Heute Abend im ARD-Programm Deshalb ist der Franken-Tatort „Ein Tag wie jeder andere“ so gut

Ein Richter wird gerichtet: Strafverteidiger Thomas Peters (Thorsten Merten, links) richtet die Waffe auf Richter Küssges (Christian Schneller). Foto: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik HeidenEin Richter wird gerichtet: Strafverteidiger Thomas Peters (Thorsten Merten, links) richtet die Waffe auf Richter Küssges (Christian Schneller). Foto: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden

Osnabrück. Heute Abend gibt’s im ARD-Programm einen außergewöhnlich guten Tatort aus Franken: „Ein Tag wie jeder andere“. Seine Klasse verdankt der Krimi Mit Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs vor allem zwei Männern: Sebastian Marka und Erol Yesilkaya.

Kennen Sie Dagmar Manzel, Fabian Hinrichs, Ulrich Tukur, Meret Becker und Mark Waschke? Oder Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl? Vermutlich. Alles Schauspieler, alles Tatort-Kommissare. Aber kennen Sie auch Sebastian Marka? Oder Erol Yesilkaya? Nicht? Sollten Sie aber. Denn ohne diese beiden wären manche Tatort-Stars nichts. Oder zumindest nicht das, was sie sind.

Sebastian Marka (40) ist Regisseur und war vor vier Jahren noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt, auf dem gerade mal ein paar Folgen „Notruf Hafenkante“ und ein paar Kurzfilme notiert waren. Dann gab‘s den ersten abendfüllenden Spielfilm des gebürtigen Genfers: Der Frankfurter Tatort „Das Haus am Ende der Straße“ markierte Joachim Króls letzten Auftritt als Kommissar Frank Steier und war ein fesselnder Thriller. Das Drehbuch stammte damals vom gebürtigen Istanbuler und Wahl-Berliner Erol Yesilkaya – ebenso wie nun bei „Ein Tag wie jeder andere“.  (So stark war der Tatort "Das Haus am Ende der Straße")  


Ein Garant für Qualität und Spannung: Regisseur Sebastian Marka erklärt seiner Kommissarin Dagmar Manzel, wie er sich die nächste Szene vorstellt. Foto: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden


Mittlerweile verdankt das Publikum den beiden einige der besten Sonntagskrimis der letzten Jahre: Wie den spannenden Tukur-Tatort „Es lebe der Tod“, die extrem packenden und aufeinander aufbauenden Münchner Folgen „Die Wahrheit“ und "Der Tod ist unser ganzes Leben" sowie den aktuell für den Grimmepreis nominierten Berliner Tatort „Meta“.  (Für den Grimmepreis nominiert: Der Tatort "Meta")

„Erol und ich sind zwei Seiten einer Medaille: er schreibt diese außergewöhnlichen Geschichten und ich inszeniere und montiere sie auf meine Art zu einem Film“, berichtet Sebastian Marka auf Anfrage unserer Redaktion. „Wir sind in ständiger Diskussion miteinander, über das Buch, die Schauspieler, den Schnitt, die Musik - bis wir uns am Schluss immer einig sind. So etwas ist selten.“   (So stark waren die Münchner Tatort-Folgen von Marka und Yesilkaya)


Exakt eine Stunde nach dem ersten Schuss: Thomas Peters (Thorsten Merten, links) wartet die volle Stunde ab, um Katrin Tscherna (Katharina Spiering) zu erschießen. Foto: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden


Sein Erfolgsrezept formuliert der Regisseur denkbar einfach: „Ein guter Tatort muss für mich immer spannend, emotional und sorgsam gemacht sein. Ein relevantes außergewöhnliches Setting, in dem sich die Geschichte thematisch wiederfindet, macht einen Tatort für mich dann rund.“

Außergewöhnliche Settings gibt es in „Ein Tag wie jeder andere“ fürwahr. In vielen Krimis ist die erste Einstellung fast schon die wichtigste – dieser beginnt auf dem Klo. Nicht schön, aber zweckdienlich. Drei Pinkelbecken, zwei Kabinen, ein Heizkörper, ein Waschbecken. Wasser rauscht, ein Justizbediensteter kommt aus einer der Kabinen.  


Im Regen: Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) sind verzweifelt, als sie bei strömendem Regen an einem Waldgrundstück nach Hinweisen suchen. Foto: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden


Tatort hat schon mal spektakulärer begonnen. Aber selten hat ein Sonntagskrimi aus der Banalität heraus eine solche Wucht entwickelt. Bevor er den schmucklosen Raum verlässt, wendet sich der Justizbedienstete der anderen Kabine zu. „Ist alles in Ordnung bei Ihnen?“, fragt er. „Ja, alles gut“, antwortet der „Einsitzende“ – sein flackernder Blick und die Pistole in seiner Hand verraten das Gegenteil.

In der nächsten Einstellung sitzt der Mann nicht mehr auf dem Klo, sondern als Strafverteidiger in einem Gerichtssaal. Um kurz vor 14 Uhr steht er auf, zieht die Pistole, richtet sie auf den Richter, zwingt ihn auf die Knie und drückt ab. Genau zur vollen Stunde. Die Schockstarre der übrigen Prozessteilnehmer nutzt er zur Flucht.  


Unternehmer Rolf Koch (Jürgen Tarrach) ist sichtlich beunruhigt, als er sieht, was Kriminalhauptkommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) ihm auf seinem Handy zeigt. Foto: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden


Gute drei Minuten sind da gerade mal vergangenen und aus dem „Tag wie jeder andere“ ist ein beginnender Alptraum geworden. Denn genau eine Stunde später – um 15 Uhr – drückt Anwalt Thomas Peters (Thorsten Merten) erneut ab. Diesmal in einem Universitätsgebäude. Hier richtet er eine Laborantin hin. Und macht sich auf den Weg zum Festspielhaus – ebenso wie etliche Musikliebhaber, Promis, Politiker. Auf dem Programm steht die Walküre.

Es dauert nicht lange, bis der fünfte Franken-Tatort seine Zuschauer fesselt. Peters ist kein kaltblütiger Killer, zwischen seinen Taten schwitzt, zittert und weint er. Und die Kommissare Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Voss (Fabian Hinrichs) bekommen erst gegen 15.30 Uhr eine Ahnung davon, was diesen Mann antreibt. Womöglich haben sie nur noch eine halbe Stunde, um einen dritten Mord zu verhindern. Und das Festspielhaus wird zur Tatort-Bühne…   


Kriminalhauptkommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) befürchtet, dass der Täter im vollbesetzten Bayreuther Festspielhaus erneut zuschlagen wird. Foto: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden


Yesilkaya und Marka ist einmal mehr ein außergewöhnlicher und äußerst spannender Thriller gelungen. Und eine persönliche Wurzel besitzt „Ein Tag wie jeder andere“ für die beiden auch noch: Während Marka familiäre Beziehungen nach Bayreuth hat und „in der Vorbereitung zum Dreh schon viel von meinem Wissen über einzelne Drehorte miteinbringen konnte“, speiste sich der Stoff des Films für Yesilkaya aus einem Schreckenserlebnis, bei dem seine hochschwangere Frau „nur mit viel Glück einer Lebensmittelvergiftung entging“.

(So war der Tatort vom letzten Sonntag)


Tatort: Ein Tag wie jeder andere. Das Erste, Sonntag, 24. Februar 2018, 20.15 Uhr.

Wertung: 6 von 6 Sternen


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