Gold als Geißel der Menschheit Arte fragt nach: Ist "Goldfieber" eine unheilbare Krankheit?

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China beutetseine zehntausend Goldminen schonungslos aus, um den Weltmarkt zu beherrschen.China beutetseine zehntausend Goldminen schonungslos aus, um den Weltmarkt zu beherrschen.

Osnabrück. "Goldfieber" ist eine globale Krankheit. Arte beweist, welche Folgen die Sucht nach dem Edelmetall hat - und nur wenige dabei reich werden.

Schon im alten Griechenland galt: Gold macht nicht glücklich. Das musste auch König Midas erfahren. Als sein Wunsch erfüllt wurde, das alles, was er anfasse, sich in Gold verwandele, musste er elendig verhungern. Denn auch Speisen verwandelten sich in das Edelmetall.  Psychoanalytiker bezeichnen noch heute die pathologische Sucht nach Reichtum übrigens  als "Midas-Komplex". Aber taugt dieser Mythos auch als Sinnbild für den Goldhunger dieser Welt?

Zumindest nach Ansicht der zweiteiligen Arte-Dokumentation „Goldfieber“ kann das bejaht werden. Denn nicht nur riesige Löcher in der Erde, in denen das Erz gefördert wird, beweisen: Die Goldgewinnung ist einer der größten Umweltverschmutzer der Welt. Und bleibt, gemessen an der sozialen Lage der Arbeiter, die das Metall fördern, auch eine der ungerechtesten. Viele Minenarbeiter, etwa in China, dem weltweit am stärksten wachsenden Markt für Gold, sterben an Staublungen, während Warlords in Afrika mit „Blutgold“ Kriege finanzieren. Erstickt also die Menschheit an ihrem Goldhunger?

Wie wertvoll aber auch schädlich die Förderung von Gold ist, zeigt sich an einer einfachen Zahl: Für einen Goldring müssen bis zu 20 Tonnen Minenabfall eingerechnet werden. Und der ist hochgradig giftig. Denn für die Gewinnung des Edelmetalls wird vor allem Cyanit eingesetzt, aber auch hochgiftiges Quecksilber. Gerade letzteres reichert sich in den Ozeanen an, und schädigt so die Menschen weltweit.

Dabei hat Gold kaum praktischen Nutzen – außer in bestimmten elektronischen Geräten, als Schmuck und Ehering oder als Zahngold. Doch der Glanz und der Nimbus, eine weltweit geltende krisensichere Geldanlage zu sein, vermehrten den Kurs für Gold in den letzten Jahren enorm. Dabei wird sein Wert seit dem 17. Jahrhundert täglich in London von nur einigen wenigen Bankmitarbeitern Menschen, im sogenannten „Goldfixing“, festgelegt.

Arbeiter in armen Ländern wie Peru oder in Afrika bauen Gold unter meist lebensgefährlichen Bedingungen und für Hungerlöhne ab. Reich werden sie nie. Und selbst in wohlhabenden Staaten wie in Kanada herrscht Ungerechtigkeit. Als dort 2014 in Mount Polley ein mit bei der Goldgewinnung entstehenden giftigen Abwässern gefülltes Becken brach, und so die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte des Landes heraufbeschwor, wurde der dafür verantwortliche Minenkonzern kaum belangt. Für die Aufräumarbeiten mussten zum größten Teil die Steuerzahler aufkommen. Dabei ist das Gift jedoch nur oberflächlich verschwunden – Tonnen von toxischen Rückständen vergiften noch immer das Wasser und die Erde. Und das wird sich tausende Jahre lang nicht ändern.

Welche Rolle Gold in der Geschichte der Hochfinanz spielt, und wie es dazu beitrug den Vietnam-Krieg zu finanzieren, davon berichtet vor allem der erste Teil der Reportage. Die im Anschluss gezeigte Fortsetzung zeigt Alternativen auf - wie Gold umweltfreundlich, nachhaltig, sozial und mit Herkunftszertifikat abgebaut werden kann.

Ein Nischenmarkt. Denn allein in Deutschland jährlich etwa 120 Tonnen Gold eingeführt, und nur 20 Kilogramm davon können ein Fairtrade- und Lieferketten-Zeugnis nachweisen. Aber immerhin: Die Nachfrage nach „sauberen Gold“ wächst.

Gold als Symbol für Reichtum wird es wohl immer geben. Egal ob das New Yorker 100 Millionen-Dollar-Penthouse eines Donald Trump mit einer goldenen Ausstattung protzt, ob jüngst ein überspannter Fußballmillionär ein Steak mit Blattgold verzieren ließ oder Kirchen sich noch immer mit dem Inka-Raubgold aus Südamerika schmücken - hinter all dem Glanz steckt meist auch eine andere, bittere Geschichte.

 König Midas lässt grüßen.


Arte, 12. Februar 2019, 20.15 Uhr: "Goldfieber" (Teil 1 und 2)

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