann man nur, was man selber macht.“ Wahre Worte!


„Wie gut ist deine Beziehung?“. D 2019. R.: Ralf Westhoff. D.: Julia Koschitz, Friedrich Mücke, Bastian Reiber, Michael Winterborn. 112 Minuten. FSK: ab 0.

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