11. Februar um 20.15 Uhr im ZDF "Vermisst in Berlin": Spannendes Krimidrama über Kinderprostitution

Von kna

Die nächtliche Begegnung mit dem zehnjährigen Flüchtlingskind Djamal (Lilien Batman) lässt die frühere Ermittlerin Judith Volkmann (Jördis Triebel) nach dessen Schicksal forschen. Foto: ZDF/Mathias Bothor.Die nächtliche Begegnung mit dem zehnjährigen Flüchtlingskind Djamal (Lilien Batman) lässt die frühere Ermittlerin Judith Volkmann (Jördis Triebel) nach dessen Schicksal forschen. Foto: ZDF/Mathias Bothor.

Mainz. Im ZDF-Krimi "Vermisst in Berlin" zeigt Produzentin Gabriela Sperl am 11. Februar um 20.15 Uhr einen atmosphärischen Film über Kinderprostitution.

Kinderprostitution, Kinderpornografie, vermisste oder "verloren gegangene" Kinder ohne jeglichen Schutz: Das ist das Thema, das Filmproduzentin Gabriela Sperl umtreibt, seit sie sich vor einigen Jahren für das ARD-Stück "Operation Zucker" und dessen zweiten Teil "Jagdgesellschaft" damit befasste. Um einen ähnlichen Themenkomplex kreist auch ihr neuester Film "Vermisst in Berlin", den das ZDF am 11. Februar um 20.15 Uhr ausstrahlt. Erneut arbeitet die renommierte Produzentin dafür mit der erfahrenen Regisseurin Sherry Horman zusammen.

Unkonventionelle Ex-Ermittlerin

Der ZDF-Film ist wieder ebenso bitter wie herausragend geraten – trägt aber dennoch mehr Hoffnung und Leichtigkeit in sich als die "Operation Zucker"-Filme. Im Zentrum von "Vermisst in Berlin" steht die unkonventionelle Figur der Ex-Ermittlerin Judith Volkmann. Warum sie sich von ihrem Job bei der Polizei beurlauben ließ, wird nur angedeutet; jedenfalls arbeitet sie nun als Kellnerin in einem Luxusrestaurant. 

Ermittlerin Judith Volkmann alias Jördis Triebel. Foto: ZDF/Mathias Bothor.

Als ihr eines Nachts ein offenbar allein lebendes Flüchtlingskind vors Auto läuft und anschließend davonrennt, kann sie nicht anders: Sie nimmt die Recherchen auf, will wissen, wer der etwa Zehnjährige ist, wittert Kindesmissbrauch.  

Doch Judiths eigenmächtige Ermittlungen gestalten sich schwierig. Ihr Ex-Chef Deniz Kovacevic hat ihr den Abgang aus dem Dienst nicht verziehen und reagiert genervt auf ihre zugegebenermaßen dünnen Verdachtsmomente. Doch Judith ist hartnäckig, ja, geradezu verbissen. Sie verfügt über eine verdammt gute Intuition. Und sie hat mit Ex-Kollegin Agatha einen Maulwurf im Polizeirevier.

Edin Hasanovic mit toller Nebenrolle

Eine erfrischend unkonventionelle Ermittlerin ist die Figur der Judith. Die wunderbare Jördis Triebel spielt sie berstend vor Energie und Leidenschaft, aber auch als Getriebene. Mit wenigen Strichen gelingt es den Drehbuchautorinnen Frauke Hunfeld und Silke Zertz, eine überzeugende Protagonistin zu kreieren: Judith lebt mit ihrer chaotischen Schwester und deren Tochter zusammen, für die sie eine liebevolle Ersatz-Mama ist. Außerdem ist sie tough, schläft schlecht, hat eine lockere Affäre mit einem Polizisten und kann ziemlich nerven, wenn sie etwas interessiert.

Ein ihr ebenbürtiges Gegengewicht bildet Deniz, mit dem Judith eine komplexe Beziehung verbindet. Edin Hasanovic verkörpert ihn brillant: ein ehrgeiziger Ermittler unter dem ständigen Druck, besser als die anderen sein zu müssen, um nicht als "Kanake" abgestempelt zu werden. Hasanovics nuancenreichem Spiel zuzusehen, ist eine wahre Freude.

Drehbuch und Regie verschmelzen klug

Ohnehin ist das Krimidrama ein Film, der mit einem enorm starken Ensemble glänzt, aus dem auch Natalia Wörner herausragt als Evelyn Kraft, schillernde Betreiberin einer Flüchtlingsunterkunft. Auffallend ist zudem, wie klug und kunstvoll Drehbuch und Regie eine große Zahl von Figuren und Erzählsträngen verdichten und miteinander verknüpfen. Denn neben dem bereits erwähnten Kind, das sich als afghanischer Flüchtling Djamal herausstellt, erzählt der Film auch noch von einem von Abschiebung bedrohten albanischen Jungen, der nach dem Fußballspielen nicht nach Hause zurückkehrt, sowie einem syrischen Flüchtlingskind, das seinen Eltern auf der Flucht nach Deutschland verloren ging.

Trotz seiner Fülle an Protagonisten und Storys geht "Vermisst in Berlin" in die Tiefe beziehungsweise sehr zielsicher an die jeweils wesentlichen Fragen und Emotionen. Bei aller Effizienz ist der Film aber auch sehr atmosphärisch. Mithilfe von Ausstattung, Kamera, Schnitt, Musik und Ton schafft er stimmige Arbeits- und Lebensumfelder, in denen sich Judith, Deniz, Evelyn oder Djamal bewegen.

"Auserzählt" sind diese interessanten Figuren noch lange nicht; auch sind am Ende des Films manche Handlungsfäden offen, die an eine mögliche Fortsetzung denken ließen. Trotzdem, so hofft man, möge es bei dem einmaligen Auftritt dieses Ermittler-Duos bleiben: Ein Solitär funkelt einfach schöner.

"Vermisst in Berlin". Regie: Sherry Horman. ZDF, Mo 11.02., 20.15 bis 21.45 Uhr. Mit Untertiteln für Hörgeschädigte. In der ZDFmediathek ist "Vermisst in Berlin" ab Freitag, 8. Februar 2019, 10 Uhr, abrufbar.


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