Heute Abend im ARD-Programm „Zehn Rosen“: Polizeiruf 110 aus Magdeburg um eine Transsexuelle

Steht im Zentrum dieses Krimis: Die Transfrau Pauline Schilling (Alessija Lause). Foto: MDR/Stefan ErhardSteht im Zentrum dieses Krimis: Die Transfrau Pauline Schilling (Alessija Lause). Foto: MDR/Stefan Erhard

Osnabrück. Heute Abend gibt es keinen Tatort im ARD-Programm. Stattdessen zeigt das Erste mit „Zehn Rosen“ einen Polizeiruf 110 aus Magdeburg. Es ist der vorletzte Auftritt für Matthias Matschke als Dirk Köhler an der Seite von Claudia Michelsen als Doreen Brasch.

Solche Gelände gehören zu den Abziehbildern im deutschen Fernsehkrimi: Eine heruntergekommene alte Fabrik mit einem dazugehörigen schäbigen und vollgemüllten Hinterhof. Hier werden gerne mal Leichen gefunden – im jüngsten Magdeburger Polizeiruf von zwei Schülerinnen, die eine geschwänzte Stunde über die Zeit bringen.

Das Opfer ist – auch immer gern genommen - eine junge Frau, deren Waden ähnlich kunstvoll in ein Seil geknotet wurden wie bei einer vor Jahren ermordeten Prostituierten. Damals musste die Polizei den Hauptverdächtigen Paul Schilling wieder laufen lassen, mittlerweile hat er eine Geschlechtsumwandlung gemacht, nennt sich Pauline, betreibt einen Blumenladen – und gerät wieder unter Verdacht.  


Die Füße der Leiche wurden verschnürt - ähnlich wie bei einem Prostituiertenmord vor mehreren Jahren. Foto: MDR/Stefan Erhard


Kommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) kauft zehn Rosen bei ihr – daher also der Titel – und lässt sie sich ins Präsidium liefern. Und der Kollege Dirk Köhler (Matthias Matschke) sammelt eifrig Puzzlestücke, die die Transsexuelle immer deutlicher als Täterin erscheinen lassen.

Die Zutaten könnten einen durchaus soliden, wenn auch nicht sonderlich originellen Krimi mit der Besonderheit des noch nicht so häufig behandelten Themas der Transsexualität ergeben - die Gewürze sorgen allerdings für eine sonderbare Note: Absurdität schmeckt immer kräftiger durch je länger der Film in ein an der Haaren herbeigezogenes Finale mündet. Und so mancher Dialog erinnert an leicht unbeholfene Versuche eines Laientheaters.  


Köhler (Matthias Matschke, rechts) wird von einem Rottweiler bedroht, rastet aus und bedroht den Hundebesitzer Freise (Sven Schelker) mit der Waffe. Foto: MDR/Stefan Erhard


Womit nicht die beiden Hauptdarsteller gemeint sind. Jetzt, wo es langsam aufs Ende zugeht – „Zehn Rosen“ ist Matschkes vorletzter Auftritt in dieser Rolle – haben sich die überzogenen Zickereien zwischen Brasch und Köhler weitgehend abgeschliffen. Und auch der Eindruck, dass Michelsen und Matschke zumindest in diesen Rollen nicht wirklich gut zueinander passen, verblasst immer mehr.

Weitgehend überzeugend auch der Auftritt von Alessija Lause als Transfrau Pauline – lässt man mal einen gestelzten Dialog mit ihrem Filmliebhaber außer Acht. Sie legt ihre Figur mit einer Mischung aus Zerrissenheit, Wut, Verzweiflung und Lebenshunger an und macht greifbar, was vielen Menschen auch in diesem Film nicht nachvollziehbar erscheint. Wer mag da daran glauben, dass Drehbuchautor Wolfgang Stauch und Regisseur Torsten C. Fischer aus solch einem Menschen tatsächlich eine Täterin machen?  


Ein merkwürdiger Dialog: Pauline (Alessija Lause) bittet Sebastian (Jan Krauter) für sie zu lügen. Foto: MDR/Stefan Erhard


Einmal noch ist Matthias Matschke im Polizeiruf 110 aus Magdeburg zu sehen – dann folgt er seinem Kollegen Sylvester Groth in den Ausstieg. Sein letzter Auftritt wird zu sehen sein, wenn halb Deutschland schon in den Ferien ist – am 7. Juli in der Folge „Mörderische Dorfgemeinschaft“.

Anschließend wird Claudia Michelsen als Doreen Brasch erst mal allein ermitteln. Nachdem Maria Furtwängler als bislang einsamste Wölfin des Tatorts künftig mit einer Kollegin zusammenarbeitet, gibt es in Magdeburg also ein Solo für Michelsen. Das muss nicht die schlechteste Lösung für dieses schon lange kriselnde Format sein.  


Ermittelt bald allein im Polizeiruf 110 aus Magdeburg: Doreen Brasch (Claudia Michelsen). Foto: MDR/Stefan Erhard


Polizeiruf 110: Zehn Rosen. Das Erste, Sonntag, 10. Februar 2016, 20.15 Uhr.

Wertung: 3 von 6 Sternen


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