Heute Abend im ARD-Programm Steinreich und nahezu unsichtbar: Deutschlands Milliardäre

Von den wenigen Milliardären, die sich vor der Kamera äußern wollten, ist Dirk Rossmann der auskunftsfreudigste. Foto: rbb/EIKON Media/Andy LehmannVon den wenigen Milliardären, die sich vor der Kamera äußern wollten, ist Dirk Rossmann der auskunftsfreudigste. Foto: rbb/EIKON Media/Andy Lehmann

Osnabrück. Mittlerweile wissen es alle: Die Reichen in Deutschland werden immer reicher. Und die richtig Reichen machen sich rar in der Öffentlichkeit. Grimme-Preisträger Florian Opitz hat dennoch einige von ihnen vor die Kamera locken können: „Ganz oben – Die diskrete Welt der Milliardäre“ - heute Abend im ARD-Programm.

Der Auskunftsfreudigste von ihnen ist zweifellos Dirk Rossmann, Chef der gleichnamigen Drogeriemarktkette mit 55.000 Mitarbeitern und einem geschätzten Vermögen von mehreren Milliarden Euro. Die Offenheit des Hannoveraner Milliardärs ist erfrischend. Ohne Zögern erklärt er, stolz auf sein Vermögen zu sein, räumt aber auch Fehler ein, die er in der Vergangenheit gemacht habe.

So sei er früher in Talkshows gegangen, um kostenlos den Namen seiner Firma bekannter zu machen – heute sehe er ein, „dass ich vielleicht auch ein bisschen geltungssüchtig war,“ sagt Rossmann. Und auch aus der Tatsache, dass er sein Imperium Mitte der 1990er Jahre um ein Haar gegen die Wand gefahren hätte, macht er keinen Hehl. Lediglich den Preis, den er für seine exquisite Loge bei Hannover 96 hinblättern muss, mag er dann doch nicht nennen.

Auch Rossmanns Raoul gibt sich erfreulich offen. Er verschweigt nicht, dass er lieber Regisseur geworden wäre statt einmal in die Fußstapfen seines Vaters zu treten – und dass er es eigentlich immer noch will. Doch selbst für die Söhne von Milliardären ist das Leben offenbar kein „Wünsch Dir was“.  

Eigentlich wollte er Regisseur werden: Raoul Rossmann, jüngerer Sohn Dirk Rossmanns und Erbe der Rossmann Drogeriemärkte. Foto: rbb/EIKON Media/Andy Lehmann

Die beiden anderen Superreichen, die in Opitz‘ Film zu Wort kommen, sind Michael Otto, Aufsichtsratsvorsitzender der Otto Group, und ein Selfmade-Millionär der besonderen Art: Rainer Schaller düst gern mit dem Roller durch die Gegend oder kommt in einer Lederjacke zum Geschäftstermin.

Nach dem Realschulabschluss machte er eine Lehre als Verkäufer, wurde Marktleiter dreier Supermärkte und gründete schließlich mit McFit eine Kette von Fitnessstudios, die sein Vermögen mittlerweile auf geschätzte 250 Millionen Euro anwachsen ließ. Dass er zwischendurch als Veranstalter der Katastrophen-Love Parade von Duisburg in Erscheinung trat, hat seinen Aufstieg nicht spürbar gebremst.  

Rainer Schaller, Gründer und Gesellschafter von McFit, Europas größter Fitnessstudio-Kette, hat ein Vermögen von geschätzten 250 Millionen Euro angesammelt. Foto: rbb/EIKON Media/Andy Lehmann

Gute drei Jahre hat Florian Opitz für seinen Film recherchiert, 200 mögliche Protagonisten angerufen und –geschrieben, mehrere hatten bereits zugesagt, um in letzter Minute dann doch wieder einen Rückzieher zu machen. Das habe ihn „fast in den Wahnsinn getrieben,“ berichtet Opitz im Gespräch mit unserer Redaktion.

Doch zum Glück zieht alle Jahre wieder die Redaktion des „Manager Magazins“ durch die Lande, um für ein Sonderheft die aktuelle Liste der 1000 reichsten Deutschen zusammenzustellen. Praktisch für den Filmemacher – er konnte sich anhängen und auf diese Weise die Recherche ein wenig erleichtern. Auch wenn die Liste größtenteils auf Schätzungen beruht und nicht auf Fakten. Denn – so formuliert es Opitz in seinem Film – die wirklich reichen Deutschen meiden die Öffentlichkeit wie der Teufel das Weihwasser.  

Der Fuhrpark der deutschen Unternehmerelite am Schlosshotel Kronberg. Foto: rbb/EIKON Media/Andy Lehmann

Für den Baron und Fugger-Nachfahren Christian von Bechtolsheim, dessen Focam AG einige der größten Familienvermögen Deutschlands verwaltet und mehrt, liegen die Gründe dafür auf der Hand: Die Öffentlichkeitsscheu vieler Wohlhabender liege vor allem daran, dass sie Angst haben, negativ dargestellt zu werden. Außerdem fragen sie sich, was sie davon haben. Die Antwort gibt der Baron selbst: Nichts – im Gegenteil: „Dann wird nur irgendein Verrückter auf mich aufmerksam und bricht bei mir ein oder entführt eines meiner Kinder.“   

Verwaltet das Vermögen der Superreichen: Christian Freiherr von Bechtolsheim in seinem Frankfurter Büro. Foto: rbb/EIKON Media/Andy Lehmann

Bei Erben, so von Bechtolsheim, komme schließlich noch hinzu, dass deren Vermögen teilweise durch das Dritte Reich „kompromittiert“ sei. Aber das wäre ein anderer Film.

Ganz oben – die diskrete Welt der Milliardäre. Das Erste, Montag, 11. Februar 2019, 23 Uhr.


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