TV-Programm am Sonntag Drogenkartelle: Hanna Svensson ermittelt fünfmal sonntags im ZDF

Hanna Svensson (Marie Richardson) sucht nach ihrem Freund und Kollegen Sven, der offenbar entführt wurde. Foto: ZDF/Peter Cederling.Hanna Svensson (Marie Richardson) sucht nach ihrem Freund und Kollegen Sven, der offenbar entführt wurde. Foto: ZDF/Peter Cederling.

Osnabrück. Rockerbanden, Drogenkartelle, solide Polizeiarbeit und eine Mutter-Sohn-Beziehung: Das sind die Zutaten der neuen Reihe "Hanna Svensson", die ab dem 24. Februar an fünf Sonntagen im ZDF läuft.

Die Polizistin Hanna Svensson (Marie Richardson) steht ein bisschen auf dem Abstellgleis. Sie arbeitete im Bereich Drogen und organisierte Kriminalität – bis sie ihren eigenen Sohn Christian einbuchtete. Mit Absicht hatte sie einen Einsatz so gelegt, dass er mit ein paar Tütchen in der Tasche erwischt wurde. „Den eigenen Sohn verpfeifen, das geht doch nicht“, sagt eine Kollegin. Fortan arbeitet Hanna in der Wirtschaftskriminalität. „Quittungen zählen“, ätzt ihr Kollege. Und die Chefin bestellt sie ein, um über einen ehrenvollen Vorruhestand zu reden. „Zwei Jahresgehälter Abfindung und volle betriebliche Rente.“ Christian kommt nach zwei Jahren Haft raus – und will nichts von seiner Mutter wissen.

Hannas einziger Lichtblick ist Sven, ein Kollege, mit dem sie eine Affäre hat, denn natürlich ist Sven verheiratet. Nach einer Liebensnacht fährt Sven ins Polizeipräsidium – aber er kommt nie an. Hanna klemmt sich dahinter: Offenbar wurde Sven entführt. Von wem? Warum? Die Kollegen vermuten dahinter eine Rockerbanden-Geschichte, an der Sven zuletzt gearbeitet hat: Mobsters gegen Delicuentos. Aber es ist komplizierter. Viel komplizierter.

So kompliziert sogar, dass es fünf Teile á 108 Minuten braucht, um den Fall in seinen Verwicklungen zu lösen. Seine Spannung beziehen die Folgen vor allem daraus, dass es, wie die Reihe auch heißt, um „Blutsbande“ geht. Hannas Sohn Christian (Adam Pålsson) steht im Mittelpunkt. Im Gefängnis ist nämlich zweierlei passiert: Erstens hat er sich mit Stefan angefreundet, dem Sohn eines kroatischen Familienclans der übelsten Sorte. Drogenhandel steht bei den Mimicas ganz oben auf der Geschäftsliste. Und zweitens hat Christian hat seine Fehler eingesehen und will fortan für das Gute kämpfen. Vor allem, um seiner Mutter Hanna zu beweisen, dass sie ihn falsch eingeschätzt hat.

Christian (Adam Pålsson) gewinnt das Vertrauen des Mimica-Clans. Blanka (Sandra Redlaff) zu nahe zu kommen, ist allerdings ein Fehler. Foto: ZDF / Peter Cederling.


Christian schleust sich nach der Haft in den Clan ein; er wird Tellerwäscher im familieneigenen Restaurant. Und er gewinnt über Stefan das Vertrauen der Bosse, vor allem des Clan-Chefs Davor (Alexej Manvelov). Kontakt zur Polizei hält er heimlich auch: über Sven, den Liebhaber seiner Mutter. Bis der verschwindet und einige Zeit später tot aufgefunden wird.

Wer die fünf Teile, die an fünf aufeinanderfolgenden Sonntagen nach den heute-journal ausgestrahlt werden, verfolgen will, braucht etwas Geduld. Die schwedisch-deutsche Koproduktion erzählt die Geschichte langsam und eher konventionell. Ja, es gibt auch mal eine Verfolgungsjagd mit dem Auto oder eine Schießerei, aber eigentlich geht um solide Polizeiarbeit. Diverse Kollegen tragen die Informationen aus diversen Ecken zusammen. Akten werden gewälzt, Verhöre geführt. Und auch der Clan der Mimica fuchtelt keineswegs ständig mit Waffen herum oder schlägt säumige Kunden zusammen. Oft genug, sitzt man im Familienrestaurant gemeinsam am Tisch und plaudert bei einem Glas kroatischem Rotwein. Anzug und weißes Hemd, Familienfotos und Seriösität. Vordergründig jedenfalls.

Hanna Svensson (Marie Richardson) wird zur Kontaktperson der Polizei zu ihrem Sohn Christian (Adam Pålsson), der versucht, einen großen Drogendeal platzen zu lassen. Foto: ZDF/Peter Cederling.


Allerdings steigert sich die Bedrohung in jeder Folge. Vor allem die Bedrohung für Christian. Und die Sorge seiner Mutter, die irgendwann die Rolle der Kontaktperson für Christian übernimmt – erst unwissend, wer Svens Informant mit dem Decknamen „Inez“ ist, und dann in vollem Bewusstsein der Lebensgefahr für ihren Sohn.

Insofern ist „Blutsbande“ nicht nur eine Geschichte über organisierte Kriminalität, Rockerbanden und internationale Drogenkartells. Es ist auch eine Mutter-Sohn-Geschichte über Missverständnisse, übertriebene Konsequenz, Wiedergutmachung und spät erkannte Liebe. Die schwedischen Zuschauer mochten die Reihe: Dort ist "Innan vi dör" ("Bevor wir sterben"), wie die Serie im Original heißt, mit einem Marktanteil von 43,2 Prozent die erfolgreichste Reihenproduktion der vergangenen Jahre. Für deutsche Zuschauer ist es auch ein Wiedersehen mit Marie Richardson, die bei einigen Wallander-Verfilmungen die Rolle von Wallanders Kollegin Maja Thysell spielte.

Hanna Svensson. Blutsbande. Fünf Teile. Ab Freitag, 22. Februar in der ZDF-Mediathek und ab 24. Februar immer sonntags um 22 Uhr im ZDF


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