GNTM 2019 Mobben und Modeln: Heidi Klum castet wieder

GNTM 2019: Heidi Klum und ihre Gast-Jurorin Lena Gercke. Foto: Pro Sieben/Richard HübnerGNTM 2019: Heidi Klum und ihre Gast-Jurorin Lena Gercke. Foto: Pro Sieben/Richard Hübner

Berlin. Heidi Klum startet in die 14. Staffel von „Germany’s Next Topmodel“. Online ist die Show schon im vollen Gange.

„In diesem Jahr ist alles anders“, sagt Heidi Klum in der Auftaktfolge von „Germany’s Next Topmodel“. Ihre Kandidatinnen hat sie nicht im großen Casting gefunden, sondern aus Online-Bewerbungen persönlich herausgepickt. Die Jury ist abgeschafft – und mit ihr die schlecht von „The Voice“ geklaute Kampf-Dramaturgie, in der Thomas Hayo und Michael Michalsky bislang mit Model-Teams gegeneinander antraten. Verblüffender Effekt: Weil Klum ihre Handlanger nicht mehr rumscheuchen und maßregeln kann, wirkt sie als Alleinherrscherin sozialer als im Team.  

Gast-Stars statt der alten Jury

Anstelle der Jury kommen in der 14. Staffel immer neue Profis vorbei: die einstige GNTM-Siegerin Stefanie Giesinger zum Beispiel, Models wie Winnie Harlow und Toni Garrn und – Thomas Gottschalk, ein Mann, dessen modische Expertise mit Vorsicht zu genießen ist. Sie alle geben den Kandidatinnen Tipps und beraten Klum im grausamen, aber nötigen Selektionsprozess: Nur eine kann Germany’s Next Topmodel werden! Hin und wieder dürfen sie die Chefin sogar überstimmen: Lena Gercke, Gast-Star der ersten Folge, bekommt eine Wildcard, mit der sie eine abgesägte Kandidatin doch noch in die nächste Runde rettet.

Alles neu – und trotzdem wie immer

Alles ist anders – aber bei einem gut erprobten Format schließt das natürlich nicht aus, dass am Ende doch wieder alles wie immer ist. Schon in der ersten Folge besetzt Heidi Klum die klassischen Rollenfächer: Es gibt die herablassende Selbstüberschätzerin, die auch in 49 Kandidatinnen keine einzige Konkurrentin entdeckt, eine religiöse Ausnahmeschönheit mit Angst vor dem Nackt-Shooting und eine Bilderbuch-Mobberin: „Mädchen, halt deine Fresse!“, sind die verheißungsvollen Worte, mit denen sie sich einführt. „Ich beleidige, wen ich möchte.“ Pro Sieben liefert Tränen der Wut und Verzweiflung, spontane Verschwisterungen und Bonbons der exzentrischen Selbstdarstellung: Eine Kandidatin bringt sogar ihre Perückensammlung mit, um zu beweisen: Sie ist wandlungsfähig, auch ohne dass man ihr das 90 Zentimeter lange Haar raubt. Die Vorfreude auf das Umstyling ist geweckt.

Internet oder TV: Was ist die Zweitverwertung?

Wenn einem das bekannt vorkommt, muss es nicht an den Routinen eines zuschanden gerittenen Quotenpferds liegen. Vieles kennen Fans tatsächlich schon – aus dem Internet. Die erste halbe Stunde der neuen Staffel wirkt wie ein loser Zusammenschnitt aus Web-Clips. Und so falsch ist der Eindruck auch gar nicht: Heidi Klums Cabrio-Tour um die Siegessäule, mit der alles anfängt, dudelt gerade als Instagram-Story auf dem GNTM-Account, genauso wie das grandiose Bewerbungsvideo, in dem die 26-jährige Theresia sich und ihren mehr als doppelt so alten Verlobten in Szene setzt. Die allerersten 15 Minuten stehen sogar komplett als Vorschau im Netz.

Klicks statt Quote

Die Mehrfachverwertung hat System: Je mehr die Fernsehquote fällt – von 3,83 Millionen Zuschauern (gesamt) und 24,2 Prozent Marktanteil in der jungen Zielgruppe (vierte Staffel, 2009) auf zuletzt 2,38 Millionen und 16,9 Prozent –, desto stärker setzt der Sender aufs Internet: Als „größte digitale Erlebniswelt in der #GNTM-Geschichte“ hat Pro Sieben das diesjährige Angebot vorgestellt: Vorstellungs-Videos, Online-Steckbriefe und zwei Fotoshootings stehen seit dem 17. Januar im Netz. Staffelbegleitend zählt ein „Influencer-Ranking“ die Social-Media-Abonnenten der Kandidatinnen. Das Umstyling können Fans ihren Favoritinnen schon eine Woche im Voraus eigenhändig verpassen – „mit einem neuen, innovativen 3D-Effekt“.

In der Mediathek brummt GNTM

Online-affin ist Heidi Klums Show schon lange: Als die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung vor ein paar Jahren damit anfing, neben den Quoten auch die Abrufzahlen der Mediatheken auszuwerten, lag GNTM als Spitzenreiter noch vor dem „Tatort“. Die mit 2,05 Millionen Zuschauern (14-49 Jahre) beliebteste Folge der letzten Staffel, selbstverständlich das Umstyling, erreichte in der ersten Woche nach Ausstrahlung 411.000 Mediathek-Abrufe (Mittelwert der in vier Kapitel geteilten Episode). Der Livestream ist dabei noch nicht mitgezählt. Einzelne Kapitel kommen auf Werte über einer halben Million. Das sind 500.000 Gründe für Mehrwert im Netz. Pro Sieben liefert ihn. Zugespitzt könnte man sagen: Anhand von GNTM führt der Sender vor, wie man das eigene Programm erfolgreich umbaut – zum Begleitmedium für die Digital Natives.

„Germany’s Next Topmodel“, Pro Sieben, ab 7. Februar 2019 immer donnerstags, 20.15 Uhr.

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