„Er schuf etwas Einzigartiges“ „Rockpalast“-Miterfinder Peter Rüchel starb nach schwerer Krankheit

Der „Rockpalast“ war der zentrale Teil seines Lebens: Im Alter von 81Jahren ist Peter Rüchel gestorben. Foto: Tom BullmannDer „Rockpalast“ war der zentrale Teil seines Lebens: Im Alter von 81Jahren ist Peter Rüchel gestorben. Foto: Tom Bullmann

Osnabrück. Der „Rockpalast“ war der zentrale Teil seines Lebens: Im Alter von 81Jahren ist Peter Rüchel, der die WDR-Rocknächte aus der Essener Grugahalle zum Kult machte, am Mittwochmorgen gestorben.

Mit einem Walkie Talkie in der Hand steht der Mann mit den schulterlangen Haaren auf einer Anhöhe über dem Rhein. Er beobachtet einen Hubschrauber, an dem ein großes Gerüst hängt - und wartet. Als die Band auf der nahe gelegenen Bühne ihren letzten Song anstimmt, gibt er einem Pyrotechniker per Sprechfunk mit energischer Stimme die Anweisung, das vorbereitete Spektakel zu starten. Kurz darauf entzündet sich unter dem Helikopter ein riesiger, bunt-brennender „Rockpalast“-Schriftzug, der von den Zuschauern vor der Bühne begeistert bejubelt wird. Der Mann, der stets für solch beeindruckende Bilder verantwortlich zeichnet, heißt Peter Rüchel. Er war der Redakteur beim WDR, der zusammen mit dem Regisseur Christian Wagner den „Rockpalast“ erfand – und damit Generationen von Rockfans prägte.

Die beschriebene Szene ereignete sich1983. Zum zweiten Mal hatte der „Rockpalast“ zum Open Air auf die Freilichtbühne über dem Loreley-Felsen geladen. Dave Edmunds, die Stray Cats, U2, Joe Cocker und die Steve Miller Band gaben sich auf der Bühne ein rockendes Stelldichein – und Millionen, vor allem junge Zuschauer hatten den Fernseher eingeschaltet, um die Konzerte aus dem elterlichen Wohnzimmer live mitzuverfolgen. Denn wer in den 70er und 80er Jahren nicht zu den Rockpalast-Nächten in die Grugahalle oder zu den Open Airs auf der Loreley reiste, um vor Ort dabei zu sein, der schaute die Konzerte im Fernseher, meist mit mehreren Gleichgesinnten. Per Eurovision erreichte das Programm europaweit Millionen von Zuschauern. Mit großen Namen wie Rory Gallagher, Peter Gabriel, The Who, The Police, U2, The Kinks und R.E.M. lockten Rüchel und Wagner die Kids vor die Bildschirme. Oft waren sie dem Trend aber auch einen Schritt voraus. So machten sie Mother´s Finest mit ihrer energetischen Mixtur aus Rock und Funk in Europa groß und auch ZZ Top, in den USA damals bereits frenetisch gefeiert, kannte hierzulande kaum jemand, als sie in der Grugahalle den „Rockpalast“ mit rauem Bluesrock aufmischten .

1974 war Peter Rüchel mit dem Musikprogramm erstmals beim WDR auf Sendung gegangen. Später machte er die Rocknächte aus der Essener Grugahalle legendär und auch nach seiner Pensionierung blieb er dem WDR-Programm als Berater und Herausgeber von Konzert-DVDs treu.

Schon bald nach den ersten Rocknächten hatte das Programm mehr als Kultcharakter erlangt. In der DDR geriet die WDR-Sendung zu einer der wenigen Möglichkeiten, West-Rock´n´Roll genießen zu können, wenn auch „illegal“. Daher wurde das Revival des „Rockpalasts“ 1995 von den „alten Fans“ aus dem Osten auch am ausgiebigsten gefeiert. Die „zweite Staffel“ wurde vor allem durch Livesendungen und Aufzeichnung von bekannten Open Airs geprägt.

2001 wurde Peter Rüchel von dem renommierten Veranstalter Marek Lieberberg gefragt, ob er nicht „Rock Am Ring“, eines der größten Festivals Europas, in den „Rockpalast“ bringen wolle. Fortan war Rüchels Team am Nürburgring zu Gast und sorgte für unverfälschte Livemusik im Fernseher. Denn das war stets das Prinzip des Rockpalasts gewesen: Egal, was auf der Bühne passierte, die Kameras verfolgten das Geschehen ungekürzt und sendeten es direkt in die Wohnzimmer Europas.

„Mit dem „Rockpalast“ haben Peter Rüchel und Christian Wagner vor mehr als 40 Jahren etwas Neues, Aufregendes und Einzigartiges geschaffen“, erklärte Intendant Tom Buhrow zum Tod des Redakteurs. Dass sein Werk weiterleben, ja weiterrocken und seine Gültigkeit behalten könne, sei ein tröstlicher Gedanke, so der WDR-Chef.


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